Rushmore's Shots

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Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

März 2018

Kino:

The Crazies / George A. Romero / USA 1973 / 2

Effektvoller Paranoid-Thriller von Romero. Deutlich erkennbar als Werk zwischen "The Night of the living Dead" und "Dawn of the Dead". Grandios und für die damalige Zeit ziemlich rasant geschnitten. Leider hatte Romero quasi nie gute SchauspielerInnen zur Verfügung gehabt und auch die Musik ist schlecht und falsch eingesetzt. Trotzdem ein interessantes Zeitdokument der damaligen politischen Atmosphäre.

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Hitlers Hollywood / Rüdiger Suchsland / Deutschland 2017 / 1 - 2

Äusserst interessante Dokumentation über das deutsche Kino zwischen 1933 und 1945. Einziger Nachteil ist die ungeheuerliche, kaum im ersten Mal zu verarbeitende Fülle von Informationen zu dieser Zeit. Sehr empfehlenswert für Filmfreaks!

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Dawn of the Dead / Zombie / George A. Romero / USA 1978 / 2 - 3

Als ich ihn vor auf den Tag genau elf Jahren das erste Mal im Kino gesehen hatte, gefiel er mir noch wesentlich weniger gut. Es war auch eine andere Schnittfassung damals. In dieser Version sind mir viele Dinge aufgefallen, die ich damals nicht sah. Die beissende Kapitalismuskritik, das unterschiedliche menschliche Verhalten in Extremsituationen, aber auch die Ironie und teilweise sogar Melancholie, mit der Romero an die Sache ging. Obwohl auch diese 125-Minuten-Version arg geschnitten war (Die anfängliche Szene mit dem explodierenden Kopf fehlte ebenso wie jene mit der Machete im Zombiekopf oder das Ausweiden des verletzten Rockers), bleibt doch der Eindruck, dass ich hier den gewaltätigsten und blutigsten Film der 70er-Jahre gesehen habe. Nebenbei ein Film für Freunde des ganzen Vintage-Zeugs, da der Film überwiegend in einem grossen Kaufhaus spielt.

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BR/DVD:

La fille inconnue / Das unbekannte Mädchen / Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne / Belgien - Frankreich 2016 / 1 - 2

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The Ones Below / Das Böse unter uns / David Farr / Grossbritannien 2015 / 2 - 3

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The Conjuring / Die Heimsuchung / James Wan / USA 2013 / 3

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Cybèle ou les dimanches de ville d'Avray / Sonntage mit Sybill / Serge Bourguignon / Frankreich - Österreich 1962 / 1

Seltsames und gleichzeitig höchst poetisches Drama, das sich um die Liebe zwischen zwei Kindern dreht, auch wenn ein Kind 30 Jahre und das andere 11 Jahre alt ist. Durch das nachhallende Ende, die extrem schöne Schwarz-Weiss-Fotografie und den Einsatz der Musik reiht sich der Film nahtlos in die Klassiker à la "Les quatre cents coups" oder "Moderato cantabile" ein. Ein Werk von seltener, wuchtiger Schönheit!

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Maniac / Dwain Esper / USA 1934 / 4

Zu seiner Entstehungszeit mag dieser Film um verrückte Wissenschaftler ja noch schockierend und kontrovers gewesen sein. Und auch wenn man von so einem alten Film nicht eine Szene erwartet, in welcher einer Katze ein Auge herausgedrückt und verspiesen wird, wirkt der Streifen heute eher dilettantisch und unfreiwillig komisch in seiner total übertriebenen Schauspielerei.

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Narcotic / Dwain Esper, Vival Sodar't / USA 1933 / 3

Etwas verwirrender Exploitation-Film, weil nie ganz klar wird, ob sich die Macher nun gegen oder im beschränkten Mass für Drogen aussprechen. Das Bild des chinesischen Demagogen (gespielt von einem Amerikaner!) ist auch nicht ganz unbedenklich, aber für die Zeit wohl nicht unüblich. Teilweise sehr interessante Kameraaufnahmen.

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Rapture / Irrwege der Leidenschaft / John Guillermin / USA - Frankreich 1965 / 1

Nach den 70er-Filmen, die ich von John Guillermin kenne, hätte ich ihn als Regisseur der gepflegten Langeweile eingeschätzt. Mein Urteil muss ich nun revidieren, denn "Rapture" ist eine hervorragende - und wohl leider in Vergessenheit geratene - Perle der 60er-Jahre. Inhaltlich interessant und von einer exquisiten Cinematografie untermalt. Wie üblich liefert Georges Delerue einen schönen Score ab.

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Terror - Ihr Urteil / Lars Kraume / Deutschland 2016 / 1

Spannendes Gerichtsdrama, in dem es letztlich um das Trolley-Problem von Karl Engisch und Hans Welzel geht. Die Frage nach gesetzlichem contra moralem Recht, bzw. Unrecht ist hier schwer erträglich. Dass am Schluss die Zuschauer über einen Schuldspruch abstimmen müssen, setzt dem ganzen die Krone auf.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

April 2018

Kino:

Von Caligari zu Hitler: Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen / Rüdiger Suchsland / Deutschland 2014 / 1

Grossartiger Dokfilm über das deutsche Kino der 20er- und frühen 30er-Jahre. Habe mir während der Vorstellung so manchen Titel notiert von Filmen, die ich mir unbedingt ansehen möchte.

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BR/DVD:

Warrendale / Allan King / Kanada 1967 / 1+

Direct Cinema-Dokumentarfilm über ein Heim für seelisch gestörte Kinder, die zwischen ihrer Ablehnung ihrer tragischen Situation, ihrer Auflehnung gegenüber ihren Betreuern und ihrem extremen Wunsch nach Geborgenheit und Umarmungen hin und her geworfen werden. Zwischen Spuck- und Fuck off-Attacken, der Rolle als Ersatzeltern und der seltsamen Holding-Methode werden die Erzieher dabei täglich in ein emotionales Wechselbad gestossen. Als nach dem plötzlichen Tod der Hausköchin die Kinder unter enormen Verlustängsten leiden, scheint die Situation vollkommen aus dem Ruder zu laufen, doch nach der Beerdigung singen und spielen die Kinder auf dem Heimweg bereits wieder. Selbst erfahrene ZuschauerInnen dürften bei diesem schwer erträglich Film an ihre Grenzen stossen.

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A Married Couple / Ein verheiratetes Paar / Allan King / Kanada 1969 / 2

Dokumentarfilm über das eigentlich liberale Ehepaar Billy und Antoinette Edwards, das trotzdem die klassische Rollenverteilung lebt. Die Alltagsprobleme werden im stetigen Streit verhandelt. Interessant ist der Film durch mehrere Punkte: Wir befinden uns am Vorabend der Frauenbewegungen. Antoinette möchte einerseits die Sicherheit der Ehe, andererseits ihre vollkommene Freiheit. Die Frage bleibt unbeantwortet, inwiefern die dauerhafte Präsenz der Kamera ein bestimmtes Verhalten des Ehepaars fördert oder unterdrückt. Jahrzehnte vor dem freiwilligen oder sogar gewollten Verlust des Privaten ist der Film schon ein starkes Stück.

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Merry Christmas Mr. Lawrence / Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence / Nagisa Ôshima / Grossbritannien - Japan - Neuseeland 1982 / 1 - 2

Sehr ruhiger Gefangenenlagerfilm, angesiedelt 1942 auf der Insel Jawa, auf welcher britische Soldaten unter japanischer Aufsicht viel Leid ertragen müssen. Das aufeinander Prallen grundverschiedener Kulturen wird ebenso einfühlsam und genau porträtiert, wie die Zuschauer im Unklaren gelassen werden, ob zwischen dem britischen Major Celliers und dem japanischen Hauptmann Yonoi eine homoerotische Verbindung besteht oder ob die beiden eher von einer möglichen spirituellen Seite beim anderen fasziniert sind. Ein toller, aber auch trauriger Film, können die Protagonisten ihre indoktrinierte Härte und Disziplin doch nicht hinter sich lassen.

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Amadeus: The Director's Cut / Milos Forman / USA - Frankreich - Tschechoslowakei 1983 / 1+

Als ich den Film im März 1986 das erste Mal sah, war er für mich schlicht und einfach einer der grandiosesten Unterhaltungsfilme, die ich bis dato kannte. Erst viel später, bei erneuten Sichtungen, sah ich die grosse Tiefe, die der Film auch thematisch hergibt, ist er doch einer der prägnantesten Beispiele für die erste und die sechste Todsünde. Und selten ist wohl Musik in einem Film dermassen genial eingesetzt worden. Trotz des Humors letztlich ein überaus trister Film mit erschütterndem und lange nachhallendem Finale. Nach Formans Tod wollte ich mir "Amadeus" unbedingt mal wieder ansehen und bin und bleibe überwältigt! "Here again was the very voice of God! I was staring through the cage of those meticulous ink-strokes at an absolute beauty". Schöner kann man die Musik Mozarts wohl eh nicht ausdrücken.

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Come on Children / Allan King / Kanada 1972 / 1 - 2

Zehn Teenagern - fünf Jungs, fünf Mädchen - wird die Chance geboten, zehn Wochen auf einer Farm nahe Toronto zu wohnen und dort nach ihrem eigenen Willen zu leben, indem sie Schule, Eltern und jegliche Form von Autorität hinter sich lassen. Sie kochen, musizieren, nehmen Drogen und offenbaren sich in Gesprächen ihre Sorgen, Ängste und ihre Entfremdung von ihren Eltern und ihrer Umwelt. King zeigt mit grosser Empathie die sogenannt verlorene Jugend der 70er Jahre mit ihren Wünschen nach einer Gegenkultur zu den eingefahrenen Lebensgewohnheiten ihrer Eltern. Interessant: Einer der Teenager ist Alex Lifeson, der später eines der Gründungsmitglieder der kanadischen Rockband "Rush" wurde. Ein berührender Film.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Mai 2018

Kino:

In den Gängen / Thomas Stuber / Deutschland 2018 / 1

Wer macht denn heute noch Filme über Lagermitarbeiter? Grosses Kompliment an Stuber, der hier eine kleine grosse Perle geschaffen hat. Wunderschön in seinen Andeutungen, dem Vertrauen dem Publikum gegenüber, welches sich durch die wenigen Dialoge die Charaktere der Figuren und ihr Leben aufbauen muss. Klasse auch die SchauspielerInnen in ihrem stoischen Understatement. Könnte der Film des Jahres werden.

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Lady Bird / Greta Gerwig / USA 2017 / 1 - 2

Arthaus-Indie, der nur am Anfang etwas nervt, dann aber schnell an Tiefe gewinnt und mich fast restlos für alle Figuren gewinnen konnte. Saoirse Ronan macht es einem in ihrer Rolle nicht leicht, glänzt aber schauspielerisch wie immer. Ein schöner und schräger, vor allem sehr menschlicher Film. Greta Gerwig hat die Filme von Noah Baumbach und jene des frühen Wes Anderson gut studiert.

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Isle of Dogs / Ataris Reise / Wes Anderson / USA - Deutschland 2018 / 1 - 2

Andersons neunter Spielfilm: Ein sehr schön gemachter, ziemlich schräger Animationsfilm, der schon bald Bezüge zur Gegenwart aufnimmt, aber auch nicht auf etwas Kitsch und ein wenig Plumpheit verzichtet in seiner gesellschaftspolitischen Botschaft. Ausser "Bottle Rocket" haben mir bisher alle Anderson-Filme gefallen, aber keiner konnte bisher "Rushmore" erreichen, den ich wirklich liebe. Am nächsten kommt noch "The Royal Tenenbaums". Auch in "Isle of Dogs" verspüre ich wieder Andersons melancholischen Humanismus ebenso, wie ich in seinen Filmen auch immer eine Distanz verspüre, die - so glaube ich mindestens - von dem merkwürdigen Humor und den häufig seltsam handelnden ProtagonistInnen ausgeht. Bin bereits sehr gespannt auf seine nächsten!

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BR/DVD:

Gladbeck / Kilian Riedhof / Deutschland 2018 / 2

Hab nicht viel zu meckern. Fand ihn auch recht überzeugend. Der Look der 80er-Filme kommt nicht ganz hin. Auch hätte der Regisseur etwas besser auf seine vielen NebendarstellerInnen aufpassen können. Die grinsen manchmal doch etwas arg blöd in die Kamera. Aber ansonsten ist das Ding schon gut geworden. Lässt mich nach wie vor fassungslos zurück. Sind eigentlich damals wenigstens ein paar Pressefritzen wegen massiver Behinderung der Polizei angeklagt worden?

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Boys in the Trees / Nicholas Verso / Australien 2016 / 1 - 2

Sehr phantasievoller Coming of Age-Film from down under. Eine schöne Mischung aus Horror und Poesie.

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Gremlins / Kleine Monster / Joe Dante / USA 1983 / 5 - 6

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Gremlins 2: The New Batch / Gremlins 2 - Die Rückkehr der kleinen Monster / Joe Dante / USA 1989 / 5 - 6

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Die beste aller Welten / Adrian Goiginger / Österreich - Deutschland 2017 / 1 - 2

Die Kindheit eines siebenjährigen Jungen im Kreise seiner drogenabhängigen Mutter und ihrer heroinsüchtigen Freunde. Nicht so arg, wie man sich vorstellen könnte. Trotzdem bekommt man einen Eindruck davon, was es heissen mag, wenn Kinder in solchen Verhältnissen aufwachsen. Sehr gut gespielt und berührend. Nur das - wenn auch kurze - Ende hätte etwas weniger dick aufgetragen sein können.

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Treppe Aufwärts / Mia Maariel Meyer / Deutschland 2015 / 1 - 2

Nüchterner, deprimierend-ehrlicher Milieufilm um Adam, der Spielautomaten manipuliert, damit er die hohen Spielschulden seines dementen Vaters zurückbezahlen kann. Als sein Teenager-Sohn ihn aufsucht und Aufmerksamkeit einfordert, muss Adam an einer weiteren Front kämpfen. Herausragend: Hanno Koffler in der Hauptrolle.

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The Bleeder / Chuck - Der wahre Rocky / Philippe Falardeau / USA 2016 / 2 - 3

Filmbiografie über den Schwergewichtsboxer Chuck Wepner, der 1974 sogar gegen Muhammad Ali antreten konnte, dann allerdings sein Privatleben durch Drogenkonsum zu zerstören beginnt. Das ändert sich nicht einmal, als Sylvester Stallone 1976 einen Film über ihn macht. Liev Schreiber in der Titelrolle ist sehenswert.

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Bohr weiter, Kumpel / Siggi Götz / Deutschland 1974 /

Ein absolutes Meisterwerk der deutschen Filmkunst, welches wohl leider in Vergessenheit geraten ist. Man fragt sich, warum Siggi Götz nicht in einem Atemzug mit Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog genannt wird... Egon hat mit ein paar Kumpels vom Pütt eine Lottogemeinschaft gegründet. Als sie eines Tages tatsächlich den Fünfer mit Zusatzzahl schaffen, scheint sich eine neue Welt für sie aufzutun. Noch bevor die Gewinnauszahlung ansteht, haben sie bereits auf Kredit alles gekauft, was sie sich schon immer leisten wollten. Doch dann... Egon findet den Lottoschein nicht mehr, was die Welt der Kumpels komplett auf den Kopf stellt. Siggi Götz präsentiert hier in russig-rauhen Bildern und ungeheuer fein geschliffenen Dialogen eine Kapitalismus-Kritik, wie sie ihresgleichen sucht. Auch ist sein Film dem Neorealismus der Arbeiterklasse gewidmet, der die Welt zeigen will, wie sie wirklich ist. Ebenso wird versucht, den dazumal üblichen Clichés auszuweichen. So haben die Kumpels Frauen zu Hause, die konsequent wie Models aussehen und immer willig sind. Das Bild des Ausländers wird sehr subtil gezeichnet. So ist Giancarlo, der kleine italienische Kellner, dauernd auf die blonden deutschen Frauen scharf. Wunderbar sind die vielen ziselierten Dialoge. Zum Beispiel als Egon und Erna gerade beim Liebesspiel sind: "Wat soll denn dat? Kannse nicht weitermachen?" - "Ne ne, jetz nicht. Den Rest machn wa morgen!" - "Mitten inne Manschettenphase aufhörn. Du hasse wohl nich alle! An wen schreibs denn da?" - "Anne Lottogesellschaft. Verlustanzeige erstatten, dass ich n Lottoschein verlorn hab." - "Hat dat nich bis morgn Zeit?" - "Ne, dat muss jetz sofort sein. Ich will nich Schuld sein, dat meine Kumpels ihrn Lottogewinn nicht bekommn." - "Aba ob ich dat kriech, wat ich brauch. Dat is dir egal, wat?" - "Ers kommt de Arbeit, dann dat Vergnügn." - "Also, wenne jetz nicht sofort zu Ende bummst, wie sich dat gehört, dann... dann geh ich splitternackt auf e Strasse und hol mir den erstbestn Mann, der mir inne Quere kommt." - "Wenne sowieso noma runtergehs, kannse Karte gleich in Briefkastn steckn." Hier trifft geistreicher Humor auf eine Spontanität, wie sie höchstens noch in Ernst Lubitsch-Filmen zu hören ist. Einfach grossartig und bereits in den ersten zehn Minuten ein gesellschaftskritisches Argument: Impotenz durch Geldverlust! Noch besser wird es, wenn der kleine Sohn mit seiner Mutter durch die Einkaufsstrassen flaniert: "Na, hasse schon de Aufjabn für deine Lehrer gemacht?" - "Och, der Jeck kann mich am Arsch leckn!" - "Wat sind denn dat für Rednsarten? Wo has denn die bloss her?" - "Och, die hat doch de Göthe erfundn." - "Dat is aba kein Umjang für dich. Spiel gefälligst mit andere Jungs!" Es muss nicht erwähnt werden, dass die Mutter blond ist. Meine Lieblingsszene ist aber ganz klar jene beim Altwarenhändler, als die Kumpels nach einem Möbelstück suchen, in welchem der Lottoschein eingeklemmt sein könnte. Die menschliche Gier nach dem goldenen Kalb, als die fünf Kumpels hinter dem Pferdefuhrwerk herrennen, bis der Sessel schliesslich hinunterkippt und sie sich auf ihn stürzen und ihn zerfleddern, wurde vielleicht höchstens noch in ähnlicher Qualität bei Leones "The Good, the Bad and the Ugly" umgesetzt und zwar in der Friedhofsszene am Schluss. Kurz und gut: Ein Meilenstein und es wäre zu hoffen, dass Criterion sich erbarmt und "Bohr weiter, Kumpel" mit viel Zusatzmaterial auf Blu-Ray herausbringt! Mein einziger Kritikpunkt ist die Komplexität des Inhalts. Ich musste den Film in Tranchen à 10 Minuten schauen, weil ich die ganzen 88 Minuten nicht auf einmal hätte verarbeiten können.

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Das Haus der Krokodile / Wilm ten Haaf / Deutschland 1976 / 2

Nach über vierzig Jahren mal wieder geschaut und war immer noch angetan. Natürlich ist dieser 6-Teiler nicht mehr so gruselig wie 1977, aber er gefällt mir immer noch. Die etwas leblos wirkenden SchauspielerInnen, diese düstere Jugendstilvilla mit den klaustrophobischen Räumen, die somnambule Atmosphäre und dieses poetisch-unheimliche Klavierstück von Frédéric Chopin. Früher war wirklich nicht alles besser. Aber ich glaube, das Jugend- und Kinderprogramm, das war es!

