Filmkommentare Januar 2020

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TheUsualSuspect
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Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von TheUsualSuspect » vor 8 Monate

Oho, ich habe eine Serie. Ich habe es zwei Monate hintereinander ins Kino geschafft.

Anfang Dezember war es der Joker und diese Woche habe ich 1917 gesehen.
Den Kommentar zu 1917 gibt es hier.
"All work and no play makes Jack a dull boy."
Onkel Wolfe
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von Onkel Wolfe » vor 8 Monate

Ich im Januar bisher fünf Male „Knives Out“ (insgesamt bisher: 6 Kinosichtungen davon) und drei Male „StarWars IX“ (insgesamt davon bisher 8 Kinosichtungen) ;) :mrgreen:

Kann mich an Beiden nicht sattsehen, LIEBE Beide!
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von mondegreen » vor 7 Monate

Die Wütenden - Les Misérables

Der französische Beitrag für den Auslandsoscar folgt einer Polizeistreife an zwei Tagen durch die Pariser Banlieus, die von Gangstern, Zuhältern und Muslimbrüdern beherrscht wird. Durch den semidokumentarischen Stil erinnert der Film an den ebenfalls französischen "Polizie". Eine der Hauptfiguren ist ein Novize, der von einem erfahrenen Polizisten eingewiesen wird, der sich auch mal selbst über das Gesetz stellt. Eine Konstellation, die von fern her an "Training Day" erinnert. "Die Wütenden" schlägt jedoch eine andere Richtung ein. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Vertretern der Staatsmacht und den einfachen Menschen auf der Straße. Ein schlichtes Schwarz-Weiß-Schema gibt es nicht. Der Zuschauer wird eingetaucht in eine dynamische, hektische und vor Konflikten brodelnde soziale Welt, die ihren eigenen Regeln folgt. Da kommt zwischendurch etwas "The Wire"-Feeling auf (Hallo Bob! :) ).
Nach der guten Prämisse baut der Film ab der Hälfte etwas ab. Wie die dramatischen Ereignisse sich entwickeln, fand ich etwas zu plakativ und forciert. Dennoch bleibt man bis zum Ende durchaus gebannt dabei.
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Bob
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von Bob » vor 7 Monate

mondegreen hat geschrieben:
vor 7 Monate
Da kommt zwischendurch etwas "The Wire"-Feeling auf (Hallo Bob! :) ).
Hehe. Du hattest mich allerdings auch schon vor diesem Hinweis. :)
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von mondegreen » vor 7 Monate

Bob hat geschrieben:
vor 7 Monate
mondegreen hat geschrieben:
vor 7 Monate
Da kommt zwischendurch etwas "The Wire"-Feeling auf (Hallo Bob! :) ).
Hehe. Du hattest mich allerdings auch schon vor diesem Hinweis. :)
Dann habe ich mein Ziel erreicht. ;)
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von mondegreen » vor 6 Monate

Halllloooooohooo!?
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Alligator Jack between two rotten ferns

Beitrag von Kalervo » vor 6 Monate

02.01. / Sky Store

Crawl {2019 - Alexandra Aja} 7-

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Empfehlung vom Bobmaster, obschon der Film eh in meiner erweiterten Watchliste herumkroch.

So ist es insgesamt ein sehr ordentlicher Beitrag des Tierhorrorgenres. Einiges wird gut und gefällig gelöst und dargestellt. So hebt sich schon der Anfang ein wenig von den sonst üblichen Tierhorrrfilmeinführungen ab und es gibt wenig schnöden Vorlauf. Schön auch die technische Umsetzung und dass die Bedingungen und Gegebenheiten zwar auf kleinem Raum stattfinden, aber dennoch nicht langweilig werden da es innerhalb der geringen Möglichkeiten immer mal wieder Szenarienwechsel gibt.

Sehr solide also und innerhalb des Genres eine überdurchschnittliche Produktion ohne große Makel, aber er lässt mich nicht ganz so enthusiastisch zurück wie Mr. Bob (vielleicht auch ob Erwartungen die an den Regisseur geknüpft waren). Aber dennoch ein Dank für das Beschleunigen der Sichtung.

PS: The Shallows gefällt mir dennoch besser und ist auch bei IMDb mit 6,3 zu 6,2 deutlich vorne. :p


03.01. / Amazon Prime

Horrible Histories: The Movie - Rotten Romans {2019 - Dominic Brigstocke} 5+

Bild

Britische Historienverhohnepiepelung, die es auch in Serie gibt. Hier geht es um eine kleine britische Siedlung in der Zeit der römischen Besatzung. Ein junger Einheimischer will die vorhandenen Machtstrukturen und Verhältnisse nicht einfach hinnehmen, während im Zentrum der Macht auf der anderen Seite des Kontinents ein größenwahnsinniger Imperator seine eigenen Weltherrschaftspläne und andere Intrigen schmiedet.

Durchaus zuweilen komisch, aber richtige Lacher sind rar gesät. So lebt es überwiegend von untypischen Figuren und dem ein oder anderen gelungenen Anachronismus. Hatte mir da mehr erwartet, und so gut 1 1/2 Monate nach Sichtung habe ich das Meiste auch schon wieder vergessen, wie ich gerade feststelle. Da ist das deutsche Pendant weitaus ideenreicher und vor allem lustiger, wenngleich es natürlich einfacher ist sich einzelne Kurzszenarien und Ereignisse herauszupicken als einen ganzen Spielfilm mit einer sinnigen Story zu füllen.


03.01. / TNT Film

Jack Reacher {2012 - Christopher McQuarrie} 7+

Bild

Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher wird von einem Angeklagten, der beschuldigt wird als Heckenschütze mehrere Menschen ermordet zu haben, indirekt engagiert um dessen Unschuld zu beweisen. Und so ermittelt JR zusammen mit der Anwältin des Beschuldigten. Beim Versuch den wahren Schützen zu ermitteln wird schnell klar, dass auch hochrangige Personen in die Sache verstrickt sind, welche auch vor weiterer Gewalt nicht zurückschrecken.

Gut inszenierter, unterhaltsamer und allesinallem runder Militärjustiz-Thriller der so auch aus der Feder eines John Grisham stammen könnte, wobei er nicht ganz an dessen beste Werke heranreichen mag.

Gut besetzt auch, mit den gern gesehenen Richard Jenkins und Robert Duvall in Nebenrollen; Werner Herzog als Bösewicht ist auch eine interessante Wahl.


03.01. / Sky Store

Jack Reacher: Never Go Back (Jack Reacher: Kein Weg zurück) {2016 - Edward Zwick} 7

Bild

Der zweite Fall des titelgebenden Militärjuristen. Auch dieser Film ist unterhaltsam und routiniert herunterproduziert, hat außerdem keine nennenswerten besonderen Schwächen. Was auffällt ist, dass er in mancher Hinsicht dem ersten Fall recht ähnlich ist. Das wirkt fast ein wenig einfallskarg. Wobei dies eben insbesondere auffällt, wenn man die Filme kurz aufeinander schaut, bei dem ursprünglichen Vierjahreszwischenraum ist es mglw. nicht ganz so präsent.

Fällt inhaltlich zum Vorgänger etwas ab, hat aber dennoch spannende Momente und man bekommt im Grunde das was man erwarten konnte.


05.01. / Netflix

Between Two Ferns: The Movie (Zwischen zwei Farnen: Der Film) {2019 - Scott Aukerman} 7

Bild

Filmumsetzung der schrägen Interviewreihe mit Zach Galifianakis aus der Funny Or Die!-Schmiede. Im Mittelpunkt auch hier sehr ungewöhnliche Interviews mit Hollywood-Celebrities, welche sich durch absurde und nicht selten unverschämte Fragen auszeichnen. Das Ganze in ein tragendes Storykonstrukt verpackt, bei dem auch das titelgebende Pflanzenwerk etwas mehr beleuchtet wird.

Dabei wird (mir) nicht ganz klar ob die Interviews „echt“ sind oder doch gespielt. Obwohl es sich als Film auch ein wenig seltsam anfühlt, insgesamt ist es aber ein ordentlicher Spaß mit sympathischen Figuren. Insbesondere die Ferrell-Auftritte treffen genau mein Humorzentrum.
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Rabbit, the veteran beast

Beitrag von Kalervo » vor 6 Monate

FFF White Nights, Part 1

18.01.