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A Date for Mad Mary / Ein Date für Mad Mary / Darren Thornton / Irland 2016 / 2

Sympathisches Jugenddrama, allerdings ohne die rauhe Atmosphäre, die man aus britischen, irischen oder schottischen Filmen kennt.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Juni 2018

Kino:

Jurassic World: Fallen Kingdom / Jurassic World: Das gefallene Königreich / J.A. Bayona / USA 2018 / 4 - 5

Ein Vulkan auf der Isla Nublar ist kurz davor auszubrechen und alles (Dinosaurier)Leben zu zerstören. Der US-Senat entscheidet sich gegen die Rettung der Urtiere. Doch es gibt Leute, die die Dinos unbedingt retten wollen, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Und das führt zu den - wie üblich - krachenden Actionszenen in 3D. Alles ist vorgegeben, es gibt keine Überraschungen: Das hübsche, junge Heldenpaar, das sich zuerst ablehnend gegenüber steht, obwohl sie sich natürlich lieben. Sie stehen für die Rettung der Dinosaurier. Auf der anderen Seite haben wir einen zuerst charmant wirkenden Geschäftsmann (natürlich mit einem Briten besetzt), der sich später als der Böse herausstellt, weil er die Urtiere für horrende Summen an Waffenhändler verkaufen will. Er wird ntürlich von seiner eigenen Schöpfung, dem gentechnisch veränderten „Indoraptor“ geschnappt. Und dann haben wir selbstverständlich noch die dem Militär ähnelnden Großwildjäger, muskelbepackt und extrem männlich, die aber auch nur als Kanonenfutter dienen. Das Ganze wird kräftig umgerührt, mit einem profillosen Soundtrack überzogen und fertig ist ein weiterer Teil einer Reihe, deren Geschichte schon abertausende Male mit anderem Titel erzählt wurde. Ein Wunder, dass so etwas immer noch funktioniert und weiterhin funktionieren wird.

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BR/DVD:

Big Little Lies / Jean-Marc Vallée / USA 2017 / 1 - 2

Siebenteiliger Fernsehfilm, in welcher die wichtigen Rollen allesamt bei Frauen liegen. Jane Chapman (Shailene Woodley) kommt mit ihrem kleinen Sohn, der einer Vergewaltigung entsprungen ist, ins kalifornische Monterey. Dort schliesst sie schnell Freundschaft mit der offenen und liberalen Madeline Martha Mackenzie (superb: Reese Witherspoon) und der schönen und mysteriösen Celeste Wright (wundberbar besetzt: Nicole Kidman). Schwierigkeiten bekommt sie mit Renata Klein (wunderbar hysterisch: Laura Dern) am Tag der Einschulung als deren Tochter behauptet, der kleine Chapman habe sie gewürgt und misshandelt. Bald schon merken die geneigten Zuschauer, dass in den extravaganten Villen des beschaulichen Monterey Dinge vorgehen, die so gar nicht zu der äusseren Fassade der EinwohnerInnen passen. Und Jane wird von Visionen heimgesucht, in denen sie den Mann, der sie vor Jahren missbrauchte, erschiesst. Sehr schön gemachter, sehr überzeugend gespielter Mehrteiler, der mich bis zum Ende in Spannung versetzte und ein glaubwürdiges Ende anbot. Zum ersten Mal hatte ich mir gewünscht, dass da ein paar Folgen mehr gekommen wären. Normalerweise finde ich Endlos-Serien einfach nur öde und bin jeweils froh, wenn die Dinger nicht über zehn Teile hinausgehen. Doch mein Wunsch wurde erhört. Neulich habe ich gelesen, dass eine zweite Staffel in Produktion ist. Und gleichzeitig habe ich meinen Wunsch wieder verflucht. Merkwürdig... nicht?

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Una farfalla con le ali insanguinate / Blutspur im Park / Duccio Tessari / Italien 1971 / 2

Als in einem Park eine junge Frau erstochen wird, wird der Moderator Marchi verdächtigt, da es Zeugen gibt, die ihn gesehen haben wollen. Doch auch als er im Gefängnis sitzt, werden ähnliche Morde verübt, was zu seiner Haftentlassung und einer Auflösung der Geschichte führt, die man entweder als sehr gesucht oder sehr clever empfinden kann. Ein sehr schönes Beispiel eines gelungenen Giallos. Die Kameraarbeit ist hinreissend und bietet Bilder, auf der das Auge der Zuschauer weilen und sich satt sehen kann. Auch opfert sich der extrem stilvolle und elegante Film nicht den für das Genre eher üblichen Gewalt- und Blutexzessen, die im Laufe des Jahrzehnts leider immer extremer wurden und einen darüber rätseln liessen, ob mit diesen Effekten eventuell sogenannte plot holes hätten überdeckt werden sollen. Tessaris Film ist diesbezüglich wohl eher eine Ausnahme, weil er sich mehr für die Umsetzung des dramatischen Teils der Geschichte (Auswirkungen einer gestörten Vater-Sohn-Beziehung, erkaltete Ehe, die durch den Mord zerstörte Liebesbeziehung) interessiert. Der Thriller bietet überdies eine merkwürdig unangenehme Sexszene, bei der die Kamera sich nur auf die Gesichter der Partner konzentriert und die Helmut Berger beängstigend meistert. Auf den Film bin ich durch das schöne Blu Ray-Cover aufmerksam geworden.

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Les premiers les derniers / Das Ende ist erst der Anfang / Bouli Lanners / Belgien - Frankreich 2012 / 1

Die zwei in die Jahre gekommenen Rocker Cochise und Gilou müssen für einen Auftraggeber dessen Handy wiederbeschaffen, welches ein junges, geistig beeinträchtigtes Streuner-Paar geklaut hat. In einer ländlichen, apokalyptischen Umgebung wird Verfolgern und Verfolgten das Leben schwer gemacht. Dem jungen Paar wird unerwartet Hilfe zuteil, als wie aus dem Nichts ein hagerer Mann auftaucht, der sich Jesus nennt und ein Einschussloch in der Hand hat. Währenddem müssen sich die beiden Rocker mit Kriminellen herumschlagen, begegnen einer mumifizierten Leiche und einem Hirsch. Als Gilou gesundheitlich angeschlagen in einem abgelegenen Hotel zurückbleibt und in der ruhigen Art des greisen Hotelbesitzers so etwas wie Freundschaft findet, fährt Cochise weiter, um den Auftrag zu erledigen. Als er das Handy schliesslich bei einer Verbrecherbande entdeckt und es sich mit brutalen Mitteln aneignet, wird ihm klar, warum der Besitzer es unbedingt zurückhaben will. Als die Bande kurze Zeit darauf das Handy wieder in ihre Gewalt bringt, lösen sich Cochise und Gilou von ihrem Auftrag, was den Auftraggeber dazu veranlasst, mit ein paar schweren Jungs die Verbrecherbande hochzunehmen. Nein, es handelt sich hier nicht um ein Drehbuch von Quentin Tarantino und Lanners Film ist beileibe nicht so brutal, wie es vom Inhalt her den Anschein machen könnte. Sein Interesse liegt vielmehr im Zusammenspiel der heruntergekommenen Figuren, welche sich in einer Landschaft, die an ein Weltuntergangsszenario erinnert, irgendwie durchschlagen müssen. Dabei klingen im Verlauf immer mehr Reflexionen der Protagonisten an und Fürsorge entsteht, wo die Zuschauer es am wenigsten erwarten. Die phänomenalen Scope-Bilder und der lakonische Humor unterhalten auf hohem Niveau. Wunderbare Auftritte des hochbetagen Michael Lonsdale und Max von Sydow inklusive. Na ja, von dem Regisseur habe ich auch nichts anderes als ein weiteres Meisterstück erwartet.

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Dying at Grace / Allan King / Kanada 2003 / 1

Der kanadische Dokumentarfilmer Allan King begleitet über Monate hinweg unheilbar an Krebs erkrankte Patientinnen und Patienten im Toronto Grace Health Centre. Dabei wird die Kamera immer mehr zu einer empathischen, fast unsichtbaren Person, die in den Zimmern den Gesprächen der PatientInnen und Ärztinnen lauscht. Sie steht in einer Ecke und beobachtet, wenn Eltern ihren Sohn verabschieden müssen. Sie steht und beobachtet, wenn die Ärztin die Hand eines Sterbenden hält und für ihn betet und ebenso, wenn eine noch nicht so alte Frau kurz vor ihrem letzten Atemzug zur Greisin wird. Der Film ist ein Augenöffner in meh­rer­lei Hinsicht. Zuerst mal zeigt er deutlich, was dieser Prozess des Sterbens, welchen wir dauernd aus unseren Gedanken verbannen wollen, wirklich ist. Ein Prozess des Leidens, in welchem die Sterbenden sich selbst immer weniger ähneln und der so gar nichts mit dem Sterben in Hollywood-Filmen zu tun hat. Des Weiteren zeigt er, wie beeindruckend einfühlsam und mutig das Klinikpersonal (alles Frauen!) mit PatientInnen und Angehörigen umgeht. Nicht zuletzt fragt man sich denn auch, wie es einst bei einem selbst ausschauen wird. Die Porträtierten und ihre Angehörigen haben die Gewissheit, dass das Paradies auf sie wartet. Was bleibt Menschen, die die Gewissheit haben, dasss das Nichts auf sie wartet? "Dying at Grace" ist ein in seiner Ruhe extrem wuchtiger und wichtiger Film, der eindringlich, tief bewegend und überaus quälend ist. Wenn man ihn gesehen hat, empfindet man Bereicherung, möchte dieses Erlebnis aber nie wieder!

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Üç Maymun / Drei Affen / Nuri Bilge Ceylan / Türkei - Frankreich - Italien 2008 / 1 - 2

Der Unternehmer Servet möchte in ein politisches Amt gewählt werden. Eines Nachts fährt er vollkommen übermüdet auf einer Landstrasse jemanden zu Tode. In derselben Nacht bietet er seinem Fahrer Eyüp ein Geschäft an. Dieser soll vortäuschen, er sei in dem Auto gesessen und anstelle Servets ins Gefängnis gehen. Als Belohnung erhalte Eyüp eine grosse Summe Geld. Nach kurzem Zögern geht Eyüp auf den Handel ein. Während der Haftstrafe geht das Leben seiner Ehefrau Hacer und seines Sohnes Ismail in einer Mischung aus Frustration und Langeweile weiter. Als Ismail einen Fahrdienst gründen will, soll seine Mutter Servet um einen Vorschuss des versprochenen Geldes bitten. Durch Zufall entdeckt Ismail kurz darauf, dass seine Mutter mit dem Unternehmer eine sexuelle Beziehung eingegangen ist. Eyüp wird schliesslich entlassen. Tage später wird Servet ermordet aufgefunden. Ismail gesteht die Tat seiner Mutter. Am Schluss des Films sehen wir Eyüp, als er einem heruntergekommenen Teehaus-Servierer eine grosse Geldsumme anbietet, wenn er der Polizei den Mord gesteht. Ein düsterer und langsamer Film, der eine korrumpierte Gesellschaft zeigt, die die Verantwortung ihrer eigenen schlechten Taten an diejnigen am unteren Rand weiterleitet, die sich nicht mehr wehren können. Überdies wirft Ceylan einen tristen Blick auf die Rolle der Frau in einer machistischen Kultur, in welcher sogar Söhne ihre Mütter schlagen können. Ein weiteres starkes Stück vom türkischen Meister Nuri Bilge Ceylan.

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My Own Private Idaho / Das Ende der Unschuld / Gus Van Sant / USA 1990 / 2

Mike Waters leidet unter Narkolepsie, was ihm beim Job als Stricher nicht gerade behilflich ist. Sein bester Freund Scott Favor hilft ihm durch Dick und Dünn. In seinen Träumen sieht Mike immer wieder seine Mutter, die er wiederfinden möchte. Eine Spur führt nach Italien. Mike findet dort zwar seine Mutter nicht, die unterdessen wieder in den USA leben soll. Scott hingegen begegnet Carmella, in die er sich verliebt und sie mit nach Hause nimmt. Als sein Vater, der Bürgermeister der Stadt, stirbt, verlässt Scott die Stricherszene, heiratet Carmella und lebt fortan in der High Society. Nach diesem als Verrat empfundenen Akt stirbt auch Bob, der König der Aussätzigen und Vaterersatz für die jungen Stricher. Mike bleibt allein zurück. Van Sant pendelt zwischen Arthouse und Mainstream. Sein frühes Werk ist ziemlich schwierig anzuschauen, weil er vom filmischen Aufbau her den Erwartungen durchschnittlicher Zuschauer zuwider läuft. Auch ist er emotional distanziert, wodurch das Publikum kaum eine Verbindung zu den ausgestossenen Helden aufbauen kann. Sehenswert für Studiofilmliebhaber. Zuschauer des Kommerzkinos werden ihre Mühe haben.

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That's Sexploitation! / Frank Henenlotter / USA 2013 / 2

Henenlotter präsentiert uns eine enorm umfangreiche Reise durch ein Sub-Genre names Sexploitation. Der Produzent David F. Friedman, selber mit diesen Filmen gross geworden, führt mit seinem enormen Wissen die Zuschauer durch unzählige Ausschnitte, die in den frühen 1920er Jahren beginnen und in den frühen 1970er Jahren enden. Wir lernen einiges über die Bezeichnungen Erziehungsfilme, Sex-Hygiene, Stags, Goona-goonas, Nudie-cuties, Roughies, White-coaters, über den Hays Code und die Altersklassifizierung der MPAA. Wir amüsieren uns darüber, wie die findigen Filmemacher seinerzeit gerade durch die katholische und protestantische Moralvorstellung mancher Bundesstaaten und Städte einen derartigen Erfolg mit ihrem "Schmuddelkino" einläuten konnten. Das europäische Arthouse-Kino in seiner extremen Freizügigkeit gegenüber den US Verhältnissen wird ebenso vorgestellt wie die psychedelischen Streifen der 60er Jahre oder die Merkwürdigkeiten von nackten Frauen auf dem Mond oder von Affen, die sich nackte Frauen greifen und in den Dschungel entführen. Was seltsam anrührt, ist Friedmans Meinung, dass der Pornofilm, der Ende der 60er aufkam, das Sexploitation-Genre zerstört hat. Zum einen gab es ja bereits seit 1908 Pornofilme, zum anderen existierte der Sexploitation auch in den 70ern und 80ern weiter mit Filmemachern wie Jean Rollin, Jesús Franco oder Tinto Brass. Nach zweieinviertel Stunden Fleischbeschau und Freakshow blieb ich mit einem etwas verwirrten Eindruck zurück, kannte ich, der ich mich doch als sehr grossen Filmfreund betrachte, quasi keinen einzigen der vorgestellten Filme.

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The Kiss of the Vampire / Der Kuss des Vampir / Don Sharp / Grossbritannien 1962 / 1 - 2

Die Flitterwochen von Marianne und Gerald Harcourt werden unsanft unterbrochen, als ihr Automobil mangels Treibstoff in einem Stück Wald den Geist aufgibt. In einem nahen Dorf bekommen sie in einem etwas heruntergekommenen Hotel ein Zimmer. Bald darauf erhalten sie von einem mysteriösen Dr. Ravna eine Einladung auf sein Schloss, wo sie ihn und seine Familie kennenlernen. Dr. Ravna verspricht dem Paar zu helfen, doch Marianne wird von Ravnas Sohn Carl in den Bann gezogen, als dieser Klavier zu spielen beginnt. Was den Harcourts nicht klar ist: Ravna und seine Familie sind Vampire, die Marianne während eines Kults zu einer von ihnen machen wollen. Einer der schönsten und stilistischsten Vampirfilme aus dieser Zeit. Wunderschöne, satte Farben. Viel Stimmung und ein doch eher ungewöhnlicher Schluss. Roman Polanski hat diesen Film gut studiert.

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Embrace / Du bist schön / Taryn Brumfitt / Australien - Kanada - Dominikanische Republik - Deutschland - USA - Grossbritannien - Frankreich 2016 / 2

Australischer Dokumentarfilm, der sich mit dem unerreichbaren Schönheitsideal und dem daraus entstehenden Bodyshaming auseinandersetzt. Wenn 91% aller deutschen Frauen nicht mehr mit ihrem Körper zufrieden sind, 45% aller Frauen glauben, sie seien übergewichtig, wenn in den USA jedes Jahr 4 Millionen Schönheitsoperationen durchgeführt werden und 90% aller Magersuchtfälle Frauen betreffen, scheint etwas in unserer Gesellschaft komplett aus dem Ruder gelaufen zu sein. Die Regisseurin, die eine zeitlang selber unter Bodyshaming litt, hat sich in die Welt aufgemacht und mit Frauen auf den verschiedensten Kontinenten über ihren Bezug zum Körper gesprochen: Models, Schauspielerinnen, Übergewichtige, übergewichtige Models, eine Frau, die bei einem Marathon in ein Feuer geriet und seitdem mit einem komplett verunstalteten Körper leben muss, eine Frau in London, die ihren Bartwuchs nicht bekämpfen konnte und seitdem mit Vollbart lebt. Ein wichtiger Beitrag zum heutigen "Schönheits"wahnsinn, der aus allen Fugen geraten scheint. Immer mehr Menschen eifern einem Ideal nach, dass via Photoshop entstanden ist und so gar nicht gibt. Allerdings bleibt auch die Frage zurück, ob Taryn Brumfitt, indem sie allen Frauen mitteilen möchte, dass sie schön sind, nicht genau eine solche Blase erschafft, wie die, die sie kritisiert. Nein, nicht jeder Mensch ist schön und man kann seinen Körper auch nicht einfach so lieben. Schlecht wird der Film überdies dort, wo er (wieder einmal) mit der Musik penetrant beeinflussen will. Bei traurigen Szenen kommt eine sentimentale Musik zum Einsatz, bei Aufbruchstimmung eine popig fetzige. Das ist so unehrlich und eines solchen Dokumentarfilms nicht würdig.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Juli 2018

Kino:

Trespassing Bergman / Jane Magnusson, Hynek Pallas / Schweden 2013 / 2

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BR/DVD:

Memory for Max, Claire, Ida and Company / Allan King / Kanada 2005 / 1 - 2

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Silence / Martin Scorsese / USA - Grossbritannien - Mexiko - Taiwan - Japan - Italien 2016 / 1 - 2

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Odds Against Tomorrow / Wenig Chancen für morgen / Robert Wise / USA 1959 / 1 - 2

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The Postman Always Rings Twice / Wenn der Postmann zweimal klingelt / Bob Rafelson / USA - Deutschland 1981 / 2 - 3

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Fallen Angel / Mord in der Hochzeitsnacht / Otto Preminger / USA 1945 / 4 - 5

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The Danish Girl / Tom Hooper / Grossbritannien - USA - Deutschland - Dänemark - Belgien 2015 / 4

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Aanrijding in Moscou / Neulich in Belgien / Christophe Van Rompaey / Belgien 2008 / 2

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

August 2018

Kino:

Figlia mia / Meine Tochter / Laura Bispuri / Italien - Deutschland - Schweiz 2018 / 1 - 2

Euro-Perle, die zu jeder Zeit glaubwürdig erscheint. Ein neunjähriges Mädchen wächst bei einem sie liebenden Ehepaar auf. Ihre wirkliche Mutter ist verschuldet, hat Alkoholprobleme und lebt in einem abgelegenen und heruntergekommenen Hof. Mehr und mehr fühlt sich das Mädchen von der verhaltensauffälligen Frau angezogen und entfremdet sich dabei mehr und mehr von ihren Pflegeeltern. Das offene Ende zeigt, dass das anfänglich verunsicherte und sehr zurückhaltende Mädchen an Selbstbewusstsein gewonnen hat, während ihrer Pflege- sowie ihrer echten Mutter die Fäden aus der Hand gleiten. Grossartig und total nah am Leben gespielt. Ich bin fasziniert.

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BR/DVD:

Dracula / Terence Fisher / Grossbritannien 1958 / 1 - 2

Einer der schönsten Grusel- oder Horrorfilme dieser Zeit. Er mag zwar nicht mehr viel mit der literarischen Vorlage zu tun haben, aber was die für das kleine Budget an Atmosphäre rausgeholt haben, ist schon grosses Kino! Neben den paar Ungereimtheiten hat mich eigentlich nur die Musik von James Bernard etwas gestört. Ich anerkenne, dass die natürlich viel zum Film beigetragen hat, aber sie ist mir heutzutage einfach etwas zu gross und pathetisch angelegt. Selbstverständlich will ich nicht auslassen zu erwähnen, dass es auch ein paar kleine, unheimliche Melodien hat. Insgesamt ein Werk, das auch heute noch überrascht, wenn man es im Zeitkontext sieht. Die überdeutliche Erotik und die Spitzen gegen das viktorianische Zeitalter waren bestimmt eine Faust ins Gesicht des Jahres 1958. Cushing und Lee waren eigentlich Idealbesetzungen und auch der Rest der Besetzung bringt eine gute Leistung, wenn man von Michael Gough einmal absieht. Der scheint sich für den Stoff etwas zu gut gewesen zu sein. Bilder und Ausstattung sind einfach wunderschön.