Biseuteo (The Beast) {2019 - Jung-ho Lee} 7+

Bild

Ein Serienkiller geht um im südkoreanischen Incheon. Auf die Klärung angesetzt sind zwei rivalisierende Einsatzgruppen der örtlichen Polizei, deren Leiter dabei auch vor unlauteren Mitteln nicht zurückschrecken, schließlich geht es im Erfolgsfall um Ruhm und Ehre und eine Beförderung. Und so verschwimmen Recht und Unrecht immer mehr und die beiden Ermittler geraten immer tiefer in einen Sog aus Unredlichkeit aus dem es scheinbar kein sauberes Entrinnen mehr gibt. So nimmt das Duell der zwei Garnichtmehrsogesetzestreuen nach und nach mehr Raum ein als es einer erfolgreichen Ergreifung des Täters zuträglich ist.

Nicht ganz zufällig erinnert es an 36 Quai des Orfèvres (Tödliche Rivalen), denn der französische Thriller wird seitens der Macher als Inspiration für ihr Werk angeführt.

Und ähnlich wie der gut 15 Jahre alte Beitrag ist auch sein südkoreanisches Pendant äußerst spannend und ein kriminalistisch gut durchdachter Thriller der gleichzeitig ein aufregendes Katz- und Mausspiel, zwischen zwei Männern die eigentlich auf der gleichen Seite stehen, darstellt. Interessante und abwechslungsreiche Konstellationen und Verhältnisse inklusive.

Auffällig auch einige inszenatorische Besonderheiten, die den Film über durchschnittliche westliche Produktionen hinausheben. Spitzt sich gemächlich bis zum finalen Showdown zu und gefällt sehr, auch weil man als Beobachter des Ganzen hinsichtlich einer Sympathie zum Protagonisten hin- und hergerissen wird.


VFW {2019 - Joe Begos} 5

Bild

VFW steht für Veterans of Foreign Wars, eine Art YMCA für in die Jahre gekommene ehemalige Soldaten. Kernige Kerle, die schon alle Schreklichkeiten einer kriegerischen Auseinandersetzung mitgemacht haben noch bevor der Begriff posttraumatische Belastungsstörung überhaupt geboren war. Doch die besten Zeiten sind vorbei, es wirkt wie ein Abgesang auf ihre Spezies, denn sie sind die letzten ihrer Art. Gut am Glas und abgehärtet vom kargen Leben. Aber wenn es hart auf hart kommt können sie ihre erworbenen Skills einsetzen. Und diese brauchen sie auch als sie ungewollt und durch eine Verkettung blöder Umstände in eine Auseinandersetzung mit dem benachbarten Drogenboss-Jüngling und seinen zahllosen und dank diverser Drogen aufgeputschten Schergen geraten.

Das Grundkonstrukt für die Attackierung des Clubheims ist simpel, wirkt aber eben auch recht konstruiert. Und so gibt es nur eine geringfügige Variaton einer Zombiebelagerung, wobei die Untoten hier durch vor nichts zurückschreckende druffe Drogenpunks ersetzt wurden.

Brutal ist das Ganze, kernig eben. Mit ungeschminkter Härte und unter Verwendung etlicher Waffen aller Art. Grobkörnig ist der Film gestaltet, mit Synthiemucke unterlegt, verschleiert er sein wahres Alter und wirkt wie ein vergessener 80er-Jahre-Exploitationfilm und im Hintergrund meint man das Surren des passend altgedienten Videoabspielgerätes zu vernehmen.

Sehr gefällig ist das nicht. Wer Freude an verhältnismäßig stumpfsinnigem Abschlachten und hirnfreiem Gewaltexzess hat bitteschön. Aber meins ist das nicht unbedingt. Zu sehr ist das Drehbuch qualitativ im internen Zwist den vermeintlichen optischen Schauwerten unterlegen; dabei scheint es als habe es nie eine faire Chance gehabt.

Schön natürlich einige Schauspielveteranen in Action zu sehen. Wobei insbesondere bei Sadler der Zeitzahn zugeschlagen hat, wenn ich das mit seiner Eingangsszene in Die Harder vergleiche. Aber als Glashausbewohner sollte ich mich bei diesem Thema zurücknehmen.


Jojo Rabbit {2019 - Taika Waititi} 7

Bild

Vermeintlich schwerer Stoff komödiantisch verarbeitet, damit habe ich grundsätzlich kein Problem. Zumal angemessene ernsthaftere und dramatische Töne durchaus auch angeschlagen und auch gut getroffen werden. Insofern erinnert mich der Film schnell an La vita è bella. So geht es auch sehr rasant los, verliert dann allerdings deutlich an Tempo.

Manchmal nervt die übertriebene Albernheit des eingebildeten Hitler etwas, aber da er ja aus den Gedanken eines Jungen entstanden ist passt das im Grunde schon. Und für Schmunzler und Lacher sorgen seine Auftritte dennoch, abgesehen von den wenigen ernsthafteren fast bitteren Szenen.

Ich finde aber manchmal macht es sich der Film da zu einfach, die Darstellung ist wie gesagt nachvollziehbar, dennoch komme ich nicht ganz davon los es auch negativ zu sehen, finde manches auch zu plakativ. Schön dafür das Setting, insofern Lob an die tschechischen Setdesigner und Szenenbauer.

Auffällig großartig sind die Leistungen der Darsteller. Roman Griffin Davis sowieso, aber auch die Auftritte von Archie Yates sind immer ein Highlight. Dazu Rockwell gewohnt stark, die Johansson auch (wobei ich den Oscar Nominee nicht ganz so unterschreiben würde und denke dass da der Großteil der Figur selbst zuzuschreiben ist; wobei diese ja durch SJ zum Leben erweckt wird, insofern doch auch gerechtfertigt), Rebel Wilson verkörpert ihre Figur gut, auch Alfie Allen gefällt mir sehr, auch wenn es sich nur um eine Nebenfigur handelt, allein jeder einzelne Blick, Gestik und Mimik insgesamt ist immer auf den Punkt und toll anzuschauen. Ja und auch der Kurzauftritt von Merchant ist ein Pläsier; erschreckend wie gut er seine Figur eines akkuraten Gestapo-Mannes darstellt. Ja und der Regisseur darf halt over the top albern sein, was ihm auch sehr gut gelingt.

So ist es schon ein nicht unwichtiger Beitrag, obschon ich nicht ganz zufrieden bin und die Lobpreisungen in den aller obersten Tönen nicht teilen mag. Als sehr positiv und ans Herz gehend möchte ich aber abschließend die Schlussszene nicht unerwähnt lassen.

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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von Bob » vor 6 Monate

mondegreen hat geschrieben:
vor 6 Monate
Halllloooooohooo!?
Der Film war bei deinem Posting ja noch sehr aktuell, oder? Meine der wäre noch im Kino gelaufen. Alles nicht englisch- oder deutschsprachige kommt bei mir leider nur in der Heimkinoauswertung in Frage, da ich dann mit englischen Subs schauen kann, anstatt OV aber in den Untertiteln das Transkript der Synchro (statt einer Übersetzung).
Kalé hat geschrieben:aber er lässt mich nicht ganz so enthusiastisch zurück wie Mr. Bob (vielleicht auch ob Erwartungen die an den Regisseur geknüpft waren)
Die Erwartungen waren bei mir 'zum Glück' :/ nicht mehr vorhanden. Ich war selten bei einem Regisseur so sehr und so schnell Fan-Zone wie bei Aja nach Haute Tension und The Hills Have Eyes. Hatte mir sogar seinen Furia umständlich angeln können (der ganz anders ist - interessant, aber ich denke von seinem Horror-Kanon so abseits, dass man ihn nicht sehen muss). Steile Kurve als Graph und dann quasi instant mit Mirrors wieder auf die x-Achse, Piranha 3D hat dann den Nagel endgültig in den Sarg gehauen.
Crawl hat mich daher rein als Tierhorrorfilm interessiert. Und stimmt, er hebt sich alleine schon durch eine vernünftig/klassisch erzählte Backstory ab. Gegenüber zB The Shallows :P Frau geht Surfen - Arschbeschau- Hai kommt. Paradoxerweise muss ich aber sagen, dass mir die Variante vom wesentlich schlechteren The Shallows in der Theorie aber mehr gefällt. In einem Tierhorror geht es ja primär um die thrills und kills. Da brauche ich gar keine weitere Story. Im Falle von Crawl ist die ja auch sehr lachhaft eigentlich konzipiert, da 'natürlich' die Protagonisten Schwimmsport betreibt, um dann später mit den Krokodilen um die Wette schwimmen zu können. Zum Glück wird das aber relativ flach gehalten und kein großes Schwimmer-Drama daraus gemacht. Denke im Endeffekt wundert man sich einfach weniger über ihren langen Atem. Und mit irgendwas drumherum muss man die Monster-Action ja dann nun doch irgendwie füllen, um auf 90 Minuten zu kommen.