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Strangers on a Train / Der Fremde im Zug / Alfred Hitchcock / USA 1951 / 1 - 2

Hitchcock-Perle mit einem vielleicht etwas übertriebenen Ende, aber mit viel Atmosphäre und Spannung. Über alle Maßen grossartig: Robert Walker, der leider kurze Zeit nach diesem Film mit 32 Jahren verstarb.

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L'istruttoria è chiusa: dimentichi / Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's! / Damiano Damiani / Italien - Frankreich 1971 / 1

Düsterer, beklemmender Gefängnisthriller eines engagierten Regisseurs, von dem ich leider bisher viel zu wenig Filme kenne. Obwohl Ennio Morricone aufgelistet wird, kommt der Film weitgehend ohne Musik aus. Franco Nero zeigt, dass er, wenn er an die richtigen Rollen kommt, echt was drauf hat. Vor allem aber bleibt der Eindruck zurück, dass es damals politische Filmemacher gab, die Anklage gegen ein korruptes und marodes System erhoben. Gerade auf Italien, dessen kommunistische Partei dazumal einer Bastion glich, lohnt sich da wohl der Rückblick.

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Voice from the Stone / Ruf aus dem Jenseits / Eric Dennis Howell / USA - Italien 2017 / 2 - 3

Sanfter Mystery-Thriller mit extrem schöner Kameraarbeit und wunderbaren Drehorten in der Toskana. Er zitiert grosse Vorbilder wie Jack Claytons "The Innocents", Hitchcocks "Rebecca" oder Alejandro Amenábars "The Others", gereicht aber weder schauspielerisch noch atmosphärisch an diese Filme heran. Ein angedeutetes fieses Ende wird nicht umgesetzt, sondern löst sich in allgemeinem Wohlbefinden auf.

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La proprietà non è più un furto / Elio Petri / Italien - Frankreich 1973 / 1 - 2

Extrem bizarre, politische Farce um einen kleinen Bankangestellten, der allergisch auf Geld ist und sich entscheidet, Dieb zu werden. Dabei nimmt er besonders einen reichen Metzger ins Visier, dem er allerdings nicht Geld sondern wichtige Alltagssachen klaut. Bald schon beginnt ein absurdes Katz- und Mausspiel zwischen Dieb und Metzger. Petri zaubert eine groteske Satire über den Diebstahl von den oberen Zehntausend an den unteren Zehntausend und umgekehrt. Sie passt wunderbar in die damalige marxistische Filmlandschaft Italiens. Und wer genug Geduld mitbringt - der Film ist durch seinen subversiv avantgardistischen Charakter relativ schwierig zum Anschauen - kann sich auch heutzutage noch köstlich amüsieren. Ich liebe dieses Zeugs aus jener Zeit und wünschte mir, dass es auch heute noch dermassen politische Filmemacher gäbe.

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Der traumhafte Weg / Angela Schanelec / Deutschland 2016 / 1 - 2

Sprödes, aber sehr poetisches Werk, das eher in Momentaufnahmen als in einer geschlossenen Geschichte aufgeht. Schanelecs Figuren wandeln langsam durch die Bilder, bleiben einem fremd, lassen in ihren melancholischen Gesichtern kaum Regung aufkommen. Eher ein optisches Gedicht als eine schlüssige Erzählung. Wer sich drauf einlassen kann - das gilt für alle Filme von Schanelec - wird einen ruhigen Zauber verspüren.

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Zwischen den Jahren / Lars Henning / Deutschland 2017 / 1 - 2

Überaus rohes, finsteres und pessimistisches Werk, das als Sozialdrama anfängt und sich immer mehr Richtung Thriller mit Neo-Noir-Elementen entwickelt, wobei es teilweise an Filme der 70er-Jahre erinnert. Wir begegnen desolaten Figuren, die ihre Orientierung verloren und scheinbar keine Macht mehr über ihr eigenes Leben haben. In einer weiteren Rolle mit ungeheurer Präsenz spielt Peter Kurth einen nach achtzehn Jahren aus dem Gefängnis entlassenen Mörder, der nur noch seine Ruhe haben will. Die Vergangenheit holt ihn ein, als er Dahlmann begegnet, dessen Frau und Tochter er damals tötete. Schon bald merkt er, dass dieser ähnlich kaputt ist, wie er selber und keineswegs an Reue, Sühne und vor allem Vergebung glaubt. Eine unheilvolle Schlinge zieht sich immer enger um die beiden. Dadurch, dass die Figuren nicht bis ins Detail erklärt werden, bleiben für die Zuschauerschaft unbeantwortete Fragen und die wenig sympathischen, zwiespältigen Charaktere fordern moralisch heraus. Die reduzierte Filmmusik schliesslich untermalt die Low-key-Bilder des Films, der überwiegend nachts spielt, ganz ausgezeichnet. Ausser zwei oder drei Dingen, die mir nicht ganz schlüssig vorkamen, habe ich rein gar nichts zu meckern.

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Una / Una und Ray / Benedict Andrews / Grossbritannien - Kanada - USA 2016 / 3

Inhaltlich interessantes Drama, das die Folgen einer kurzen sexuellen Beziehung zwischen dem erwachsenen Mann Ray und der dreizehnjährigen Nachbarstochter Una beleuchtet. Als diese als junge Frau nach einigen Jahren ein Bild von Ray in einer Zeitung entdeckt, macht sie ihn ausfindig und stellt ihn an seinem Arbeitsort zu Rede. Dabei wird deutlich, dass sie sich von ihm angezogen fühlt. Leider wurde das Theaterstück "Blackbird" nicht gerade kinogerecht umgesetzt, so dass man sich zuweilen eher im Theater fühlt. Auch die Dialoge wirken so geschrieben, wie manche Szenen zwischen den beiden Protagonisten eher unglaubwürdig erscheinen.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

September 2018

Kino:

Die grüne Lüge / Werner Boote / Österreich 2018 / 1 - 2

Auf dem Weg vom Bahnhof Zürich zum Kino laufe ich der Europaalle entlang durch ein Gebiet extremen Reichtums. Auf der linkes Seite befinden sich hippe Coffeeshops und trendige Kleiderläden. Rechter Hand sieht man an den Fassaden der Baustellen so manche Plakate, die für alternative Veranstaltungen und gegen den Kapitalismus werben. Im Kino angekommen, kaufe ich ein Ticket. Der freundliche Typ an der Kasse fragt mich, ob ich noch etwas zu trinken möchte. "Ja, gerne. Ein Orangensaft bitte." - "Einen Zweier?" - "Nein, drei Deziliter, bitte. Kann ich das Glas mit ins Kino nehmen?" - "Ja, natürlich. Es hat extra Halterungen an den Sesseln. Wir verkaufen keine Pet-Flaschen und keine Strohhalme mehr." Mein Herz beginnt höher zu schlagen und ich versichere ihm meine Sympathie und Unterstützung. Er meint: "Ja, aber wir sind noch längst nicht dort, wo wir sein sollten." Nochmals spreche ich ihm meine Unterstützung aus. Gerne hätte ich mich auch weiter mit ihm unterhalten, doch meine Blase drückt und der Film beginnt gleich. Im Saal, den ich mit fünf anderen Zuschauer-innen teile, muss ich zuerst mal Werbung über mich ergehen lassen. Tatsächlich sehe ich nicht nur Reklame für hippe Restaurants, sondern auch für Autos... und dies vor einem solchen Film. Dann kommen noch drei Trailer. Einer kündet "The End of Meat" an.
In der Folge sehe ich einen Dokumentarfilm, der manchmal ein wenig an jene von Michael Moore erinnert, aber doch europäisch bleibt und nicht ganz den exzentrischen Charakter von Moores Filmen hat. Der Regisseur Werner Boote geht darin mit der deutschen Journalistin Kathrin Hartmann auf die Suche, was denn eigentlich hinter den heuzutage quasi auf jedem Produkt angepriesenen Nachhaltigskeitsversprechen steckt. Dabei jetten (!) sie in einige Länder rund um die Welt, um dort mit Konzernverantwortlichen und deren Opfern zu sprechen. Boote hat dabei einen ziemlichen Spass, sich in der Rolle des Geniessers zu sehen, der den aufgedruckten Sätzen der Industrie sofort Glauben schenkt, während seine Partnerin die Spielverderberin gibt, die weiss, was in diesen Produkten wirklich steckt. Das wirkt zum Teil etwas abgesprochen, zeigt aber schön die Widersprüchlichkeit unserer Welt und hat einen guten Informationsgehalt. Auf den Veranstaltungen der Konzerne kommen die beiden ins Gespräch mit deren Vertretern und es zeigt sich eindrücklich, dass es nur zwei etwas eingehendere Nachfragen braucht, um die Vertreter ins Stottern zu bringen und Lügen aufzudecken, derer sich die Leute vielleicht nicht einmal völlig bewusst sind. Schön, aber viel zu kurz ist das Gespräch mit Noam Chomsky. Bootes Film tut nicht weh. Er ist wichtig und ich wünsche ihm Erfolg, zeigt er doch wie ungeheuerlich genial (aus der Sicht des Systems selber) und teuflisch der Neoliberalismus ist, indem er es schafft, die beiden Seiten in uns allen (verkörpert von Boote und Hartmann) immer wieder gegeneinander auszuspielen. Dieses System kann sich jeglicher Verantwortung für seine Zerstörung immer wieder entziehen, verleibt sich Gefahren sofort ein und macht mittels Täuschung und Lügen weiter wie bisher. Und tatsächlich besteht auch keine Gefahr, dass sich diese Form von Kapitalismus in nächster Zeit abschaffen könnte. Kritik und Beanstandungen kommen ja immer nur von Menschen, die selber in diesem System verankert sind. Ich lese in keinen Zeitungen, Magazinen, Medien von Ideen zur Überwindung des Neoliberalismus. Kein Vertreter unserer Systemparteien (dazu zähle ich leider auch die Sozialdemokraten) präsentiert Vorschläge für eine neue Gesellschaftsform. So gibt es immer nur kleine Fehlerkorrekturen oder Anpassungen, damit alles so weiterrollen kann wie bisher. Daran wird auch Bootes Film nicht viel ändern. Vielleicht schaut der eine oder die andere jetzt einmal auf die Etiketten der Produkte und lässt ein Palmölprodukt einfach stehen.
Auf der Rückfahrt im Zug lese ich das Interview "Die Natur schickt keine Rechnung" mit Pavan Sukhdev, der seine Bankerkarriere zugunsten des Präsidentenamts beim WWF aufgegeben hat. Es geht darin unter anderem um... Nachhaltigkeit.

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BR/DVD:

Das Verschwinden / Hans-Christian Schmid / Deutschland - Tschechien 2017 / 1 - 2

In einer bayrischen Kleinstadt zur tschechischen Grenze verschwindet die junge Janine Grabowski. Ihre engsten Freundinnen Manu Essmann und Laura Wagner können sich ebenso wenig einen Reim darauf machen, wie Janines Mutter, die auf eigene Faust die Suche aufnimmt und damit ein Netz aus Lügen und Geheimnissen blossstellt, was letztlich zur Zerstörung aller Beteiligten führt.
Krimiserie à acht Episoden von einem der interessantesten deutschen Filmemacher. Das ganze beginnt etwas langatmig, lässt sich aber viel Zeit, um die ganzen Figuren vorzustellen. Erst in den letzten beiden Folgen dreht die Spannungsschraube stark an und liess mich am Ende ziemlich überwältigt und ratlos zurück. Ein eher trauriger Abgesang auf das beschauliche Kleinstadtleben, wo jeder jeden kennt und wichtige Dinge unausgesprochen bleiben sollen. Wo die Jugend mit ihren Fragen keinen Platz hat und auf die Ambivalenz der Eltern keine Antworten findet. Neben den vielen guten Schauspieler/innen ist ganz besonders Martin Feifel herzvorzuheben, der als trister Polizist mit Moralanspruch, aber mit eingezogenen Schultern durch die Szenen schleicht.

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The Private Life of Sherlock Holmes / Das Privatleben des Sherlock Holmes / Billy Wilder / Grossbritannien - USA 1970 / 2

Aus dem von Dr. Watson verfassten Manuskript geht fünfzig Jahre nach seinem Tod so manch privates Detail aus dem Leben seines Freundes Sherlock Holmes hervor. Ebenso wird ein Fall erläutert, der mit dem Ballettstar Madame Petrova beginnt, zu einer Frau namens Gabrielle Valladon führt, die aus der Themse gefischt wurde, schliesslich sogar das Ungeheuer von Loch Ness ins Spiel bringt und bei Holmes' Bruder Mycroft und deutschen Geheimagenten endet.
Wilders Hommage an Holmes und Watson ist eine witzige, clevere und charmante Spielerei mit dem Mythos. Bei der Drogensucht seines Helden lehnt er sich mutig aus dem Fenster. Bei der angedeuteten Ho­mo­ero­tik leider nicht weit genug. So wird der Verdacht am Ende aus dem Weg geräumt, indem aufgezeigt wird, das Holmes sich nur in Frauen verlieben kann, die über seine geistige Kapazität verfügen. Wie auch immer, Robert Stephens, Colin Blakely und Christopher Lee machen den Film auch schauspielerisch sehenswert. Sehr interessiert hätte mich überdies die ursprünglich doppelt so lange Vier-Stunden-Fassung.

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Young Sherlock Holmes / Das Geheimnis des verborgenen Tempels / Barry Levinson / USA 1985 / 3

(Im Londoner Brompton-Internat begegnen sich die Schüler Sherlock Holmes und John Watson und werden bald darauf gute Freunde. Eine Mordserie, bei welcher den Opfern mittels Blasrohr eine halluzinogene Droge in die Blutbahn geschossen wird, ruft die beiden auf den Plan. Gemeinsam mit Holmes' Anvertrauten Elizabeth Hardy versuchen sie den Tätern auf die Spur zu kommen und haben es bald darauf mit fanatischen Mitgliedern eines ägyptischen Geheimbundes zu tun, wobei die Spuren selbst zum Brompton-Internat führen.
Tja, ich hab's mal wieder mit einem Film versucht, der mir im Kino damals, Mitte der 80er Jahre, noch sehr gut gefiel. Der Zauber ist verschwunden. Anstatt der vielen unmöglichen Szenen hätte man vielleicht etwas mehr Zeit ins Drehbuch stecken und aus dem Wenig an Story etwas mehr herausholen sollen. Die Idee, Holmes und Watson in ihrer Jugend zu zeigen, ist nämlich eigentlich sehr reizvoll. Ich weiss jetzt wirklich nicht, ob der Film damals finanziell erfolgreich war. Heute gilt er doch auch als Klassiker der 80er. Jedenfalls gibt es wohl kaum Filme, die dermassen auf "Fortsetzung folgt" hin arbeiten. Allerdings ist mir keine direkte Fortsetzung bekannt.)

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The Dinner / Oren Moverman / USA 2017 / 1 - 2

In einem äusserst ex­qui­siten und teuren Spitzenrestaurant kommen die sehr unterschiedlichen Brüder Paul und Stan Lohman mit ihren Ehefrauen zusammen, um über eine unangenehme Familienangelegenheit zu reden: Ihre Söhne Michael und Rick haben eine obdachlose Frau in einem Bankautomatenraum angezündet und ihr Sterben gefilmt. Dieser Film wurde auf einer Online-Plattform verbreitet. Während Paul sich aufgrund seiner psychischen Erkrankung zwischen Zynismus und Rückzug verirrt, kündigt sein Bruder, ein aufsteigender Kongressabgeordneter, seinen Rückzug aus der Politik an, damit die Söhne ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können. Die beiden Ehefrauen versuchen mit allen Mitteln der Zerstörung ihrer Familien entgegenzuhalten.
Moverman macht es einem hier ziemlich schwer. Nicht nur werden einem Charaktere sympathisch, die einem erst unsympathisch waren, umgekehrt funktioniert es genauso. Die schockierende psychische Verwahrlosung der jungen Söhne kon­ter­ka­rie­rt die abgeschottete heile Welt, in welcher die Eltern leben und die in der Ausstattung des Edelrestaurants ihren Höhepunkt findet. Der Film zeigt zwei Welten, die offenbar nur noch durch Zerstörung in Kontakt kommen. Schauspielerisch ist er mit Steve Coogan, Laura Linney, Richard Gere und Rebecca Hall stark besetzt. Soundcollage und Rückblenden sind grossartig eingesetzt, verwirren auch etwas, sorgen aber für eine grosse Konzentration. Einer der unangenehmeren Filme, der sogar Ekel auslösen kann.

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Ghostbusters / Die Geisterjäger / Ivan Reitman / USA 1984 / 5

Nachdem Dr. Peter Venkman seinen Job in seiner Universität verliert, gründet er mit seinen Doktor-Kollegen Raymond Stantz und Egon Spengler die in New York angesiedelte Geisterjäger-Agentur. Das Geschäft beginnt so richtig zu laufen, als von überall her Anrufe in der Agentur eingehen, die panisch geisterhafte Phänomene beklagen. Als Gozer, ein destruktiver Gott aus dem antiken Mesopotamien zurückkehrt, um aus der Welt Hesekiel zu machen, sind die Geisterjäger so richtig gefordert.
Tja, ich hab's mal wieder mit einem Film versucht, der mir bereits im Kino damals, Mitte der 80er Jahre, nicht gefiel. Dass er allerdings dermassen absacken würde, hätte ich nicht gedacht. Präsentiert wird ein Nichts an Story. Eine unsinnige Szene reicht der nächsten die Hand. Ein sinnfreier Dialog schiebt sich in den nächsten. Eine wahre Tortur. Obwohl ich Bill Murray eigentlich ganz gerne sehe, geht er mir hier von seinem ersten Erscheinen bis zum letzten total auf die Nerven. Rick Moranis schliesst sich dem ganz wunderbar an. Als Pluspunkt sehe ich den Anfang in der Bibliothek. Das war recht schön gemacht, sowie die Kameraarbeit auch sonst recht ansehlich ist. Ach ja, es waren die Reagan-Jahre. Das merkt man der konservativen Note des Films sehr gut an: Der Staat ist das Problem. Der Neoliberalismus ist die Lösung für alles. Na denn: Prost!

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Timm Thaler oder das verkaufte Lachen / Andreas Dresen / Deutschland 2017 / 3

Der junge Timm ist trotz Armut ein fröhlicher Knabe in einer deutschen Stadt der 1920er Jahre. Als er auf einer Pferderennbahn dem unheimlichen Baron Lefuet begegnet, ändert sich sein Leben. Ein Vertrag zwischen den beiden kommt zustande, durch welchen Timm sein Lachen verliert, fortan aber jede Wette gewinnt. In der Folge wenden sich die Menschen von ihm ab. Nur ein Bäckersmädchen und ein Hotelangestellter halten noch zu ihm und wollen seine Seele aus dem Griff des menschlichen Teufels befreien.
Andreas Dresen, eigentlich ein Garant für interessantes deutsches Arthouse-Kino, wollte sich hier vielleicht mal an einem teuren, kommerziellen Film versuchen, um zu beweisen, dass er das auch kann. Anders kann ich mir seinen Ausflug in wunderschön ausgeleuchtete und bunte, aber allzu glatte Bilder, durch welche sich zahlreiche deutsche Stars bewegen, nicht erklären. Ich anerkenne, dass Dresen als sensibler Filmemacher auch hier ein paar bissige und anklagende Szenen gegen das verführerisch Böse eingebaut hat, die auch einen Bezug zur heutigen Zeit nehmen. Leider wirkt das aber manchmal etwas gar aufgesetzt. Vielleicht hätte ein düsterer Studiofilm ohne happy ending doch mehr Wirkung gezeigt. Aber dann wäre es natürlich kein FSK 0-Kinderfilm geworden. Dem ziemlich blassen kleinen Hauptdarsteller steht ein grossartiger Justus von Dohnányi gegenüber.

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Another Earth / Mike Cahill / USA 2011 / 1 - 2

Ein neuer Planet in der Nähe der Erde wird entdeckt. Die noch minderjährige Rhoda Williams will Astrophysik studieren. Als sie eines abends leicht betrunken mit dem Auto nach Hause fährt, wird sie von der Sicht auf den Planeten abgelenkt und stösst frontal mit einem anderen Auto zusammen. Mutter und Kind sterben. Der Vater, ein Musikprofessor namens John Burroughs, überlebt. Vier Jahre später kommt Rhoda aus dem Gefängnis. Ihre Ambitionen hat sie verloren und nimmt eine Stelle als Hauswartin in einer Schule an. Als sie zu Burroughs geht, ihn um Vergebung zu bitten, findet sie ihn depressiv und verwahrlost vor. Anstatt sich zu erkennen zu geben, bietet sie ihm an, wöchentlich sein Haus zu reinigen. Unterdessen wurde mit dem neuen Planeten "Erde 2" Kontakt aufgenommen. Es scheint sich um ein perfektes Spiegelbild zur Erde zu handeln. Rhoda nimmt an einem Wettbewerb teil, der eine Reise zur Erde 2 anbietet. Sie gewinnt die Teilnahme, was John missfällt, da die beiden Gefühle füreinander entwickelt haben. Als sie ihm schliesslich doch gesteht, dass sie für den Tod seiner Familie verantwortlich ist, zieht sich John zurück. Sie schenkt ihm das Flugticket in der Hoffnung, dass auf Erde 2 seine Familie vielleicht noch lebt. John schliesst sich der Teilnahme an der Reise an. Vier Monate später, an einem grauen Wintertag, ist Rhoda auf dem Heimweg. Als sie ihr Haus erreicht, steht sie ihrem äusserlich perfekten Ebenbild gegenüber.
No-Budget-Film von trister Grundstimmung, der sich mehr für die menschliche und philosophische Dimension seiner Geschichte interessiert als für technischen Schnickschnack. Die physikalische Ebene wird zugunsten der Grundidee ignoriert, wie es wohl wäre, wenn es einen Spiegelbild-Planeten zur Erde gäbe und wir unserem Selbst gegenüber stünden. Das Ende ist unheimlich, lässt aber darauf schliessen, dass Erde 2 Abweichungen zur Erde 1 zulässt. Ein äusserst sympathischer kleiner Streifen, der konsequent im rauhen Alltag und gleichzeitig in einem phantastischen Gedankenspiel angesiedelt ist.

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Fai Bei Sogni / Träum was Schönes / Marco Bellocchio / Italien - Frankreich 2016 / 1 - 2

1969: Nachdem Massimos Mutter ihrem schlafenden Sohn die Worte "Träum was Schönes" zuflüstert, stürzt sie sich aus dem Fenster in den Tod. Jahrzehnte später hat sich Massimo, der Journalist wurde, der über Fußball und den Bosnienkrieg berichtet, immer noch nicht von seinem Kindestrauma erholt, zumal sich seine Verwandten über die wirkliche Todesursache ausschweigen und beharrlich behaupten, die Mutter sei an einem Herzinfarkt gestorben. Als Massimo eines Tages einen Gegenstand zugeschickt bekommt, der seiner Mutter gehörte, bekommt er eine Panickattacke und wendet sich an ein Spital, wo er die Ärztin Elisa kennenlernt, die ihm helfen kann.
Ein sehr schönes, ruhiges, aber auch ziemlich melancholisches Spätwerk eines italienischen Altmeisters. Gerne hätte ich mehr erfahren über die offensichtlich bipolare Mutter, aber die Kamera bleibt quasi den ganzen Film hindurch beim Kind und beim Erwachsenen Massimo, grossartig gespielt von Valerio Mastandrea. Grosse Empfehlung an die Euro-Autorenfilm-Freunde.

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Im Schatten / Thomas Arslan / Deutschland 2010 / 3

Als Trojan nach fünf Jahren aus dem Knast kommt, will er zuerst mal seinen Anteil vom damaligen Coup. Sein ehemaliger Komplize setzt dafür zwei Typen auf ihn an, um die Sache zu erledigen. Unterdessen versucht Trojan mit einem ehemaligen Kumpel und einer Pflichtverteidigerin einen Plan zu schmieden, der den Überfall auf einen Geldtransport beinhaltet. Dabei ist ihnen ein korrupter, moralisch heruntergekommener Polizist auf den Fersen.
Es ist Arslan anzuerkennen, dass er es mit der Wahl der Berliner Drehorte schafft, eine komplett anonyme und kalte Welt aufzubauen, durch die seine Protagonisten in ständigem Misstrauen laufen. Allerdings wirkt manches etwas re­pe­ti­tiv, wodurch die Spannung teilweise nachlässt. Auch erreicht der Film atmosphärisch nicht die Filme eines Jean-Pierre Melville, an welchen der Regisseur wohl während des Schreibens des Drehbuchs gedacht hatte.

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Réparer les vivants / Die Lebenden reparieren / Katell Quillévéré / Frankreich - Belgien 2016 / 1 - 2

Simon fährt am frühen Morgen mit zwei Freunden ans Meer zum Surfen. Auf der Rückfahrt geraten sie in einen schweren Unfall. Simon wird im Spital für hirntot erklärt. Seine Eltern stehen vor der schweren Entscheidung, eine Organspende zu erlauben. Einer älteren Frau wird eröffnet, dass ihr schwaches Herz bald versagen könnte und sie sich entscheiden müsse, ob sie ein Spenderherz möchte.
Wunderbar erzähltes, stilles Drama, das zu keiner Zeit übertrieben oder kitschig erscheint, sondern stets glaubhaft die inneren Kämpfe der Figuren zeigt. Nach dem poetisch-traumhaften Einstieg kippt der Film in eine traurige, nie prä­ten­ti­öse Erzählung über Menschen, die vor schweren Entscheidungen stehen. Es fragt sich, ob die Herztransplantation so relativ detailliert hätte gezeigt werden müssen. Auch könnte das Schlussbild als Werbung für Organtransplantationen aufgefasst werden. Ansonsten aber: Alle Achtung!

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Voyage of Time: Life's Journey / Terrence Malick / USA - Frankreich - Deutschland 2016 / 1 - 2

Dokumentarfilm (vielleicht doch eher Kunstfilm?) über die Entstehung und Entwicklung des Universums, der vom Urknall bis zu einem möglichen Ende der Zeit reicht.
Ähnlich wie in allen anderen Filmen von Malick erreicht auch dieser Streifen durch seine enorm schönen Bilder eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Dabei hält sich der Regisseur konsequent an wissenschaftliche Fakten und lässt in den Bildern keine religiöse Schlussfolgerung zu, sondern eher philosophisches Staunen. Umso interessanter (oder seltsamer) ist es, dass der von Cate Blanchett gesprochene Monolog, der immer wieder in einigen Szenen erklingt, durchaus religiös gedeutet werden könnte und eigentlich eher überflüssig, wenn nicht gar störend erscheint. In die bombastischen Tier- und Naturaufnahmen fügen sich immer wieder Einsprengsel der Menschenwelt ein, die im Gegensatz zu den restlichen, die Sinne überwältigenden Aufnahmen merkwürdig amateurhaft wirken. Das mag für die einen clever sein. Andere dürften sich durch die Überhöhung der Natur, beziehungsweise Unterminierung der Menschheit provoziert fühlen. Einmal mehr lässt mich ein Malick-Film staunend zurück.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Oktober 2018

Kino:

Leave No Trace / Debra Granik / USA - Kanada 2018 / 1

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Fahrenheit 9/11 / Michael Moore / USA 2018 / 2

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Bájecní muzi s klikou / Die wunderbaren Männer mit der Kurbel / Jirí Menzel / Tschechoslowakei 1979 / 1 - 2

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BR/DVD:

Die Besucherin / Lola Randl / Deutschland 2008 / 1 - 2

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The Confirmation / Mein fast perfekter Vater / Bob Nelson / Kanada 2016 / 2

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The Wizard of Lies / Das Lügengenie / Barry Levinson / USA 2017 / 1 - 2

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Das Leben Danach / Nicole Weegmann / Deutschland 2017 / 2 - 3

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Hopscotch / Agentenpoker / Ronald Neame / USA 1980 / 1 - 2

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Abgebrannt / Verena S. Freytag / Deutschland 2011 / 1 - 2

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Was du nicht siehst / Wolfgang Fischer / Deutschland - Österreich 2009 / 2

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Forushande / The Salesman / Asghar Farhadi / Iran - Frankreich 2016 / 1

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Neandertal / Jan-Christoph Glaser, Ingo Haeb / Deutschland 2006 / 2

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Lady Macbeth / William Oldroyd / Grossbritannien 2016 / 1 - 2

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Memoirs of a Survivor / Memoiren einer Überlebenden / David Gladwell / Grossbritannien 1981 / 2

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Sinister / Wenn Du ihn siehst, bist Du schon verloren / Scott Derrickson / USA - Grossbritannien 2012 / 2 - 3

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Nocturnal Animals / Tom Ford / USA 2016 / 3

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Rampart / Cop außer Kontrolle / Oren Moverman / USA 2011 / 2 - 3

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Das schweigende Klassenzimmer / Lars Kraume / Deutschland 2018 / 2 - 3

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Und ich habe nun nach über einem Jahr die komplette Serie "The two Ronnies" 1971 - 1987 abgeschlossen und bin tottraurig, dass es fertig ist. Werde die beiden total vermissen! :cry:

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

November 2018

Kino:


Der Läufer / Hannes Baumgartner / Schweiz 2018 / 2

Drama, das sich am schweizer Mitternachts-Mörder Mischa Ebner orientiert. Shooting-Star Max Hubacher brilliert in der Hauptrolle eines sozial geschädigten jungen Mannes, der eigentlich alles hat, aber über seine Vergangenheit nicht hinweg kommt. 8 von 10 Rennstrecken.

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Kona fer í stríð / Gegen den Strom / Benedikt Erlingsson / Island - Frankreich - Ukraine 2018 / 1

Aspirant für den besten Film des Jahres. Grossartiges Drehbuch mit Tiefe, das unterhaltsam und in grossartige Bilder umgesetzt wurde. 10 von 10 gesprengten Strommasten.

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Aos Teus Olhos / Liquid Truth / Carolina Jabor / Carolina Jabor / Brasilien 2017 / 1 - 2

Eigentlich kein Film über Kindesmissbrauch... oder doch? Das durchtrieben clevere Drehbuch lässt diese Frage offen, weil nur behauptet, nichts bewiesen wird. Alle Figuren bleiben in einer seltsamen Schwebe. Was wir glauben, bleibt letztlich uns überlassen. Das Aufzeigen einer beweislosen Anklage, die über die sozialen Medien gnadenlos verbreitet wird und somit für Angeklagte von einem Moment zum anderen zu einer beklemmenden Bedrohung wird, ist nicht nur höchst aktuell sondern zugleich auch bitter und beängstigend. Grosser Tipp! 9 von 10 leeren Schwimmbädern.

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BR/DVD:


Thelma / Joachim Trier / Norwegen - Dänemark - Schweden - Frankreich 2017 / 1 - 2

Mystery-Thriller mit Horror-Elementen, aber ohne Blut und Gewalt. Seine grosse Spannung bezieht er aus seiner grossen Ruhe. Fast 10 von 10 düsteren Vogelschwärmen.

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Ég man þig / I Remember You / Island 2017 / 2 - 3

Ein weiterer übernatürlicher, etwas wirrer Thriller über einen Geist, der erlöst werden will. Schön gefilmt mit den üblichen Schockeffekten. Ca. 6 von 10 herumrennenden kleinen Geistern.

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God's Own Country / Francis Lee / Grossbritannien 2017 / 1 - 2

Erinnert an "Brokeback Mountain", ist aber rauher, härter, dreckiger und doch gleichsam sensibler. Nur das Ende von Ang Lees Film ist besser herausgekommen als das in "God's Own Country". 9 von 10 verlassenen Landschaften.

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Una pistola en cada mano / Ein Freitag in Barcelona / Cesc Gay / Spanien 2012 / 2 - 3

Episoden-Film über Menschen in der Midlife Crisis. Lehnt sich in seiner Machart ein bisschen an die Filme von Woody Allen. Schauspielerisch ganz gut, aber inhaltlich nix von Bedeutung. 6 von 10 NeurotikerInnen.

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Die Liebe der Kinder / Franz Müller / Deutschland 2009 / 2

Formal banale, aber inhaltlich sehr interessante Beziehungskiste. Schauspielerisch extrem realistisch. 8 von 10 Suchenden.

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99 Homes / Stadt ohne Gewissen / Ramin Bahrani / USA 2014 / 1 - 2

Immobilienkrise in Florida: Hausverwalter Rick Carver schmeisst in Begleitung der Polizei die Hausbesitzer, die ihre Raten nicht mehr zahlen können, von einem Tag auf den anderen aus ihren Häusern. Das geht auch Bauarbeiter Dennis Nash so, nachdem er seine Arbeit verloren hat. Als Carver in Nash Ambitionen erkennt, heuert er ihn an. Bald darauf klopft Nash in Polizeibegleitung an die Türen zahlungsunfähiger Hausbesitzer. Regisseur Ramin Bahrani zieht ein gnadenloses Fazit: Im Neoliberalismus wird die Mittelschicht immer mit den Eliten kollaborieren und sich nicht mit den unteren Schichten solidarisieren. Widerstand bedeutet Abstieg und Untergang. Erfolg hingegen wird nicht mehr über Arbeit sondern durch gewissenlose Ausbeutung definiert. Dass die Entsolidarisierung vor allem in reichen Ländern voranschreitet, kann man übrigens schön regelmässig im Wahl- und Abstimmungsverhalten der Schweiz beobachten. Es fragt sich, warum der Film nicht in den Kinos lief... oder muss man sich in diesem Fall doch nicht fragen? 9 von 10 leerstehenden Häusern.

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Another Happy Day / Und trotzdem ist es meine Familie / Sam Levinson / USA 2011 / 1 - 2

Fängt als hysterische Komödie an und begibt sich dann schnell auf die Fährte eines tragisch-tristen Dramas. Dabei kann sich Sam Levinson auf eine erstklassige Besetzung verlassen. 9 von 10 gestörten Charakteren.

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Pionér / Pionier / Erik Skjoldbjærg / Norwergen - Deutschland - Frankreich - Schweden - Finnland 2013 / 2 - 3

Verschwörungsthriller um einen Todesfall und die Vertuschung der wahren Gründe während der Erschliessung der Pipelines in den Tiefen der Nordsee. Leidlich unterhaltsam und spannend. 6 von 10 Dekompressionskammern.

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Glückliche Fügung / Isabelle Stever / Deutschland 2010 / 1 - 2

Einer der seltsamsten Filme seit längerer Zeit. Sehr ruhig, lange Einstellungen, wenig Dialoge. Die 37-jährige Simone wird in der Silvesternacht durch einen One-Night-Stand mit einem jungen Mann names Hannes schwanger. Als sie ihm durch Zufall wieder begegnet, beschliessen beide, ein Paar zu werden und kaufen ein kleines Häuschen in idyllischer Umgebung. Obwohl sich die beiden eigentlich liebevoll und freundlich behandeln, scheinen sie sich kaum näher kennenzulernen und wissen fast nichts voneinander. Auch die Beziehung zu einem Paar aus der Nachbarschaft bleibt distanziert. Von der Protangonistin erfahren wir fast nichts. Sie bleibt leer und mysteriös. Dass etwas nicht stimmt, sehen wir nur an ihrem fast nie lächelnden, regungslosen Gesicht. Die Zuschauer müssen hier sehr viel Arbeit selber leisten, denn der Film verweigert die Psychologisierung und die Verdeutlichung der Motivation der Figuren. Das macht ihn leicht verwirrend, etwas unangenehm, aber auch ziemlich faszinierend. Vielleicht sollte der Stoff nur eine Art Beklemmungsgefühl auslösen, das eine Frau haben kann, die offenbar gar kein Kind austragen möchte. 9 von 10 undeutbaren Blicken.

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Captain Fantastic / Einmal Wildnis und zurück / Matt Ross / USA 2016 / 1 - 2

Später Hippie-Film mit deutlichen Sympathien für seine Figuren, die in einer Art Paradies in den Wäldern des amerikanischen Nordwestens aufwachsen und durch den Suizid der Mutter in eine andere Welt geschleudert werden. Paraderolle für Hollywoods Linksaussen Viggo Mortensen. 8 von 10 ehrlichen Antworten.

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Lovelace / Linda Lovelace - Pornostar / Rob Epstein, Jeffrey Friedman / USA 2013 / 3

Biedere Verfilmung über die im ersten kommerziell äusserst erfolgreichen Pornofilm "Deep Throat" zu Ruhm gekommenen Linda Lovelace. Filmemacher und Drehbuchautor entscheiden sich dazu, aus der zwiespältigen und eigentlich sehr interessanten Frau ein komplett unschuldiges und naives Opfer zu machen, wodurch der Film absolut einseitig wird: Die junge Linda wächst in einer konservativ-religiösen Familie mit repressiv-gewaltätiger Mutter und gleichgültigem Vater auf, glaubt in dem charmanten Chuck Traynor die Erlösung zu finden, als dieser sie in die liberale, sexuell offene Welt einführt, welche sich allerdings als eine Welt entpuppt, in der es ausschliesslich drogensüchtige Machomänner gibt, die Frauen als Objekt sehen und diese ausbeuten, zur Prostitution zwingen und verprügeln. Und so findet Linda ihre Erfüllung erst Jahre später im biederen Familienglück. Schade, dass der 92-minütige Filme komplett aus der Sicht der Hauptperson beleuchtet wird. Denke, die Geschichte und die Sicht auf die damalige Zeit hätten wesentlich mehr Potenzial gehabt. 5 von 10 bunten 70er-Hemden.

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24 Wochen / Anne Zohra Berrached / Deutschland 2016 / 1

Berührendes, sensibles, nie kitschiges, mutiges und gewagtes Drama um eine Frau, die sich im siebten Monat für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, weil in ihr ein Kind mit Down-Syndrom und Herzfehler heranwächst. Dabei nimmt die Regisseurin keinerlei Haltung für oder gegen den Entscheid der Frau ein, sondern zeigt einen Menschen, der in jeder Hinsicht vor einer folgeschweren Wahl steht. 10 von 10 ethischen Grundfragen.

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Doc / Frank Perry / USA 1971 / 3

Zwar ist der Western schön heruntergekommen und sogar einigermassen dreckig - offenbar wollte man sich am dazumal sehr erfolgreichen Italo-Western orientieren - besonders spannend ist Perrys Film aber nicht herausgekommen. Zugute halten kann man ihm aber, dass er sich einer weiteren Mythologisierung des Westerns verweigert, indem er die "Helden" als nicht über jeden moralischen Zweifel erhabene Charaktere zeigt. Ärgerlich ist hingegen die Zeichnung der Frauen (entweder Huren oder tiefgläubige Ehefrauen), der Mexikaner (faul und betrügerisch) und der Chinesen (Besitzer oder Kunden einer Opiumhöhle). 5 von 10 Whiskeys.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Dezember 2018

Kino:

Todos lo saben / Offenes Geheimnis / Asghar Farhadi / Spanien - Frankreich - Italien 2018 / 1 - 2

Eine weitere moralische Geschichte vom iranischen Meister. Wunderbar auch das Understatement seiner brillanten Schauspielerriege. Bin schon sehr gespannt auf seine weiteren Streifen.

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Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm / Joachim Lang / Deutschland - Belgien 2018 / 2

Bombastisches Ausstattungskino, in dem die singende Schauspielerriege einen recht guten Job hinlegt. Seine sarkastischen Spitzen gegen den Kapitalismus machen den Film überdies ziemlich aktuell.

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BR/DVD:

Two-Minute Warning / Zwei Minuten Warnung / Larry Peerce / USA 1976 / 1 - 2

Sehr gut gemachter Spannungsfilm mit toller Figureneinführung. Spannend bis zum Ende, teilweise auch ganz schön blutig. Ach, die guten alten 70er-Jahre!

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Der Schatz der weißen Falken / Christian Zübert / Deutschland 2005 / 1 - 2

Sehr schöner, anrührender und leicht melancholischer Kinder- und Jugendfilm mit einigen Anleihen bei "Stand by me". Da er ziemlich gefällig daherkommt, erreicht er nicht die rauhe Au­then­ti­zi­tät des 70er-Jahre Jugendkinos, ist aber trotzdem überzeugend.

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Sommer '04 / Stefan Krohmer / Deutschland 2006 / 4

Beziehungsgedöns angelehnt an die Filme von Éric Rohmer, allerdings leider unglaubwürdig und ein bisschen langweilig.