Tierhorror mit so einer guten Verpackung, dass die Story nicht nur Beiwerk bleibt, da gibt es eigentlich nur Jaws von Spielberg. Mir fällt zumindest kein anderer Film ein, obwohl ich das Genre und viele seiner Vertreter sehr gerne sehe. Im weiteren Feld Monsterfilm gibt es da schon etliche mehr (wenn auch relativ überschaubar) und abermals Spielberg mit Jurassic Park auf der Spitze. Wäre cool, wenn der auf seine alten Tage nochmals was in die Richtung abliefern würde. Ich wäre an Tag 1 im Kino.

Kalé hat geschrieben:Dabei wird (mir) nicht ganz klar ob die Interviews „echt“ sind oder doch gespielt.
Klar sind die 'gespielt'. Allerdings gar nicht so arg gescriptet. Die Gäste sind sich völlig bewusst, in einem Comdey-Sketch mitzuspielen, dabei wird allerdings auch eine Menge improvisiert.
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von mondegreen » vor 6 Monate

Bob hat geschrieben:
vor 6 Monate
mondegreen hat geschrieben:
vor 6 Monate
Halllloooooohooo!?
Der Film war bei deinem Posting ja noch sehr aktuell, oder? Meine der wäre noch im Kino gelaufen. Alles nicht englisch- oder deutschsprachige kommt bei mir leider nur in der Heimkinoauswertung in Frage, da ich dann mit englischen Subs schauen kann, anstatt OV aber in den Untertiteln das Transkript der Synchro (statt einer Übersetzung).
:lol: Hast auch nichts verpasst, war sehr fad.
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Gundala disappeared at Deathcember in a synchronic furie

Beitrag von Kalervo » vor 6 Monate

FFF White Nights, Part 2

19.01.

Gundala {2019 - Joko Anwar} 5-

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Indonesischer Superheldenfilm, der zu Beginn sehr ausführlich die Vorgeschichte des Titelhelden zeigt und den Zuschauer damit gleichzeitig in die ärmlichen Verhältnisse Jakartas führt. Innerhalb des Heroenkosmos also das schiere Gegenteil von Bruce Wayne's World.

Was auffällt ist die sehr ausschweifende und detaillierte Erzählweise, die mich ein wenig an indische Filme erinnert. Anfangs war ich auch gebannt und offen für das was da kommen möge, aber mit zunehmender Laufzeit fiel es mir immer schwerer dem Ganzen gutgelaunt und interessiert zu folgen. Manches wirkt unfreiwillig komisch und nicht nachvollziehbar, dazu dann auch recht langatmig. Und als dann endlich ein wohl starker Antagonist die Bühne betritt ist der Film zu Ende. Das finde ich sehr unzufriedenstellend.

So wirkt es wie ein reiner Origin-Film, wobei ich einen Film der für sich alleine steht erwartet habe. Allerdings sehe ich bislang keine Anzeichen für eine Weiterführung, welche aufgrund des Endes jedoch unabdingbar ist. Auch wenn bisher nicht alles gefällig war, so ein filmus interruptus ist dann wahrlich unbefriedigend.


Disappearance at Clifton Hill {2019 - Albert Shin} 6+

Bild

Als die Endzwanzigerin Abby in ihr Heimatstädtchen nahe den Niagarafällen zurückkehrt werden Erinnerungen an ein frühkindliches Ereignis geweckt, welchem sie ungewollt beiwohnen musste: der offensichtlichen nicht zwangfreien Entführung eines Jungen. Und noch im Unklaren, ob das vermeintlich Erlebte sich tatsächlich so zugetragen hat oder einer falschen Wahrnehmung zuzuschreiben ist, beginnt sie zu recherchieren, was sich vor rund 20 Jahren tatsächlich abgespielt hat und stößt dabei schnell auf Widerstände und entdeckt finstere Machenschaften.

Die berühmten Wasserfälle an der US-amerikanisch-kanadischen Grenze bilden den Rahmen für eine nicht unspannende Jagd nach der Wahrheit, die zuweilen auch an den klassischen Film Noir erinnert. Die Wasserfälle selbst bzw. das Drumherum wird dabei nicht als magischer Zielort mancherlei vornehmlich romantisch motivierter Reisepläne gezeigt, sondern als ausgedienter und desillusionierender Ort, dessen ehemaliger Glanz über die Jahrzehnte komplett abhanden gekommen ist und unter einer Patina des Scheiterns und der Enttäuschung bedeckt ist.

Unaufgeregt wird das Ganze erzählt, der Spannungsbogen bedächtig gespannt, was anfangs auch interessant ist und gut passt. Kein schlechter Film, aber am Ende drängt sich mehr und mehr die Sinnfrage auf und es lässt einen emotional auch recht teilnahmslos zurück.


Synchronic {2019 - Justin Benson + Aaron Moorhead} 7-

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Rettungskräfte sind oft die Speerspitze in der Feststellung menschlicher Abgründe und Folgen von sozialen Fehlentwicklungen. So auch hier, denn die Sanitäter Steve und Dennis sind scheinbar die ersten die im Post-Katrina New Orleans bei ihren nächtlichen Einsätzen die bitteren Konsequenzen seltsamer Vorgänge miterleben und wahrnehmen. Und so müssen sie bald erkennen, dass offenbar eine neue Droge im Umlauf ist welche deren Konsumenten dermaßen die Sinne und den Verstand raubt, dass diese die unverständlichsten Handlungen vornehmen, meist mit tragischen Auswirkungen. Mit der Zeit entdeckt Steve, was wirklich dahintersteckt und begibt sich bei dem Rettungsversuch einer verschwundenen Person aus dem Familienkreis seines Kollegen in höchste Gefahr.

Eine sich vergleichbar ruhig entwickelnde Geschichte, die gegen Ende eine fantastische Wendung nimmt. Im eher kleinen Rahmen wird hier eine feine Grundidee ohne allzu große Hektik erzählt. Dabei insgesamt spannend, außergewöhnlich und mitnehmend und in meinen Augen besser geraten als der Vorgänger des Regiedoppels.


Deathcember {2019 - diverse} 6

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Anthology-Film rund um das Thema Weihnachten von Regisseuren (u. a. Trent Haaga und Andreas Marschall) aus aller Filmwelt, die meisten mir (noch) eher unbekannt. Ein filmischer Adventskalender mit 24 Beiträgen (plus zwei Zugaben), welche die Jahresendzeit von der blutigen und auch tödlichen Seite zeigen. Herausgekommen sind sehr unterschiedliche Kurzfilme vielfältiger Machart, wobei das Weihnachtsthema als Überschrift natürlich immer präsent ist.

Was mir gefällt sind die vielen unterschiedlichen Ansätze zu der Aufgabenstellung, erinnert natürlich sehr an die ABCs of Death-Reihe, wenngleich hier nicht selten eine größere humorige Note mit enthalten ist.

Interessant ist, dass das Ganze als Kickstarter-Projekt zu Stande kam, aus deutschen Landen initiiert.

Klar dass einige Filmchen mehr zünden, andere weniger gefallen, das bleibt bei solch einer Darreichungsform nicht aus. Meine Favoriten sind Crappy Christmas (bitterböse mit toller Schlusspointe), Operation Dolph, Villancicos und Casetta Sperduta in Campagna.