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Laurence Anyways / Xavier Dolan / Kanada - Frankreich 2012 / 1 - 2

Formal äusserst interessantes Romance-Drama um das unangepasste Paar Laurence und Frédérique, das nicht richtig voneinander loskommt, nachdem der Mann mit über dreissig ihr und seiner Umgebung eröffnet, dass er im falschen Körper lebt und fortan als Frau weiterleben wird. Frédérique versinkt mit einem anderen Mann im reichen bürgerlichen Leben, während Laurence in einer Travestiegruppe neue Freunde findet. Unter der bunten, abgefahrenen Oberfläche steckt eine tiefe Melancholie, die sich durch den ganzen Film zieht. Die phänomenalen Melvil Poupaud und Suzanne Clément zeigen eine atemberaubende Leistung. Noch nicht ganz so intensiv wie Dolans spätere Filme "Juste la fin du monde" und vor allem "Mommy", aber... intensiv!

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Aus dem Nichts / Fatih Akin / Deutschland - Frankeich 2017 / 1 - 2

Normalerweise mag ich die Filme von Akin nicht besonders, aber dieser Rachethriller (?) reiht sich da nicht ein. Vor allem aber macht Diane Kruger den Film sehenswert.

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Midnight in Paris / Woody Allen / USA - Frankreich - Spanien 2011 / 2

Woody Allen versetzt uns mal wieder in die guten alten Zeiten, denn früher war ja alles besser als in der grauenvollen Gegenwart. Das könnte nerven. Allerdings zeigt er hier ziemlich clever, dass jede Epoche wohl geglaubt hat, dass gerade ihre Zeit eher langweilig ist und das goldene Zeitalter ein paar Jahrzehnte zurück liegt. Owen Wilson als Allens Alter Ego spaziert durch das wunderschöne Paris der verschiedenen Zeitalter und trifft dort die Haute Volee jener Epochen. Gezeigt wird nur nostalgische Schönheit. Armut, Krankheit, soziale Ungerechtigkeiten und Hässlichkeit gibt es in dieser Vorstellung nicht.

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Top of the Lake: China Girl (Alle 6 Folgen) / Jane Campion, Ariel Kleiman / Australien 2017 / 1 - 2

Komplexe Fortsetzung mit fast durchs Band weg unsympathischen, kaputten Charakteren. Atmosphärisch ganz anders als die erste Staffel.

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Night of Dark Shadows / Das Schloss der verlorenen Seelen / Dan Curtis / USA 1971 / 2 - 3

Inhaltlich wirrer, aber kameratechnisch und atmosphärisch schöner Gruselfilm. Einiges erinnert an Curtis' Hauptwerk "Burnt Offerings". Frühe Rolle für Charlie's Angel Kate Jackson.

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Jagdhunde / Ann-Kristin Reyels / Deutschland 2007 / 1

Weihnachtsfilm, der mich komplett auf dem falschen Fuss erwischt hat. Seine wunderbare Skurrilität gibt er im Verlauf für eine Tristesse auf, die zu keinem Augenblick kitschig oder unglaubwürdig wirkt. Für einen Debütfilm ist der schon ziemlich krass. Auch ist das kleine SchauspielerInnen-Ensemble grossartig ausgesucht und eingesetzt. Einmal mehr muss ich dem Filmdienst für seine grossartige Arbeit danken. Ohne seine Filmkritiken wäre meine Sammlung wohl um viele kleine Filme ärmer!

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J’ai tué ma mère / Ich habe meine Mutter getötet / Xavier Dolan / Kanada 2009 / 1

Coming-of-Age-Streifen mit intensiven schauspielerischen Leistungen. Drastisch und zärtlich zugleich. Es ist nur schwer vorstellbar, dass hier ein 19-jähriger Bursche die Hauptrolle gespielt hat und auch noch für Regie, Drehbuch, Dialoge, Produktion und Kostüme zuständig war. Mir ist nichts vergleichbares bekannt. Hab' jetzt vier Filme von Dolan gesehen und kann nur hoffen, dass der weiterhin dem Studiofilm treu bleibt. Wäre äusserst schade, wenn man ihn nun im südlichen Nachbarland entdeckt und sein Talent dort verheizt würde!

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Draussen ist Sommer / Friederike Jehn / Deutschland - Schweiz 2012 / 3

Drama über eine fünfköpfige Familie, die aus Stuttgart in die Schweiz zieht, um dort einen Neuanfang zu versuchen, was misslingt.
Mich stört nicht mal das zähe Tempo des Films. Eher die unmotivierten Auftritte mancher Charaktere und in den Ohren tut mir weh, wenn schweizer Schauspieler ein forciertes Hochdeutsch sprechen sollen und das auch noch neben ausgebildeten deutschen Schauspielern. Der Film ist ok, aber nichts, was mir lang im Kopf verbleiben wird.

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Schöne Frauen / Sathyan Ramesh / Deutschland 2004 / 3

Fünf Schauspielerinnen in der Midlife-Crisis begegnen sich bei einem Casting für eine Krimiserie. Nach langem Warten beschliessen sie, abzuhaun und sich einen schönen Tag zu machen. In einem einsamen Landhotel verbringen sie eine Nacht mit zwei Musikerinnen, die dort proben. Diskussionen entstehen, man raucht, säuft Alkohol... Freundschaften scheinen sich anzubahnen.
Nicht allzu originell, auch nicht besonders witzig. Die filmische Umsetzung ist sehr mittelmässig,was aber dem Budget geschuldet ist. Das Drehbuch scheint von einem Mann geschrieben worden zu sein, der glaubt, dass Frauen meinen, dass Männer denken, dass sich Frauen in solchen Situationen so verhalten.

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Landgericht / Matthias Glasner / Deutschland - Tschechien - Kuba 2017 / 1

Zweiteiliger Fernsehfilm, in welchem Glasner beweist, dass er nicht nur krasse Arthaus-Filme machen kann, sondern sich auch im Ausstattungsfilm sicher fühlt.
Einer der absolut besten Filme zum Thema: Was Kriege auch abseits der Kampfschauplätze an Leid hinterlassen.
Im hohen Masse berührend, ohne je kitschig zu sein. Grossartig gespielt mit einer dezenten Filmmusik.
Einer der besten Filme dieses Jahres.

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L'innocente / Die Unschuld / Luchino Visconti / Italien - Frankreich 1976 / 1 - 2

Viscontis letztes Meisterwerk als Betrachtung eines libertinen Mannes, der sich um die Gefühle der anderen Menschen keinen Deut schert, solange er seine unbegrenzte Freiheit ausleben kann.
In grosser Ruhe und mit ebenso grosser Distanz wird eine dekadente Gesellschaft gezeigt, die sich keiner Verantwortung bewusst ist und andere Menschen nur als Mittel zum Zweck sieht.
Jede Kameraaufnahme ist ein Gemälde, Giancarlo Giannini eine Wucht. Ein Werk von grosser Konzentration, das bis zum Ende fasziniert.

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Bastard / Carsten Unger / Deutschland 2011 / 2 - 3

Leon, ein 13-jähriger Junge, entführt den Knaben Nikolas Heine und sperrt ihn in einen Keller. Dies, um sich an seiner Mutter Anja Heine zu rächen, die ihn als Baby in eine Babyklappe gelegt hat. Gleichzeitig versucht er, sie und ihren Mann Raphael Heine in die Position einer Ersatzfamilie zu zwingen. Zur selben Zeit findet die 13-jährige laszive Mathilda heraus, dass Leon der Entführer ist und fordert von ihm bedingungslose Hingabe und Verlässlichkeit. Beide beginnen ein sadistisches Spiel mit den Heines. Die Kriminalpsychologin Claudia Meinert heftet sich derweil an die beiden Teenager und beginnt ebenfalls ein Spiel mit ihnen.
Das hohe Mass an Unglaubwürdigkeit der Story wird durch die formale Qualität und die SchauspielerInnen einigermassen ausgeglichen. Trotzdem kein überzeugender Streifen, denn neben der arg konstruierten Geschichte wirkt die Auflösung ebenso einfallslos.

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Totem / Jessica Krummacher / Deutschland 2011 / 2

Die junge Fiona Berlitz beginnt als Haushaltshilfe bei Familie Bauer in Bochum. Sie soll die Kinder betreuen, den Haushalt erledigen. Vor allem soll sie sich aber zusammen mit Mutter Claudia um die zwei lebensecht aussehenden Babypuppen kümmern. Fiona erlebt sanfte wie auch körperliche Übergriffe, setzt sich da und dort zur Wehr, provoziert aber auch durch ihr Verhalten. Manchmal will die Familie gemütlich zusammen kommen, was aber zur einer verkrampften Situation führt. Niemand spricht mit dem anderen mehr als das nötigste. Vater Wolfgang kümmert sich lieber um die Hasen im Garten, als in der Küche am Frühstückstisch zu sitzen. Eine ältere Frau aus der Nachbarschaft scheint die Situation zu beobachten und taucht plötzlich an den verschiedensten Orten auf. Fiona fühlt sich komplett leer und hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben machen soll. So scheint es nur konsequent, wenn sie am Ende nach einem Seil greift und es sich um den Kopf legt.
Einer der verstörendsten und beklemmendsten Filme seit langem. Der Horror ist leise und stösst immer wieder aus den kleinen spiessigen Alltagssituationen hervor. Ein extrem merkwürdiger kleiner Streifen.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Januar 2019

Kino


The Favourite – Intrigen und Irrsinn / Yorgos Lanthimos / Grossbritannien - Irland - USA 2018 / 1 - 2

Im frühen 18. Jahrhundert besetzt Queen Anne den Thron im englischen Königshof. Körperlich und geistig angeschlagen, muss sie über die Geschicke Englands mitten im Krieg gegen Frankreich bestimmen. Ihrer engsten Vertrauten und Einflüsterin Sarah Churchill stellen sich Probleme mit der Ankunft ihrer Cousine Abigail Masham, als diese sich mehr und mehr die Gunst der Königin erschleicht. Schon bald bekämpfen sich Sarah und Abigail bis aufs Blut.
Ein in höchster Vollendung ausgestatteter Kostümfilm mit wunderbarer Kameraarbeit und von Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone grandios gespielt. Die ironische Färbung des Dramas kann den hohen Ekel ob der ungeheuerlichen Intrigen nicht ganz ausgleichen. Ein bisschen wärmende Schönheit in der ganzen menschlichen Kälte verleiht nur die barocke Musik. Abzug für den Elton John-Song während des Abspanns und den Gebrauch des four-letter word.

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BR/DVD:


5 Jahre Leben / Stefan Schaller / Deutschland - Frankreich 2013 / 1 - 2

Die Geschichte des Deutschtürken Murat Kurnaz, der 2002 ohne Anklage ins Internierungslager auf Guantanamo Bay entführt wird und dort fünf Jahre lang physische und psychische Folterungen über sich ergehen lassen muss.
Auch wenn die Gewalt nicht ausufernd gezeigt wird, bleibt eine grosse Sprachlosigkeit zurück, dass ein Mensch solche Bedingungen überstehen kann. Der Schauspieler Sascha Alexander Gersak brilliert in der Hauptrolle.

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Mic Macs à Tire-Larigot / Micmacs - Uns gehört Paris! / Jean-Pierre Jeunet / Frankreich 2009 / 2 - 3

Bei Bazil, einem Angestellten eines Videoladens, landet eines Abends eine Kugel in seinem Kopf, als es vor dem Laden zu einer Schiesserei kommt. Der Chirurg entscheidet per Münzwurf gegen eine Operation. So landet Bazil nach seinem Arbeitsplatzverlust auf der Strasse, wo sich sogleich eine Gruppe von Randständigen um ihn kümmert. Sie helfen ihm auch dabei, zwei konkurrierende Waffenhersteller unschädlich zu machen.
Recht sympathische Komödie (vor allem inhaltlich) mit einem extrem hohen Auswurf an skurriler Phantasie. Dany Boon, der mich normalerweise total nervt, ist hier gut besetzt. Kurzweilige Unterhaltung, die aber nicht den grossen Charme von Jeunets bekanntestem Werk hat.

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Reprise / Auf Anfang / Joachim Trier / Norwegen 2006 / 2

Höchst origineller erster Langspielfilm von Joachim Trier, der komplex und doch irgendwie in einer Leichtigkeit erzählt wird. Immer wieder gibt es Rückblenden und mögliche Zukunftsperspektiven von zwei Freunden, die Schriftsteller werden möchten. Der eine wird nach seinem ersten Erfolg depressiv und kann nicht mehr schreiben. Dem anderen wird Talentlosigkeit prognostiziert und doch schafft auch er es später zu Ruhm.
Ein Film, dem die Verneigung vor der Nouvelle Vague deutlich anzusehen ist.

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Manglehorn / Schlüssel zum Glück / David Gordon Green / USA 2014 / 1

Der alternde Schlosser Manglehorn lebt sein tristes Leben, da er einer alten Liebe hinterher trauert. Hunderte von Briefen an diese Frau, die er vor Jahrzehnten verlor, kommen ungeöffnet an seine Adresse zurück. Er sammelt sie in einem alten Büro, das einem Schrein gleicht. Die einzige emotionale Beziehung hat er zu seiner Katze. Das Verhältnis zu seinem Sohn ist belastet und mit der Bankangestellten, die sich für ihn interessiert, ist die Annäherung schwierig.
Ein wunderschönes Alterswerk mit Al Pacino und Holly Hunter. Tief bewegend, ehrlich, aber auch schwierig, da die Erwartungen der Zuschauer öfters unterwandert werden. Dadurch wird das Werk sperrig, wodurch Kitsch in jeder Hinsicht vermieden wird. Der wird mir noch länger im Kopf verbleiben!

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La decima vittima / Das 10. Opfer / Elio Petri / Italien - Frankreich 1965 / 3

Von Wirtschaft und Staat wurde eine Spielshow namens Die große Jagd entwickelt. Dabei werden von einem Computer Männer und Frauen ermittelt, die abwechselnd Jäger und Opfer spielen. Dem Gewinner winkt Ruhm und Geld, dem Verlierer der Tod.
Eher enttäuschender Science-Fiction-Film von Meister Petri. Die Geschichte ist zwar im 21. Jahrhundert angesiedelt, aber aus jeder Ecke der Inszenierung springen einen die 60ies an, dass es eine wahre Freude für das Farben liebende Auge ist. Nicht gerade spannend, auch Marcello Mastroianni und Ursula Andress überzeugen schauspielerisch nicht besonders. Die interessante, zynische Story dürfte Vorbild für den fünf Jahre später entstandenen deutschen Fernsehfilm "Das Millionenspiel" gewesen sein.

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Verfolgt / Angelina Maccarone / Deutschland 2006 / 2

https://de.wikipedia.org/wiki/Verfolgt_(2006)

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This Is England / Shane Meadows / Grossbritannien 2006 / 1 - 2

1983 in einer nordenglischen Stadt: Während sich die Bevölkerung mit Arbeitslosigkeit herumschlagen muss, wird der zwölfjährige Shaun, dessen Vater im Falklandkrieg umkam, in der Schule gemobbt. In einer linken Skinhead-Bande findet er Freunde, einen Familienersatz und in Woody eine Art Vaterfigur. Als eines Tages Combo aus dem Gefängnis entlassen wird, besucht er seine Skinhead-Freunde. Diese merken sofort, dass Combo nun eine nationalistische und rassistische Weltsicht übernommen hat, woraufhin sich die Gruppe in zwei Flügel aufspaltet. Shaun schliesst sich Combo an. Erst als dieser eines Abends Milky halb tot schlägt, weil er jamaikanische Wurzeln hat, beginnt Shaun sich von Combo zu distanzieren.
Ein von den jungen DarstellerInnen hervorragend gespielter Film. Normalerweise merke ich sofort, wenn ein Film ein Jahrzehnt oder eine Zeit präsentiert, in der nicht gedreht wurde. "This Is England" bildet da eine Ausnahme. Die ganze rauhe Atmosphäre, die Kameraeinstellungen, die Körnigkeit der Bilder, die grandiose Ausstattung und die perfekten Drehorte. Wenn ich es nicht gewusst hätte, wäre ich mir sicher gewesen, dass der in den 80ern gedreht worden ist. Ich staune!

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Der Rest ist Schweigen / Helmut Käutner / Deutschland 1959 / 2

John Claudius kommt nach vielen Jahren aus den USA zurück nach Deutschland, um die Todesumstände seines Vaters zu hinterfragen. Schon nach kurzer Zeit beginnt er an der offiziellen Geschichte zu zweifeln und vermutet ein Komplott hinter dem merkwürdigen Verhalten seiner Mutter und seines Onkels.
Shakespeares Hamlet ins dunkelgraue Ruhrgebiet der Zeit des Wirtschaftswunders verlegt. Mit einigen Stars des damaligen deutschen Kinos verfilmt, bietet Käutners Film einen etwas düstereren Blick auf die 50er Jahre als wohl viele andere Streifen aus der Zeit.

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Hirngespinster / Christian Bach / Deutschland 2014 / 2

Inszenatorisch und schauspielerisch überzeugendes Drama um einen Familienvater, der unter schizophrenen Schüben leidet und seine Familie in Mitleidenschaft zieh.

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Trainspotting / Neue Helden / Danny Boyle / Grossbritannien 1996 / 5

Mark Renton und seine Freunde haben vor allem ein Lebensziel: Den nächsten Heroinschuss. Dafür braucht es viel Phantasie und vor allem kriminelle Energie, um an das Zeug zu kommen. Die Zeit, die nicht für die Beschaffung von Drogen draufgeht, verbringt die Clique mit Pubbesuchen, blöden Sprüchen, Gewaltausbrüchen, der Suche nach schnellem Sex... und kalten Entzügen.
Ein ungeheuer öder und ziemlich langweiliger Film mit äusserst unsympathischen und überaus nervtötenden Charakteren, die allesamt Karikaturen ihrer selbst sind. Zwar ist Boyle anzuerkennen, dass er auch die ernsten Seiten der Verhältnisse nicht ausspart: Aids, Perspektivlosigkeit, Verrat unter Freunden, Todesfälle, total heruntergekommene Behausungen etc. Trotzdem liegt der Verdacht, dass die Konzentration vor allem auf groteskem Humor und fäkalen Ekelszenen lag, ziemlich nah. Von einem einfühlsamen Porträt der Junkie-Szene, wie es das Lexikon des internationalen Films schrieb, habe ich kaum etwas bemerkt.

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Gisela / Isabelle Stever / Deutschland 2005 / 2 - 3

In einer anonymen Wohnbausiedlung hängen Georg und Paul den ganzen Tag herum, saufen und labern fast konsequent über Frauen. Zwischendurch müssen sie in den Supermarkt, um Bier für Feste einzukaufen. Da begegnen sie auch Gisela immer wieder, die mit ihrem Mann und ihrem Kind zusammen wohnt. Paul beginnt eine intensive sexuelle Beziehung mit Gisela, was für diese eine willkommene Abwechslung zum grauen Alltag zu sein scheint. Anfänglich scheint sich Paul durch diese Beziehung zu verändern, letztlich aber bleibt alles beim alten.
In seiner Hoffnunglosigkeit wohl durchaus wahrhaftiger Film, der ziellos den Alltag von heruntergekommenen Macho-Proleten spiegelt und trotz seiner "Liebes"geschichte höchst unromantisch ist.

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Je t'aime, je t'aime / Ich liebe dich, ich liebe dich / Alain Resnais / Frankreich 1968 / 1 - 2

Claude Ridder, ein Schriftsteller, wird nach einem misslungenen Selbstmordversuch aus einem Brüsseler Spital entlassen. Zwei Männer einer Organisation fragen ihn vor dem Spital an, ob er sich für ein Experiment zur Verfügung stelle würde. Claude fährt mit den Männern ohne grosses Interesse an einen Ort, wo bisher nur mit Labormäusen an Zeitreisen experimentiert wurde. Claude soll der erste Mensch sein, der für eine kurze Zeitspanne in seine ein Jahr zurückliegende Vergangenheit gebracht werden soll. Er willigt ein und wird in einer Kammer eingeschlossen. Das Experiment beginnt, doch es läuft schon nach kurzer Zeit aus dem Ruder. Claude wird permanent zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her geworfen. Die Wissenschaftler können ihn nicht befreien. Durch seinen Selbstmordversuch kehrt Claude schliesslich in die Gegenwart zurück und stirbt dort.
Einer der interessantesten Filme der 60er Jahre. Schwierig anzuschauen, da die Geduld der Zuschauer durch die häufig wiederholten, jeweils leicht veränderten Szenen aus Claudes Vergangenheit strapaziert werden könnte und diese Erinnerungsbruchstücke eher banal wirken. Die gespenstische Chormusik von Krzysztof Penderecki hilft, die traumhafte Ebene zu erfassen.