Furie (Get In) {2019 - Olivier Abbou} 7-

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Das gemischtrassige Pärchen Chloé und Paul Diallo kehren gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn von einer Reise mit dem Wohnmobil zurück. Als sie wieder in ihr Haus zurückkehren wollen wird ihnen der Zutritt von zwei losen Bekannten, die in der Zeit auf das Anwesen aufpassen sollten und dort wohnen durften, verwehrt und diese deklarieren den nicht unbeträchtlich großen Wohnsitz für sich. Da diesen der Einfachheit halber diverse Rechte von den eigentlichen Eigentümern übertragen wurden, können die Besetzer die an der Stelle offenbar lückenhafte Gesetzeslage ausnutzen und sind erstmal juristisch nicht angreifbar.

Hilfsweise kommen die merklich entnervten Reisenden mit ihrem Wohnmobil erstmal in einem nahegelegenen Campingplatz unter. Dieser wird von Chloés Ex Mickey betrieben, einem sich, ganz im Gegensatz zu Paul, wie ein jugendlicher Halbstarker aufführender Rowdy samt Kumpels, die allesamt mit großer moralischer Flexibilität ausgestattet sind. Als dieser zunehmends Pauls Vertrauen gewinnen will und den zurückhaltenden und regelkonformen Lehrer anstachelt nach dem Scheitern rechtlicher Schritte auch ungesetzliche Maßnahmen zu ergreifen und das Recht in die eigenen Hände zu nehmen beginnt eine fatale Entwicklung die unausweichlich auf eine Eskalation hinausläuft.

Dass das Ganze auf wahren Begebenheiten beruht macht das Anschauen doch etwas angespannter, insbesondere bei den finalen Ereignissen. Ich habe bislang nicht recherchiert, wie genau sich dies abgespielt hat oder ob filmisch doch etwas überdramatisiert wurde; auch aus Eigenschutz denn ich bilde mir so lange ein, dass die Ereignsse in der Realität deutlich abgeschwächt waren.

Darüber hinaus ein gut gespieltes Psychogramm, insbesondere Paul Hamy als Mickey agiert erschreckend stark, welches uns vor Augen führt wie sehr niederste Instinkte und zügellos radikale Abscheulichkeit dem Menschen innewohnen können. Hinterlässt einen nennenswerten Kloß im Hals.


Aktuelle Serienempfehlung:

Medical Police (Netflix)
They’re cops. And doctors. At the same time!

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Spin-off von Childrens Hospital mit Erinn Hayes und Rob Huebel sowie diversen Gaststars. Zwei Ärzte werden mit einer sich ausbreitenden Seuche konfrontiert und erkennen schnell, dass diese menschengemacht ist. Und so werden sie im Handumdrehen zu Ermittlern und versuchen den bösewichtigen Hinterleuten auf eigene Faust das finstere Handwerk zu legen.

Dabei entspinnt sich eine weltweite Schnitzeljagd, dass selbst ein James Bond die Bonusmeilen neidet (besonders eindringlich natürlich die ausschweifenden Ereignisse in Dänemark), die wendungsreich, oft überraschend und meist absurdkomisch ist. Ein sehr spezieller, mir aber absolut tauglicher Quatschhumor á la Naked Gun; bzw. um ein aktuelleres Beispiel anzuführen ist anzuführen, dass es in seinen guten Momenten an Angie Tribeca erinnert.


PS: Dies ist übrigens eine ganz eigenständige und völlig unabhängige Empfehlung, komplett frei von etwaigen äußeren Beeinflussungen...