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Sønner / Dunkle Geheimnisse / Erik Richter Strand / Norwegen 2006 / 3

Eines Tages beobachtet Lars vor dem Hallenbad, in welchem er als Bademeister arbeitet, wie ein Mann sich zwei Teenagern nähert. Er erkennt in dem Mann Hans wieder, der ihn als Kind missbrauchte. Sofort verfolgt er mit einer Kamera das wegfahrende Auto und filmt auf einem abgelegenden Grundstück die sexuelle Handlung zwischen dem Teenager Tim und Hans. Als Lars die Aufnahmen an einen Journalisten weiterleitet, der ebenfalls als Kind missbraucht wurde, nimmt die Handlung eine folgenschwere Dynamik an, die alle Beteiligten zu Straftaten verleitet und Hans nur noch einen Ausweg lässt.
Drama, das versucht, sich dem Thema möglichst ohne Vorverurteilung zu nähern und das alle Beteiligten als Opfer zeigt. Engagiert, gut gespielt und trotzdem nicht ganz überzeugend.

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Februar 2019

Kino


Green Book / Eine besondere Freundschaft / Peter Farrelly / USA 2018 / 2 - 3

Tony Lip arbeitet als Türsteher, um seine Familie zu ernähren. Als der Club renoviert wird, muss er sich nach einem anderen Job umschauen und erhält das Angebot als Fahrer und Assistent, einen Afroamerikaner namens Dr. Don Shirley auf einer Konzerttournee von New York bis in die Südstaaten zu begleiten. Da der Job gutes Geld bedeutet, lässt sich Tony darauf ein. Das führt zu Situationen, die die beiden höchst unterschiedlichen Männer zuerst abstösst, dann aber zu gegenseitigem Verständnis und Respekt führt.
Der schön gemachte Streifen wirkt wie ein Lehrfilm einer Filmschule zum Thema Aufbau und Struktur. Alles erscheint durchgetaktet. Man kann fast mit der Stoppuhr die Zeit zwischen ernster Szene und dem darauffolgenden Joke messen. Ob das die hohe Kunst der filmischen Erzählung oder schlicht langweilig ist, muss jede/r für sich entscheiden. Leider ist die Story komplett vorhersehbar und lässt kein Cliché aus, besonders was italienische Einwanderer angeht. Sie hat aber auch viele schöne Szenen und teils gute Dialoge. Zeigt, dass Amerikaner mit Migrationshintergrund selber im hohen Masse rassistisch sein können, ebenso wie Afroamerikaner, die mit Verachtung auf Proletarier hinabschauen. Wichtig ist der Film in seiner humanen Botschaft, dass es immer möglich ist, aufeinander zuzugehen, sich mit Respekt zu begegnen. Das macht ihn überdies ziemlich aktuell. Letztlich kein Film, der weh tut, sondern ordentlich unterhält. Wenn er aber dazu führt, einen weiteren kleinen Schritt in eine (Star Trek)Welt zu gehen, in der Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder sozialer Status keine Rolle mehr spielen, hat er Respekt verdient.

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If Beale Street Could Talk / Beale Street / Barry Jenkins / USA 2018 / 2

Harlem in den 70er-Jahren: Tish Rivers und Alonzo 'Fonny' Hunt werden ein Liebespaar. Als sie schwanger wird, freuen sich ihre Eltern, während Fonnys Familie gegen die Verbindung der beiden ist. Eines Tags wird Fonny fälschlicherweise beschuldigt wird, eine Puertoricanerin vergewaltigt zu haben, worauf er ins Gefängnis muss. Da die Puertoricanerin offenbar von der Justiz für ihre Aussage bestochen wurde, wird ein Anwalt auf der Gegenseite engagiert. Doch die Puertoricanerin taucht ab und der Fall zieht sich immer mehr in die Länge. Fonny muss im Gefängnis harren und verständigt sich irgendwann mit der Staatsanwaltschaft auf eine reduzierte Strafe, indem er sich für schuldig erklärt.
Der Film kam für mich nicht ganz an Moonlight heran. Die Umsetzung der Story ist zwar nicht dem Kitsch verhaftet, bewegt sich teilweise aber ein wenig im Grenzgebiet daran. Stark ist der Film zum Beispiel, wenn die beiden schwarzen Freunde Fonny und Daniel Carty über Daniels Aufenthalt im Gefängnis reden. Da kommt ein Horror durch, ohne dass explizite Situationen genannt werden.
Das Gefühl der 70er-Jahre wurde für mich nicht allzu gut transportiert. Natürlich, die schönen bunten Hemden, die Autos, die Musik... aber es blieb der Eindruck: So hat dieses Jahrzehnt nicht ausgesehen. Trotzdem ein wichtiger Film, der die Ungerechtigkeiten anprangert, die Menschen mit schwarzer Hautfarbe über sich ergehen lassen mussten und müssen.

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BR/DVD:

A nagy füzet / Das große Heft / János Szász / Ungarn - Deutschland - Österreich - Frankreich 2013 / 1

Als der Vater der Zwillingsbrüder Iker und Iker im Jahr 1944 als Soldat einberufen wird, bringt die Mutter die beiden Zwillinge in ein ungarisches Dorf zu ihrer Grossmutter. Diese erweist sich wie die meisten anderen Menschen im Dorf, als hartherzig und grausam. Schnell erkennen die beiden Jungen, dass sie nur überleben können, wenn sie genauso hart und kalt werden wie ihre Umgebung. Sie beginnen eine Art Ausbildung, in der sie sich beleidigen und ohnmächtig prügeln, um Schmerz immer besser ertragen zu können. In einem Tagebuch, dass ihr Vater ihnen übergab, bevor er in den Krieg zog, halten sie alle Gedanken und Erfahrungen fest.Trotz allem erhalten sie sich eine moralische und empathische Sicht auf die Welt. Und doch sterben quasi alle Menschen, die mit ihnen in Kontakt kommen. Als ihre Mutter sie abholen will, entscheiden sie sich, auf dem Hof ihrer Grossmutter zu bleiben. Der Vater, der kurze Zeit später auftaucht, wird an einer verminten Grenze geopfert, damit sich die Zwillinge ihrer grössten Herausforderung stellen können: Ihrer Trennung. Einer bleibt zurück auf dem Hof, der andere läuft über den toten Körper des Vaters über den kurzen Grenzabschnitt...
Ein inhaltlich und thematisch ungeheuer brutales Drama um Zwillingsbrüder, die in der Welt des Kriegs nur einander haben. Dabei hält sich der Film mit gezeigter Gewalt stark zurück und ist stattdessen visuell eher dem poetischen Realismus der alten Ostblock-Filme verpflichtet. Die beiden jungen Darsteller László und András Gyémánt dominieren die Handlung mit beängstigender Präsenz. Schon jetzt einer der Top-Filme des Jahres.

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Scherbenpark / Bettina Blümner / Deutschland 2013 / 2 - 3

Eine nicht immer ganz gelungene Mischung aus Good-Feel-Movie und Sozialdrama um die 17-jährige Sascha , die durch äussere Umstände bereits sehr früh Verantwortung übernehmen musste und sich im Leben durchschlagen muss.

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How Awful About Allan / Curtis Harrington / USA 1970 / 2

Nach dem ein Brand im Haus seinen Vater getötet und seine Schwester verunstaltet hat, wird Allan wegen psychosomatischer Blindheit in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Nach acht Monaten wird er entlassen und kehrt in das Haus des Unfalls zurück. Nach wie vor sieht er alles in seiner Umgebung nur wie durch einen Schleier. Seine Schwester, der gegenüber er ein schlechtes Gewissen hat, möchte, dass er einen Psychiater aufsucht. Ein Untermieter mit einer merkwürdigen Stimme scheint ihm Fallen stellen zu wollen und nach dem Leben zu trachten. Bald schöpft Allan Verdacht...
Kleiner TV-Film mit vorhersehbarer Handlung. Nichts Wichtiges, aber mit stimmungsvoller Atmosphäre und guter musikalischer Untermalung von Laurence Rosenthal.

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The Killing of a Sacred Deer / Yorgos Lanthimos / Irland - Grossbritannien - USA 2017 / 1 - 2
Kalervo hat geschrieben: ↑
vor 5 Monate
The Killing of a Sacred Deer {2017 - Yorgos Lanthimos} 8
Neues vom Lobster-Regisseur. Und wer diesen Film schon merkwürdig fand der sollte sich mal TKoaSD geben. Fast durchgehend liegt eine beunruhigende Atmosphäre in der Luft, das alles ohne große drastische Szenen. Aber wenn dann etwas besonderes passiert wirkt es dafür umso bedrückender. Es gibt kaum „normale“ Szenen, alles wirkt seltsam, unecht, oberflächlich, aber nicht negativ gemeint. Einiges entzieht sich einer klaren Verständlichkeit. Strange auch Sachen wie als im Smalltalk über die Periode der Arzttochter gesprochen wird. What!? Die Dialoge seltsam steril, gestelzt und oberflächlich. Ähnlich wie bei dem vor wenigen Tagen gesehenen Thelma hinterfragt man die scheinbar übernatürlichen Dinge nicht. Nimmt sie hin. Ist davon mitgerissen. Einfach heruntergebrochen kann man sagen es geht um einen Mann der gewohnt ist immer über alles die Kontrolle zu haben, der selbige verliert. Hallt im Hirn nach.

Da ich wie gesagt leichte Ähnlichkeiten zu Thelma sehe, gebe ich diesen hier als Sehempfehlung für Rushmore!

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Hereditary / Das Vermächtnis / Ari Aster / USA 2018 / 3

Nach dem Tod ihrer Mutter sieht sich Annie zunehmend übernatürlichen Gefahren ausgesetzt, die sie und ihre Familie zu bedrohen scheinen. Als ihrer dreizehnjährigen Tochter Charlie bei einem Unfall der Kopf abgetrennt wird, wendet sich Annie einer Geisterbeschwörung zu, die ihr von einer älteren Frau aufgedrängt wird. Danach kippt die Welt der Familie komplett aus den Angeln...
Verschwörungs-Horrorfilm, der einen schönen, gruseligen Aufbau hat und in der letzten halben Stunde dann eher zu einem grellen Spektakel wird. Das ist leider ein übliches Problem bei so manchem Horrorfilm. Anstatt die Atmosphäre, die Hereditary durchaus hat, bis zum Ende durchzuziehen, muss die Schraube immer weitergedreht werden und läuft schliesslich leer, weil einiges aufgesetzt und unschlüssig erscheint. Toni Collette schrammt am Rande des Overacting, was natürlich ihrer hysterischen Rolle geschuldet ist. Die bedrohliche Musik unterstützt den unangenehmen Streifen recht gut. Auch hält der Regisseur übermässige Gewalt auf Sparflamme. Gut so!

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La gabbia / Der Käfig / Giuseppe Patroni Griffi / Italien - Spanien 1985 / 3

Der alternde Gigolo Michael begegnet in Mailand zufällig der Frau wieder, die er vor fünfzehn Jahren verführte und anschliessend sitzen liess. Diesmal beginnt Marie, unterdessen Mitte Vierzig, ein erotisches Spiel mit ihm, doch als sich Michael am Morgen ans Bett gefesselt wiederfindet, wird klar, dass Marie nicht daran denkt, ihn wieder ziehen zu lassen. Auch von ihrer Tochter Jacqueline kann Michael keine Hilfe erwarten, hat diese doch eine eigene erotische Agenda mit ihm...
Der Film bietet vor allem das, was man den Filmen der 80er Jahre häufig vorwirft: Oberfläche. Laura Antonellis erotisches Potential ist kein bisschen kleiner geworden, doch kann das den Film letztlich auch nicht retten. Interessant ist die Tatsache, dass Ennio Morricones Musik den Film auf ein Niveau hebt, wo er eigentlich gar nicht hingehört. Das ist mir schon öfters bei Filmen aufgefallen, für die der Meister die Musik schrieb.

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Plac zabaw / Playground / Bartosz M. Kowalski / Polen 2016 / 1 - 2

Der letzte Schultag: Die zwölfjährige Gabrysia steht vor dem Spiegel und macht sich hübsch, dann kocht sie Wasser auf, nimmt einen Schluck und versucht, solange wie möglich das heisse Wasser im Mund zu behalten... Der zwölfjährige Szymek pflegt seinen gelähmten Vater, bringt ihn aufs WC, macht im Essen und schaut, dass dieser seine Medikamente einnimmt. Bevor Szymek die Wohnung verlässt, beginnt er, auf den Vater einzuschlagen... Der zwölfjährige Czarek ist auf dem Weg zur Schule. Vorher soll er noch beim Metzger Fleisch für das Abendessen holen. Als Czarek einem streunenden Hund begegnet, legt er den Sack voll Fleisch auf ein Hindernis, so dass der Hund nicht drankommt und filmt mit seinem iphone das hungrige Tier...
Nach der Schule gesteht Gabrysia Szymek, dass sie sich in ihn verliebt hat und fragt ihn, ob sie ein Paar werden wollen. In einer Erniedrigungsorgie quälen Szymek und Czarek daraufhin das Mädchen und nehmen alles per iphone auf. Dann gehen die beiden Jungs in die Shopping Mall, um neue Computerspiele zu suchen. Doch der Laden hat geschlossen. Auf dem Weg nach draussen, entführen sie ein Kleinkind, bringen es in eine verlassene Landschaft und töten das Kind auf höchst grausame Art und Weise...
Ich wusste gestern nacht nach dem Film erst gar nicht, was ich dazu sagen oder schreiben könnte. Ich wusste nicht, ob ich schockiert oder angewidert war, spürte nur eine grenzenlose Leere und hier liegt, glaube ich, der Anknüpfungspunkt. Kowalski bezieht sich unter anderem auf den Mord an James Bulger, der 1993 weltweit für Schlagzeilen sorgte. Zuerst wollte ich eine Verbindung zu Krzysztof Kieślowskis "Ein kurzer Film über das Töten" (1988) sehen, obwohl dieser Film schon rein formal ganz anders funktioniert und in seinen Bildern bedeutend schmutziger und heruntergekommener ist. Viel wichtiger ist aber, dass Kieślowski den Nihilismus ablehnte und in seiner Geschichte nicht nur zu erklären versuchte, wie extreme Gewalt entstehen kann. In der Person des frischgebackenen Rechtsanwalts, der den Mörder verteidigt, gibt es auch eine moralische Komponente, auf man sich stützen kann. In Kowalskis sonnendurchflutetem Film gibt es nichts dergleichen. Seine Botschaft scheint zu sein: Das Böse ist immer und überall. Es ist in allem Leben und kann jederzeit ohne Grund hervorbrechen. Diese zutiefst pessimistische Sicht wird mit dem letzten Bild fast unerträglich: Nach der Tötung sitzen die beiden Jungs wortlos nebeneinander und schauen gelangweilt in die Gegend.
Unter der fortlaufenden und interessanten DVD-Kollektion Kino kontrovers ist hier ein Film veröffentlicht worden, der sich an ein kleines (hartgesottenes) Arthaus-Publikum richtet. Ich zähle mich dazu, doch würde ich mir den Film, zumindest in nächster Zeit, sicher nicht noch einmal ansehen!

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Traumstadt / Johannes Schaaf / Deutschland 1973 / 1 - 2
Seit drei Tagen folgt ein seltsamer Mann dem Künstler Florian Sand auf Schritt und Tritt. Der Fremde gibt sich schließlich als Agent für eine weit entfernt liegende Traumstadt zu erkennen und er will Florian als neuen Bewohner gewinnen. Dort könnte er ungehindert alle seine Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Der Fremde übergibt dem Künstler das Bildnis seines alten Schulfreundes Patera und einen Scheck. Bald darauf reist Florian mit seiner Frau Anna zur Traumstadt, wo ein Zwerg die Neuankömmlinge in Empfang nimmt. Zunächst erscheint das bunte Treiben neu und ungewöhnlich. Florian zeigt sich besonders von einer jungen Schönen fasziniert. Seltsam ist nur, dass er nicht zu seinem Freund Patera vordringen kann. Dann erleidet Anna einen Nervenzusammenbruch und immer mehr wird die Traumstadt ein heilloser Ort der Ausschweifung, der Verwüstung und des Untergangs.
Dürfte einer der schrägsten deutschen Spielfilme der 70er Jahre sein. Manchmal wirkt er etwas uneinheitlich, was daran liegen dürfte, dass Schaaf aus einer vierstündigen Fassung die Hälfte rausschneiden musste. Da das Material vernichtet wurde, ist ein Director's Cut ein frommer Wunsch für Cinéasten. Schade! Zumal er auch eine gewisse Ähnlichkeit mit den damaligen Werken von Werner Herzog hat.

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Viva Maria! / Louis Malle / Frankreich - Italien 1965 / 4 - 5

Maria, ein irisches Mädchen, verliert als Kind ihren Vater, der mit ihr zusammen für so manchen terroristischen Anschlag gegen die Engländer zuständig war. Auf ihrer Flucht lernt sie eine Frau kennen, die ebenfalls Maria heisst und als Tingeltangelsängerin in einem Zirkus arbeitet. Beide verbünden sich und geben sich fortan zwei Dingen hin: Der Revolution und dem Sex. In dem mittelamerikanischen Staat San Miguel zetteln sie einen Aufstand gegen die Diktatoren, das Miliätr und den Klerus an, den sie entgegen aller Aussichten gewinnen. Am Schluss treten sie in einer grossen Show in Paris auf.
Überwiegend sterbenslangweilige Parodie auf die Abenteuerfilme der 60er-Jahre. Dass sowas von Louis Malle kommt - eigentlich ein Garant für Qualitätskino! - ist schon sehr seltsam. Der Sexappeal der beiden französischen Superstars Brigitte Bardot und Jeanne Moreau kann auch nicht lange helfen. Der Humor wirkt aus heutiger Sicht häufig antiquiert und sorgte bei mir nur selten für Lacher.

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I guappi / Die Rache der Camorra / Pasquale Squitieri / Italien 1974 / 2

Nach einem Gefängnisaufenthalt wegen revolutionärer Umtriebe kehrt Nicola Bellizi 1891 in seine Heimatstadt Neapel zurück. Das Stadtviertel, in dem er lebt, wird vom Camorra-Mitglied Don Gaetano überwacht. Nach anfänglicher Gegnerschaft entwickelt sich zwischen Bellizi und Gaetano eine Freundschaft, obwohl Bellizi vom Wunsch beseelt ist, Anwalt zu werden. Dazu hilft ihm Don Gaetano, doch vorher muss Nicola der Vereinigung der Camorra beitreten, um danach unantastbar zu werden. Nicola folgt dem Rat seines Freundes, doch steigert sich bei ihm der Wunsch, Gerechtigkeit zu sprechen, nur noch mehr, was zu Problemen mit der Camorra führt.
Bevor Pasquale Squitieri zum postfaschistischen Politiker der Alleanza Nazionale wurde, machte er als Kommunist sozialkritische Filme. "I guappi" zeigt sehr genau die Strukturen auf, durch welche sich kriminelle Machenschaften etablieren können. Dies am Beispiel der aufstrebenden Camorra, der überforderten Justiz und einer Polizei, die eher in der Rache als im Gesetz Motive für die Ausübung ihres Berufs sieht. Letztlich wird eine Gesellschaft porträtiert, die lieber die Menschen tötet, die sich für sie einsetzen und die Menschen hofiert, die ihnen das Leben schwer machen. Wer einen Film ohne grosse Schießereien und Verfolgungsjagden, aber mit einer authentischen Darstellung des damaligen Lebens in Neapel sehen möchte und überdies einem überraschenden und pessimistischen Ende nicht abgeneigt ist, sollte sich den Film gönnen.

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Pre-Crime / Matthias Heeder, Monika Hielscher / Deutschland 2017 / 1 - 2
Eine Software, die voraussagt, wo und wann ein Verbrechen geschieht. Was nach einem Science-Fiction-Szenario im Stil von MINORITY REPORT klingt, ist in Städten wie Chicago, London oder München längst Realität. Ob wir gefährlich sind oder nicht, wird schon heute von Polizeicomputern entschieden. Big Data dient dabei als Quelle, die wir selbst kontinuierlich mit persönlichen Informationen füllen. Da, wo der Film CITIZENFOUR aufhört, geht PRE-CRIME einen Schritt weiter. Die Regisseure Monika Hielscher und Matthias Heeder stellen einige der brennendsten Fragen unserer Zeit: Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben für das Versprechen von absoluter Sicherheit? Und können wir uns auf das Urteil von Computern und Algorithmen wirklich verlassen?
Wer nach diesem Film noch WhatsApp, Facebook, Twitter, amazon, google etc. oder genrerell iPhones benutzt, ist selbst Schuld! Ich war und bin schockiert!