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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von Kalervo » vor 5 Monate

Sorry für die späte Reaktion, hast ja im Grunde auch mit allem Recht, nur die ein oder andere Anmerkung noch... Auch nur um zu zeigen, dass ich Deinen Post wahrgenommen habe.
Bob hat geschrieben:
vor 6 Monate
Die Erwartungen waren bei mir 'zum Glück' :/ nicht mehr vorhanden. Ich war selten bei einem Regisseur so sehr und so schnell Fan-Zone wie bei Aja nach Haute Tension und The Hills Have Eyes. Hatte mir sogar seinen Furia umständlich angeln können (der ganz anders ist - interessant, aber ich denke von seinem Horror-Kanon so abseits, dass man ihn nicht sehen muss). Steile Kurve als Graph und dann quasi instant mit Mirrors wieder auf die x-Achse, Piranha 3D hat dann den Nagel endgültig in den Sarg gehauen.
Crawl hat mich daher rein als Tierhorrorfilm interessiert. Und stimmt, er hebt sich alleine schon durch eine vernünftig/klassisch erzählte Backstory ab. Gegenüber zB The Shallows :P Frau geht Surfen - Arschbeschau- Hai kommt. Paradoxerweise muss ich aber sagen, dass mir die Variante vom wesentlich schlechteren The Shallows in der Theorie aber mehr gefällt. In einem Tierhorror geht es ja primär um die thrills und kills. Da brauche ich gar keine weitere Story. Im Falle von Crawl ist die ja auch sehr lachhaft eigentlich konzipiert, da 'natürlich' die Protagonisten Schwimmsport betreibt, um dann später mit den Krokodilen um die Wette schwimmen zu können. Zum Glück wird das aber relativ flach gehalten und kein großes Schwimmer-Drama daraus gemacht. Denke im Endeffekt wundert man sich einfach weniger über ihren langen Atem. Und mit irgendwas drumherum muss man die Monster-Action ja dann nun doch irgendwie füllen, um auf 90 Minuten zu kommen.
Deine Kritik an der Story zu The Shallows kann ich jetzt nicht nachvollziehen... :D . Aber ja ich gebe schon zu bei dem Namen etwas mehr Heftigkeit erwartet zu haben.
Bob hat geschrieben:Tierhorror mit so einer guten Verpackung, dass die Story nicht nur Beiwerk bleibt, da gibt es eigentlich nur Jaws von Spielberg. Mir fällt zumindest kein anderer Film ein, obwohl ich das Genre und viele seiner Vertreter sehr gerne sehe. Im weiteren Feld Monsterfilm gibt es da schon etliche mehr (wenn auch relativ überschaubar) und abermals Spielberg mit Jurassic Park auf der Spitze. Wäre cool, wenn der auf seine alten Tage nochmals was in die Richtung abliefern würde. Ich wäre an Tag 1 im Kino.
Ja das stimmt, ist schon beachtlich das es so ein alter Film ist der hier immer noch ganz vorne steht. Annähernd in die Richtung gehend würde ich noch The Birds erwähnen, wobei sich hier der Thrill mehr auf der psychologischen Ebene abspielt, aber das auf sehr gutem Niveau. Offensichtlich gibt man sich diesbezüglich einfach nicht mehr ausreichend Mühe würde ich behaupten.
Bob hat geschrieben:Klar sind die 'gespielt'. Allerdings gar nicht so arg gescriptet. Die Gäste sind sich völlig bewusst, in einem Comdey-Sketch mitzuspielen, dabei wird allerdings auch eine Menge improvisiert.
Okay, muss zugeben insbesondere in den ursprünglichen Interviews recht unsicher gewesen zu sein, und im Film dann auch etwas unschlüssig.
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von Bob » vor 5 Monate

Kalervo hat geschrieben:
vor 5 Monate
Annähernd in die Richtung gehend würde ich noch The Birds erwähnen, wobei sich hier der Thrill mehr auf der psychologischen Ebene abspielt, aber das auf sehr gutem Niveau.
Stimmt, der ist mir gar nicht eingefallen. Ist bei mir auch schon ewig her, dass ich den gesehen habe, bestimmt 20 Jahre...

Und keine Bange @ antworten, bin ja selbst nur sporadisch aktiv.
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Re: Filmkommentare Januar 2020

Beitrag von TheUsualSuspect » vor 5 Monate

Bob hat geschrieben:
vor 5 Monate

Und keine Bange @ antworten, bin ja selbst nur sporadisch aktiv.
Antworten, die hier innerhalb weniger Tage kommen, gelten heutzutage schon als reger Austausch. :lol: ;)
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