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

März 2019

Kino

Boy Erased / Der verlorene Sohn / Joel Edgerton / Australien - USA 2018 / 1 - 2
Erzählt wird die wahre Geschichte des achtzehnjährigen Jared, der in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten aufwächst. Als sein streng gläubiger Vater von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, drängt er ihn zur Teilnahme an einer Konversionstherapie. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter begleitet ihn zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbsternannter Therapeut Victor Sykes ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsproramm leitet.
Aus dem Film hätte man einen Horrorfilm machen können. Unter der Regie von Edgerton ist ein subtiles, anklagendes Drama geworden. Aber auch wenn der Vater von Jared und die Therapeuten kritisch beleuchtet werden, werden sie doch nicht als Monster dargestellt. In gewissen Momenten erscheinen auch sie als zweifelnde Menschen. Dass der Film trotzdem in die Knochen fährt, ist der Tatsache geschuldet, dass man sieht und sich sagt: Sowas kann doch eigentlich alles gar nicht wahr sein. Gab und gibt es wirklich so etwas wie Konversionstherapien für Menschen, die sexuelle Präferenzen haben, die eine dogmatische Lehre ablehnt? Offenbar muss das Zeitalter der Aufklärung noch länger Dienst leisten.
PS: Wow! Russell Crowe ist dick geworden und Nicole Kidman will einfach nicht alt werden.

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BR/DVD:

Cialo / Body / Malgorzata Szumowska / Polen 2015 / 1 - 2
Janusz ist Staatsanwalt in Warschau. Bei Verbrechen untersucht er die Tatorte und nimmt die Einzelheiten für die weiteren Ermittlungen auf. Vor sechs Jahren starb seine Frau Helena. Seitdem leidet ihre Tochter Olga an Magersucht. Janusz bringt sie in einem Krankenhaus unter. Dort arbeitet die Therapeutin Anna mit einer Gruppe magersüchtiger Mädchen.
Seit dem Tod ihres eigenen halbjährigen Sohnes kann Anna Verbindungen zu Toten herstellen und Botschaften überbringen. Mit dieser Fähigkeit hat sie verschiedenen Leuten geholfen, den Tod von Angehörigen seelisch zu verarbeiten. Sie spricht auch mit Olga darüber. Ihr Vater sieht das sehr kritisch und ersucht den behandelnden Arzt, Anna als Therapeutin zu ersetzen.
Als auf einem Blatt Papier in einer Schublade in Janusz’ Wohnung ein Text auftaucht, von dem Janusz annimmt, er sei von seiner verstorbenen Frau, bittet er Anna um eine Sitzung. Bei dieser Sitzung soll über Anna als Medium eine Verbindung zu Helena aufgebaut werden. Dies misslingt. Olga gibt zu, den Text geschrieben zu haben.
In der letzten Szene lächeln sich Janusz und Olga über den Tisch hinweg an.


Ein wunderbares fein-ironisches, leicht unheimliches Drama mit dezent komödiantischen Einsprengseln. Hervorragend gespielt und in grandiose Bilder getaucht!

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The Party's Over / Guy Hamilton (uncredited) / Grossbritannien 1965 / 1 - 2

Die junge Amerikanerin Melina fühlt sich zu einer Grupper Londoner Beatniks hingezogen und verbringt die Zeit mit ihnen in einer Art endlosen Party. Moise, der Anführer der Beatniks, wirft ein Auge auf sie, doch weist sie ihn konsequent zurück. Als Melina an einer Party durch den Sturz von einer Treppe stirbt, glauben ihre Freunde zuerst, sie sei komplett high, während Carson, der Verlobte Melinas, aus Amerika anreist, um sie zu suchen. Doch wird er von den Beatniks komplett in die Irre geführt.
Ein zwiespältiger, aber sehr interessanter Film. Auf den ersten Blick scheint er seinen kritischen Fokus auf eine Jugend zu richten, die nichts als Hedonismus im Kopf hat und nicht selten wie Zombies wirkt. In der Tat zeigt der Film kaum ältere Menschen oder autoritäre Strukturen. Die Gruppe der Beatniks scheint sich komplett in ihrer Welt zu bewegen... ohne Wünsche, ohne Bezugspunkte. Der Vater Melinas, der gegen Ende der Geschichte in London auftaucht, erscheint zunächst sehr autoritär. Ein Machertyp, der früh eine eigene Firma gründete und in Carson seinen künftigen Schwiegersohn sieht, dem er Geschäft und Tochter hinterlassen kann. Doch im Gegensatz zu Carson bricht er nach dem Tod seiner Tochter zusammen. Als Carson sich weigert, mit ihm nach Amerika zurückzukehren, sind seine Träume zerschmettert. Auf die Frage, was er nun machen wird, weiss Carson keine Antwort und gliedert sich damit in die Gruppe der Beatniks ein. Nur Moise, der zynische Anführer der Beatniks, scheint am Schluss zumindest eine kleine Wandlung durchgemacht zu haben. Wobei selbst das nicht sicher ist.
Ein sehr schön gemachter Film, düster und nicht sehr angenehm von seiner Geschichte her. Ob ich seine Tendenz gut finde, weiss ich allerdings nicht.

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La haine / Hass / Mathieu Kassovitz / Frankreich 1995 / 1 - 2
In den tristen Sozialbausiedlungen der Pariser Vororte brechen Unruhen aus, nachdem ein 16-jähriger Araber von der Polizei fast zu Tode geprügelt wurde. Nach einer Nacht voller Gewalt zwischen Jugendlichen und der Polizei herrscht Ausnahmezustand. Getrieben von Hass gegen das System stehen die Freunde Hubert, Said und Vinz an vorderster Front, an einem Tag, der ihr Leben verändern wird.
Starkes Sozialdrama. Mitte der 90er-Jahre konnte ich nicht viel damit anfangen. Zeigt sehr gut die Strukturen auf, die zum gewaltätigen Verhalten junger Männer führt. Von den jungen Schauspielern Vincent Cassel, Hubert Koundé und Saïd Taghmaoui in ihrem konsequent ener­vie­renden Verhalten toll gespielt.

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The 14 / David Hemmings / Grossbritannien 1973 / 1

In einer heruntergekommenen Gegend im Londoner East End lebt eine allein erziehende Mutter mit ihren vierzehn Kindern. Als die Mutter plötzlich stirbt, sind die Waisen auf sich allein gestellt. Als auch noch die Wohnhäuser in ihrer Strasse abgerissen werden sollen, ruft das die Fürsorgebehörde auf den Plan. Die Kinder sollen getrennt in Erziehungsheimen oder bei Pflegefamilien unterkommen. Fortan haben die Sozialarbeiter alle Hände voll zu tun, denn die Kinder setzen alles daran, zusammen bleiben zu können.
Einer der schönsten Filme der letzten Zeit. Trotz seines Themas wirkt er nie kitschig, ist dafür äusserst rührend. Dass er nicht zu einem bitter ernsten Drama wurde, liegt nicht nur an den Kindern, die in ihrer natürlichen Fröhlichkeit den Film dominieren, sondern auch an der tollen Filmmusik, die die Musik von Bach in Synthesizer- und Rockthemen variiert. Alle Achtung vor dem Schauspieler David Hemmings, der hier als Regisseur mit seinem jungen Cast bestimmt ganz schön Arbeit hatte und teilweise wohl an seine nervlichen Grenzen gekommen ist. Alles in allem ein wunderbar erzähltes Sozialdrama mit einer extremen 70er-Atmosphäre. Ein Dank auch an denjenigen (KeyzerSoze?), der die Idee mit den Top 10-Listen hatte. Ohne diese Idee wäre ich wohl nie in der „imdb Released between 1973-01-01 and 1973-12-31-Liste“ in den hinteren Seiten auf „The 14“ gestossen. Denke, es werden noch viele weitere Filme folgen, die ich nur dank der Top-Listen entdecken werde.

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The Sadist / Todesangst / (Der Mittagsmörder) / James Landis / USA 1963 / 2 - 3

Zwei Lehrer und eine Lehrerin sind auf dem Weg nach Los Angeles, um sich ein Baseballspiel anzusehen. Als ihr Auto plötzlich Probleme macht, finden sie sich bei sengender Hitze auf einem Schrottplatz wieder, der scheinbar komplett verlassen ist. Im angrenzenden Haus finden sie einen gedeckten Frühstückstisch vor. Schon bald merken sie, dass hier etwas nicht stimmt. Auf einmal steht ein junger Mann mit seiner Freundin vor ihnen. Dass der Mann eine Pistole in der Hand hält und ein äusserst merkwürdiges Verhalten an den Tag legt, lässt das Schlimmste befürchten. Ein makabres Spiel beginnt, bei dem fast alle ihr Leben verlieren.
Ein für seine Entstehungszeit ziemlich krasser Thriller, der vor allem im letzten Drittel arg an der Spannungsschraube dreht. Die schauspielerischen Leistungen sind, wenn man von Arch Hall Jr. als Psychopath mal absieht, eher bescheiden. Dafür ist die Kameraarbeit vom jungen Vilmos Zsigmond recht stark. Eine fiese, kleine Produktion, die einen unangenehmen Geschmack zurücklässt.

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Die endlose Nacht / Will Tremper / Deutschland 1963 / 2

Dicker Nebel Über dem Flughafen Berlin-Tempelhof verhindert den gesamten Flugverkehr mindestens bis zum nächsten Morgen. Die Passagiere sind gestresst, wissen nicht weiter und müssen schliesslich die ganze Nacht im Flughafengelände verbringen. Die unterschiedlichsten Menschen treffen aufeinander, wechseln Worte, trennen sich wieder. Als am nächsten Morgen das Flugfeld wieder geöffnet wird, endet für die meisten eine seltsame und ernüchternde Zeit.
Ein in schöne Schwarz-Weiss-Bilder getauchter Streifen, der sich wohl vom allermeisten, was damals in Deutschland produziert wurde, abhebt. Peter Thomas schrieb einen tollen und atmosphärischen Soundtrack dazu. Die Story der low-budget-Produktion wurde überwiegend improvisiert, da kein fertiges Drehbuch vorhanden war. Dies hat dem Film in keinster Weise geschadet.

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Einer von uns beiden / Wolfgang Petersen / Deutschland 1974 / 2

Der heruntergekommene Student Bernd Ziegenhals entdeckt durch einen Zufall, dass die Doktorarbeit seines ehemaligen Professors Kolczyk eins zu eins von einem unbekannten amerikanischen Wissenschaftler kopiert wurde. Darin sieht Ziegenhals eine Chance, seinem elenden Leben zu entkommen und beginnt damit, Kolczyk zu erpressen. Dieser geht zuerst auf den Deal ein, setzt sich aber mehr und mehr zur Wehr, so dass sich eine unheilvolle Spirale zu drehen beginnt, die letztlich nur Opfer zurücklässt.
Ein kühler und düsterer Kinodebütfilm von Petersen. Alle Achtung vor dem Versuch, sich ein wenig an das New Hollywood-Kino anzulehnen. Das Psychoduell wird von Klaus Schwarzkopf und Jürgen Prochnow unerbittlich gespielt. Sehenswert auch durch den rauhen 70er-Charme.

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Viele kamen vorbei / Peter Pewas / Deutschland 1956 / 1 - 2

Sabine möchte mit Jochen Urlaub machen. Da beide im Teenageralter sind, möchten Sabines Eltern dies verhindern, weil sie gewisse Vermutungen hegen. Doch Sabine reist aus und folgt Jochen per Anhalterin. Die beiden Chauffeure, bei denen sie mitfahren kann, freuen sich, die junge Frau mitnehmen zu können. Unterwegs nehmen sie auch einen kränklich wirkenden Mann mit. Bei einer Abzweigung verlassen die beiden Anhalter den Lastwagen, um durch einen Wald auf ihr Ziel zuzuwandern. Der Mann entpuppt sich plötzlich als ein gesuchter Sexualverbrecher und Serienmörder, der es auf Sabine abgesehen hat, weil diese ihn an sein letztes Opfer erinnert.
Ein, gerade im Hinblick auf sein Entstehungsjahr, extrem seltsamer und mutiger Film. In einem Jahr, in dem in Deutschland wohl vorwiegend Filme wie Sissi oder Wo die alten Wälder rauschen produziert und geschaut wurden, kommt hier ein Peter Pewas daher und schafft trotz schwierigen Produktionsverhältnissen und wenig Geld ein kleines Meisterwerk, das zwischen Poesie und Thriller schlingert. Die Kamera fängt höchst suggestive Schwarz-Weiss-Bilder ein. Die Erzählweise der drei unterschiedlichen Protagonisten ist ebenso interessant wie die Filmmusik, die dem Streifen eine besondere und atmosphärische Stimmung verleiht. Inhaltlich nichts besonderes, von der Machart her klasse! Einzig die Erzählstimme, die die Handlungen und Personen kommentiert, wäre nicht nötig gewesen. Einer der sehenswertesten und interessantesten deutschen Filme der 50er Jahre! Ein unbedingt Tipp!

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Dementia / John Parker / USA 1955 / 2

Eine junge Frau erwacht aus einem Alptraum in einem heruntergekommen Hotel in einer Stadt. Sie verlässt das Hotel, begegnet bedrohlich wirkenden Männern. Ein Betrunkener will ihr Alkohol aufzwingen. Ein Polizist verprügelt ihn. Die Frau flüchtet und wird von einem gut gekleideten Mann angesprochen und schliesslich zu einer Limousine geführt. Sie steigt ein und sitzt neben einem reichen Mann, der sie kaum zu beachten scheint. Während der Fahrt denkt sie an ihre Eltern. Ihren Vater ersticht sie, nachdem dieser die Mutter erschiesst. Der reiche Mann zieht mir ihr durch Restaurants und Bars. In seinem Apartment drängt er sich ihr schliesslich auf. Sie ersticht ihn und stösst ihn durch das Fenster in die Tiefe. Als sie das Apartment verlässt, stehen Menschen um den Toten herum. Sie tragen alle Strumpfmasken. Die junge Frau sieht, dass der Tote ihren Schmuckanhänger in der Hand hält. Es gelingt ihr nicht, diesen aus seiner Hand zu lösen, so dass sie ihm die Hand abschneidet. Auf der Flucht durch die dunklen Strassen der Stadt wird sie von einem Polizisten verfolgt, der das Gesicht ihres Vaters trägt. Sie will sich in einem Jazzkeller verstecken, wo sie dem gut gekleideten Mann wieder begegnet. Als die Polizei in den Jazzkeller eindringt, sieht sie den toten Mann am Fenster hocken, der mit seinem Armstumpf auf sie zeigt. Die Konzertgäste kreisen die junge Frau ein, zeigen auf sie und lachen, während sie immer näher kommen...
Ein Film, der ganz ohne Dialoge auskommt und nur Musik und Geräusche einsetzt. Er wirkt wie ein expressionistischer Stummfilm und eine Mischung aus Avantgarde und 50er B-Movie. Überdies könnte er als Vorbild für Lynchs Eraserhead gedient haben. Schade, dass solche Streifen nicht in besserer Qualität auf BR oder DVD zu haben sind.

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Man on a Swing / Der Mann auf der Schaukel / Frank Perry / USA 1974 / 1 - 2

Der Kommissar Lee Tucker steht vor einem Rätsel, nachdem eine junge Frau ermodet in einem Auto vor einem Supermarkt aufgefunden wird. Da bietet ihm ein Hellseher namens Franklin Wills Hilfe an. Dieser scheint viele Details des Mordes zu kennen, ohne dass diese Details je veröffentlicht wurden. Tucker bleibt misstrauisch, auch weil Wills eine Überprüfung seiner okkulten Fähigkeiten nicht besteht. Als Tucker und seine schwangere Frau von nächtlichen Anrufen und Klopfgeräuschen an seiner Haustür bedrängt wird, fällt der Verdacht mehr und mehr auf Wills. Schliesslich wird eine zweite junge Frau tot aufgefunden...
Ein Mystery-Thriller ohne Gewalt und Action, der manchmal gespenstische Züge annimmt und die Zuschauer in eine Rolle zwischen nüchterner Aufklärungsarbeit und Esoterik zwingt. Eine Paraderolle für den hervorragenden Joel Grey als Franklin Wills, der mit seinem unvorhersehbaren Verhalten den Film auf beunruhigende Art und Weise dominiert. Auf der anderen Seite steht Cliff Robertson als Kommissar, der selten Gefühlsregungen zulässt und Wills, von dem er angezogen und abgestossen zugleich ist, beobachtet. Dies alles und die merkwürdige Schlussszene machen den Film vor allem sehr spannend! Eine vergessene Perle!

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The Uncle / Der Onkel / Desmond Davis / Grossbritannien 1965 / 1 - 2

Der siebenjährige Gus leidet darunter, dass er in seinem Alter bereits Onkel ist. Als sein Neffe Tom zu Besuch kommt, um mit der Familie den Sommer zu verbringen, geht eine Zeit der Unruhe los, in welcher Gus mit vielen Fragen ans Leben ebenso konfrontiert wird, wie mit dem Tod.
Ein endsympathischer und äusserst charmanter Kinderfilm, der seine quirligen DarstellerInnen ernst nimmt und trotz der Fülle seiner Themen lebensfroh und leicht bleibt. Desmonds Regie ist ganz dem Blick der Kinder verpflichtet, durch welchen die Welt noch voller Wunder ist, die es zu entdecken gilt. Ein Film aus einer längst vergangenen Zeit, als die Kinder draussen noch Cowboy und Indianer spielten, als es noch die gute alte Pausenhofrangelei gab und man nicht sofort beim Schulpsychologen antraben musste, wenn man einem Schulkameraden ein Bein gestellt hatte. Diese Atmosphäre der naturbedingten Fröhlichkeit von Kindern fängt der Film ebenso schön ein, wie das Geheimnis aus kindlicher Sicht, was wohl körperliche Anziehung, Geburt und Tod bedeuten.

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Duffer / Joseph Despins, William Dumaresq / Grossbritannien 1972 / 2 - 3

Der junge Duffer ist hin und her gerissen zwischen dem älteren Louis-Jack, mit dem er eine Beziehung zwischen Freundschaftlichkeit und sadistischen Spielen führt und der Prostituierten Your Gracie, die ihn äusserst liebevoll behandelt. Als Duffer von Louis-Jack vergewaltigt wird, besteht dieser darauf, dass Duffer ein Kind austragen muss, worauf er auf der Strasse eines stiehlt. Es ist ihm allerdings nicht klar, ob er einem Mädchen eine Kinderpuppe entrissen oder tatsächlich einer Frau ihr Baby entführt hat.
Eine extrem bizarre Story über einen offensichtlich geistig verwirrten jungen Mann, dessen Leben vorwiegend in den Räumen seiner beiden Beziehungspersonen abspielt. Draussen scheint die Welt still zu stehen oder es spielen sich apokalyptische Szenen ab. Atmosphärisch erinnert der Film dabei an die Frühwerke von David Lynch. Es ist bald auch nicht mehr klar, was sich im Kopf des Protagonisten abspielt und was wahr ist. Es gibt zwar gesprochene Dialoge, diese hört man aber nie, weil die ganze Story über einen Off-Text gesprochen wird. Der Film, obwohl als Aussenseiter-Dokument aus dieser Zeit sicher interessant, hat ebenso zumindest teilweise das Potential, auf die Nerven zu gehen.


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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

April 2019

Kino

The Old Man & the Gun / Ein Gauner & Gentleman / David Lowery / USA 2018 / 2

Siehe Onkel Wolfes Kommentar zum Film.
Mit der einzigen Ausnahme, dass ich den Film im Original-Ton gesehen, bzw. gehört habe.


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BR/DVD:

Home Before Dark / Bevor die Nacht anbricht / Mervyn LeRoy / USA 1958 / 2 - 3

Charlotte Bronn kommt nach einem Jahr in einer psychiatrischen Klinik in ihre gewohnte Umgebung zurück. Ihr Mann Arnold ist emotional distanziert. Ihre Stiefschwester Joan hat sie nach wie vor im Verdacht, ein Verhältnis mit Arnold zu haben. Und die Mutter Joans nervt mit ihrer Überfürsorglichkeit. Nur der neue Untermieter Jake Diamond, ein Lehrerkollege von Arnold, scheint ihr wohlwollend und unvoreingenommen gegenüber zu stehen. Bereits nach kurzer Zeit kommt Charlotte wieder in das gleiche Fahrwasser und die Verdächtigungen gegenüber ihrem Mann und ihrer Stiefschwester scheinen sich zu bewahrheiten...
Der Film ist ein recht typisches Herz-Schmerz-Drama der damaligen Hollywood-Zeit und zieht sich mit seinen zweieinviertel Stunden doch arg in die Länge. Das melodramatische Underscoring stört wie üblich. Gemacht ist er hingegen gut und die wunderschöne Jean Simmons zeigt in der Titelrolle eine grossartige Leistung.

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The Moon Over the Alley / Joseph Despins / Grossbritannien 1976 / 2

Im Londoner Stadtteil Notting Hill sollen Häuser abgerissen werden. Auch jenes der resoluten Sybil und ihrem Mann, in welchem sie Wohnungen an verschiedene Untermieter vermieten. Die Mieterschaft besteht aus einem jamaikanischen Paar mit einem neugeborenen Kind, einem total zurückgezogenen alten Mann, der ein merkwürdiges Interesse an kleinen Mädchen hat, einem Iren, der in einer Bar arbeitet und seine Verlobte nicht verlieren will und einem jungen Mann aus Kalifornien, der für einen kleinen Raum unter der Treppe viel Mietgeld bezahlt, damit er in London wohnen kann, da er Musiker werden will und die Singer-Songwriter-Szene seiner Meinung nach in England ihre Hochblüte hat. Währenddem zieht ein obdachloses Paar singend durch die Gegend und schläft jeweils in der kleinen Gasse neben dem Miethaus. Aber nicht nur friedliche Hippies ziehen singend durch London, auch eine gewalttätige Jugendgang macht die Strassen unsicher. Als sie den alten Mann beobachten, wie dieser einem Mädchen Süssigkeiten anbietet, verfolgen sie ihn und prügeln in einer dunklen Strasse so auf ihn ein, dass er kurz darauf verstirbt. In derselben Nacht lauert die Gang auch einem jungen Teenagerpaar auf, das erste Liebeserfahrungen sammeln will. Das Mädchen wird vergewaltigt, der Junge übel zugerichtet, dass er ein Auge verliert. Am Schluss sieht man, wie das Miethaus abgerissen wird.
Das seltsamste Musical, das ich jemals gesehen habe. Teilweise verstörend und düster, aber auch traumwandlerisch und sanft, voller Sympathie für seine merkwürdigen, durchs Leben treibenden Menschen. Atmosphärisch und geheimnisvoll, aber auch nüchtern und der Realität verpflichtet, gibt der Film eine Mischung ab, die sicher nicht für jedes Publikum geeignet ist. Ein Film, wie er nur aus den 70ern kommen konnte. Die Songs von Galt MacDermot wirken wie ein Nachklang auf sein Hauptwerk "Hair".

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Eine flexible Frau / Tatjana Turanskyj / Deutschland 2010 / 1 - 2

Die 40-jährige Greta, studierte Architektin und Journalistin, hat ihren Job in einem Architekturbüro verloren. Auch ihren Job in einem Callcenter verliert sie nach kurzer Zeit, weil sie nicht den erwünschten Erfolg bringt. Ihr 12-jähriger Sohn wendet sich von ihr ab, da er nicht mir Losern abhängen will. Nach und nach verliert Greta den Boden unter den Füssen und driftet ziellos durch Berlin, als Begleitung der Alkohol...
Ein arg ätzend-satirischer Abgesang auf die Ausschweifungen des Neoliberalismus und seinen Folgen für die einzelnen Menschen: Man ist höflich und freundlich in seiner kühlen Distanziertheit. Sätze wie "Wir müssen Ihnen kündigen" werden durch "Ich glaube, wir sollten uns trennen" ersetzt und mit einem gebleachten Lächeln unterstrichen. Berufsberaterinnen und Angestellte der Arbeitsämter wissen längst um die Sinnlosigkeit ihres Berufs und verlieren sich in hohlen Phrasen des Mutmachens. Die Gen­t­ri­fi­zie­rung der Stadt schreitet voran, doch die BewohnerInnen verstecken sich hinter der ökologischen Qualität der neuen Stadtgebiete. Männer möchten die Schuld an der Misere der Feminisierung der Arbeitswelt geben. Eine akademische Ausbildung ist längst kein Garant mehr für ein gutes Leben, so dass vom akademischen Prekariat gesprochen werden kann. Turanskyjs Filmform ist eher dem Experimentalfilm gewidmet. Der lakonische Humor überwiegt dabei den bitteren Beigeschmack, den die Demütigungen Gretas verursachen. Auch hervorragend gespielt!
Richtig wie auf der Rückseite der DVD beschrieben: Eine ungewöhnliche Mischung aus Stadt- und Frauenporträt, postdramatischem Diskursfilm und feministischem Drama, Arbeiterinnen-Comedy und Prekariatstragödie.

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Tower of London / Der Massenmörder von London / Roger Corman / USA 1962 / 2

England 1483: König Edwards IV. liegt im Sterbebett. Sein Bruder Richard, Herzog von Gloucester, versucht mit aller Macht, die Krone an sich zu reissen. Dabei zieht er eine Blutspur hinter sich her, in dem er alle Menschen, die ihm im Weg stehen, umbringt oder umbringen lässt. Als ihn die Geister der Ermordeten besuchen, verfällt Richard langsam dem Wahnsinn, bis er schliesslich in der Schlacht von Bosworth die Erfüllung seines vorhergesagten Schicksals findet.
Corman kommt mit diesem wunderbar ausgestatteten Film nicht an seine zur gleichen Zeit entstandenen Edgar Allan Poe-Verfilmungen heran. Das liegt auch daran, dass "Tower of London" nicht nachvollziehbar in Schwarz-Weiss gedreht wurde. Obwohl ich Schwarz-Weiss-Filme liebe, passt das hier überhaupt nicht. Vincent Price setzt mit seinem ex­al­tierten Overacting ein paar starke Akzente.

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Me, Natalie / Ich, Natalie / Fred Coe / USA 1969 / 2 - 3

Als Kind wird Natalie Miller von ihren Klassengefährten Clownface genannt. Sie glaubt ihrer Mutter auch nicht, die ihr sagt, dass aus hässlichen Entlein schöne Schwäne werden. Als junge Erwachsene sieht es für sie nicht besser aus. Sie hat eine etwas zu grosse Nase und hervorstehende Zähne, so dass die schönen Boys natürlich alle auf Natalies Freundin Betty stehen, ein blonder und begehrter cheerleader. Vertrauen hat Natalie eigentlich nur in ihren Onkel Harold, der ihr ehrlich zugeneigt ist und sie Princess nennt. Harold macht ihr klar, dass die äussere Schale nicht das ist, was im Leben zählt. Als er eines Tages an einem Familienessen mit einer üppigen Go-go-Tänzerin auftaucht, die er heiraten will, ist Natalie von ihm enttäuscht.
Ihre Eltern versuchen derweil alles, um ihre Tochter unter die Haube zu bringen. Irgendwann hat Natalie genug und zieht nach Greenwich Village in ein Apartment. David Harris, der gutaussehende Architekt und Maler, der unter ihr wohnt, scheint sich für sie zu interessieren. Bald beginnen die beiden ein Verhältnis, bis Natalie entdeckt, dass David verheiratet ist und zwei Söhne hat.
Ein Film mit eigentlich grossem dramatischen Potential, der allerdings durch das Drehbuch und die quir­lige Patty Duke (die ich seit ihrer ungeheuerlichen Vorstellung in "The Miracle Worker" sehr gerne sehe) in der Hauptrolle mehr ins Komödienhafte neigt. Dabei gibt es neben vielen Clichés auch einige äusserst interessante Punkte: Natalie Miller wird nicht (nur) als Opfer inszeniert. Auch negative Aspekte ihrer Person kommen zum Vorschein: Sie scheint kaum Empathie für andere Menschen zu haben. An einer Tanzveranstaltung wimmelt sie, nachdem sie von einem Machotypen (Al Pacino für ein paar erste Sekunden auf der Leinwand) gedemütigt wurde, einen übergewichtigen jungen Mann mit den Worten ab, dass sie nichts mit Losern zu tun haben will. Zwar hat sie anschliessend ein schlechtes Gewissen, eine Entschuldigung bleibt aber aus. Als ihr geliebter Onkel Harold stirbt, empfindet sie keine Trauer. Ihre unterdessen schwangere Freundin Betty heiratet in der Kirche einen jungen Mann, der nicht der Vater des Kindes ist. Es scheint eine arrangierte Hochzeit zu sein. Beide wirken unglücklich. Natalie merkt das zwar, verlässt die Kirche aber, ohne ein Wort an ihre Freundin zu richten. Zwischendurch fragte ich mich, ob wir hier eine kleine Asperger vor uns haben, die nur ihre eigenen Gefühle wahrnimmt, oder ob Natalie einfach ein sehr oberflächlicher und unreifer Charakter ist, wobei ich gar nicht das Gefühl hatte, dass das die Absicht des Drehbuchs war.
Es gibt ganz grossartige Szenen, von welchen ich gerne mehr gesehen hätte: Da sind die wenigen Augenblicke, in denen Onkel Harold (wunderbar in der Rolle: Martin Balsam!) seiner Nichte mit Gleichnissen klar zu machen versucht, dass die äussere Schale nur ein Aspekt des Menschen ist und das es Wichtigeres gibt. Da gibt es auch die Gänsehaut-Szene, in der Natalie in einer einer Go-go-Bar auf Shirley Norton trifft, die Frau, die ihr Onkel heiraten wollte. Shirley gibt Natalie eine kleine Lektion über die wahren Werte im Leben. Doch solche Szenen sind rar. Drehbuch und Regie entschieden sich dann doch lieber für einen leichtfüssig-unterhaltsamen Film mit viel 60ies-Charme, über den sentimentale (und schön anzuhörende) Songs von Henry Mancini geträufelt wurden.
Zwar gibt die Geschichte am Ende Natalie eine gewisse Freiheit und Selbstachtung zurück - eigentlich wollte sie mit David Harris zusammenbleiben. Doch nachem sie ein Foto von ihm und seinen Söhnen findet, packt sie ihre Sachen und fährt mit ihrem Roller davon - doch bleibt der Eindruck zurück, dass "Me, Natalie" vielleicht unter anderer Regie mehr hätte werden können.
Ich wollte den Film mögen. Es ist mir nicht durchgehend gelungen.

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The End of the Affair / Das Ende einer Affaire / Edward Dmytryk / Grossbritannien 1955 / 1 - 2

London im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs: Der amerikanische Schriftsteller Maurice Bendrix möchte ein Buch über die „Pflicht der Beamten im Krieg“ schreiben. Bei seiner Recherche lernt er Sarah Miles, die Frau des hohen Staatsbeamten Henry Miles, kennen. Eine Affäre zwischen Bendrix und Sarah beginnt, von der sich beide mehr erhoffen. Eines Abends, als Sarah Maurice in seiner Wohnung besucht, beginnen Sirenen zu heulen und kurz darauf trifft eine Bombe das Haus. Als Bendrix unter Trümmern begraben wird und Sarah ihm nicht helfen kann, spricht sie ein Gebet, obwohl sie nicht gläubig ist. Maurice kann sich befreien und steht plötzlich vor ihr, die nicht fassen kann, dass er überlebt hat. Sie bricht den Kontakt zu ihm ab, was Maurice nicht verstehen kann. Er beginnt, Verdacht zu schöpfen.
Ein Jahr später ist der Krieg aus. Bendrix kommt nach London zurück und begegnet zufällig Henry Miles. Dieser gesteht ihm verzweifelt, dass er befürchtet, seine Frau sei ihm untreu. Bendrix heuert einen Detektiv an, der Sarah überwacht. Ein paar Tage darauf bringt der Detektiv Maurice das Tagebuch der Überwachten. Dort liest Bendrix völlig aufgelöst über die Liebe von Sarah zu ihm und dass sie an dem Tag, als die Bombe auf sein Haus fiel, Gott ein Gelübde gemacht hat: Sie würde auf Maurice verzichten, wenn er ihn retten würde. Bendrix versucht, wieder Kontakt zu Sarah aufzunehmen, doch das Unheil nimmt seinen Lauf...
Sehr ernster und ziemlich düsterer Film von einiger Tiefe. Mit einem für diese Zeit wohl eher ungewöhnlichen Ende. Leider schneidet der Film die Gespräche zwischen Sarah Miles und Richard Smythe, einem Priester, der selber an Gott zweifelt, nur an. Könnte sein, dass dies in der Vorlage von Graham Greene besser vertieft wird.
Sehr interessant: Peter Cushing als sanfter, verzweifelnder und schwacher Ehemann Henry Miles. Einmal mehr grandios: Die wunderschöne Deborah Kerr in der Hauptrolle!

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The PianoTuner of EarthQuakes / Der Klavierstimmer der Erdbeben / Stephen Quay, Timothy Quay / Grossbritannien - Deutschland - Frankreich 2005 / 2

Die Opernsängerin Malvina van Stille wird kurz vor ihrer Hochzeit mit Adolfo Blin auf der Bühne von Dr. Emmanuel Droz ermordet. Droz überführt den Leichnam in seine Klinik, welche in einer Phantasiewelt zu stehen scheint, und wiederbelebt ihn dort. Malvina soll in einer Aufführung spielen, die ihre Entführung nachbildet. Zur selben Zeit kommt der Klavierstimmer Don Felisberto Fernandez, der wie eine Kopie von Adolfo Blin aussieht, in die Welt von Dr. Droz. Er soll sieben Musikautomaten reinigen und instand setzen, da sie für die kommende Aufführung von höchster Wichtigkeit sind. Assumpta, die Managerin der Klinik, überwacht seine Arbeit, scheint ihm aber auch erotische Signale auszusenden. Auch taucht immer wieder Dr. Droz mit einer Gruppe merkwürdiger Gärtner auf...
Ein im höchsten Masse stilisierter und ar­ti­fi­zi­eller Traumfilm von wunderbarer Atmosphäre und dazu passendem Soundtrack. Da er sich rational nicht gut erfassen lässt, erwirkt er eine Sogwirkung, der man sich nicht lange entziehen kann und sich plötzlich in der Fantasiewelt der Gebrüder Quay treiben lässt.

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Lunch Hour / James Hill / Grossbritannien 1962 / 2

Eine junge Frau, die kürzlich die Kunstschule als Designerin abgeschlossen hat, erhält eine Stelle in einer Firma für Tapetenherstellung. Dort beginnen ziemlich schnell die Männer ein Auge auf sie zu werfen. Einem jungen Mann aus dem mittleren Management, der verheiratet und eigentlich eher schüchtern ist, gelingt es, eine Affäre mit ihr aufzubauen. Doch wo sie sich auch verabreden - im Museum, im Kino, auf einem Hochhaus, in einem Café - überall wird ihr Stell­dich­ein gestört. Schliesslich bucht der Mann ein Zimmer für eine Stunde in einem kleinen Hotel. Der Dame, die das Hotel führt, erzählt er eine erfundene Geschichte von seiner Ehefrau, die extra von Scarborough nach London reist, um sich mit ihm auszusprechen. Doch als sich die beiden frisch Verliebten endlich allein im Hotelzimmer glauben, erscheinen neue Probleme: Die Heizung funktioniert nicht und die Hotelführerin kommt immer wieder vorbei und fragt, ob alles in Ordnung ist. Als der junge Mann immer mehr phantasievolle Beschreibungen seiner Ehe erfindet, zieht die Hotelführerin zufrieden davon, doch die junge Frau beginnt nun plötzlich auf dieser Phantasie aufzubauen und verstrickt ihren Partner in allerlei schwierige Ausflüchte, so dass es über diese Phantasie zu einem "Ehe"streit kommt. Die Stunde vergeht und am Ende gehen die beiden getrennt an ihren Arbeitsort zurück. Während der junge Mann traurig und verwirrt wirkt, sitzt die junge Frau lächelnd vor ihrer neuen Arbeit an einer Blumentapete.
Endsympathischer New Wave British cinema-Film mit einer sinnlichen Shirley Anne Field in der Hauptrolle und einem wunderbar melancholischen Robert Stephens als ihr Partner. Nicht nur Komödie, wechselt der Film im zweiten Teil in seine dramatische Hälfte, ohne allerdings je seine Leichtfüssigkeit zu verlieren. Er hat durchaus auch Ähnlichkeiten zum französischen Nouvelle Vague-Kino, welches kurz vorher die Filmlandschaft erweiterte. Das Ende ist schon eine ziemliche Überraschung, obwohl es so unscheinbar erscheint. Die junge Frau identifiziert sich dermassen mit der Rolle als Ehefrau, dass sie es doch lieber vorzieht, der Lunch Hour-Beziehung eine Ende zu setzen und ihre Freiheit zu behalten.

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Annihilation / Auslöschung / Alex Garland / USA - Grossbritannien 2018 / 3
Vor drei Jahren erschütterte ein mysteriöses Ereignis das Gebiet, das jetzt als Area X bekannt ist. Abgeschnitten von jeglicher Zivilisation begräbt die Natur die spärlichen Überreste menschlicher Kultur unter sich. Die geheime Regierungsorganisation „Southern Reach“ ist dafür zuständig, herauszufinden, was in Area X vorgefallen ist und was nun hinter der unsichtbaren Grenze geschieht. Mehrere Expeditionen sandte Southern Reach in das kontaminierte Gebiet - nur der Soldat Kane kam lebend zurück. Ein neues Team bestehend aus den Wissenschaftlerinnen Lena, Anya Thorensen, Cass Shepard, Josie Radek und Leiterin Dr. Ventress soll nun endgültig die Geheimnisse der Region lüften – das Gebiet kartographieren, Flora und Fauna katalogisieren und die Beobachtungen dokumentieren. Doch sind es nicht nur die Mysterien von Area X, sondern die Geheimnisse der Frauen untereinander, die die Expedition gefährden...
In ihrem intellektuellen Anspruch eher enttäuschende, dafür umso prätentiösere Mischung aus Horror- und Science Fiction-Film. Es gibt wunderschöne, äusserst phantasievolle Bilder, diese können jedoch die sogenannten Plot Holes der Geschichte nicht verbergen. Nur zwei Beispiele von mehreren: Area X gilt als kontaminiert. Die Menschen, die das Gebiet untersuchen sollen, werden ohne Masken und Schutzkleidung hineingeschickt. Zwar wird die Gruppe der fünf Wissenschaftlerinnen einmal als Suicide-Gruppe bezeichnet, aber es ist ja nicht der Sinn, dass sie sich dort umbringen, sondern Proben sammeln und das Areal erforschen.
In einem Sumpfgebiet werden die Frauen von einem grossen Alligator angegriffen. Nach dessen Tötung paddeln sie in zwei kleinen Booten ganz cool durch das Wasser. Wer würde sowas tun?
Auch der Schluss im Leuchtturm ist einmal mehr total übertrieben. Die visuelle Überwältigung lässt logische Brüche und die enttäuschende Auflösung nicht vergessen.
Dass der Film überwiegend ruhig ist, ist sehr schön. Ein paar widerliche Szenen stören darin umso mehr, als sie völlig unnötig sind.
Garland zitiert viele grosse Vorbilder, wie Alien, Swamp Thing, 2001: A Space Odyssey, Apocalypse Now, Solaris, Stalker, The Lonesome Death of Jordy Verrill (aus Creepshow), Invasion of the Body Snatchers, aber er erreicht fast keines davon. Ich hatte einen intelligenten und spannenden Film wie Arrival erwartet, wurde in dieser Erwartung aber eher enttäuscht, obwohl ich auch in Annihilation Qualität erkenne. Garland sagt im Zusatzmaterial, er wollte die Atmosphäre filmisch umsetzen, die er beim Lesen der Geschichte von Jeff VanderMeer empfunden hatte, nicht, wie sie geschrieben war. Atmosphäre ist eins, innere Logik der Story etwas anderes...

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Den skyldige / The Guilty / Gustav Möller / Dänemark 2018 / 1 - 2

Asger, ein Polizist, gegen den ein Gerichtsverfahren angesetzt ist, weil er einen jungen Mann erschoss, wird vom Aussendienst in den Innendienst versetzt. Dort muss er in der Notrufzentrale von Kopenhagen nächtliche Anrufe entgegen nehmen. Als er eine Frau namens Iben am Draht hat, die offenbar entführt wurde, beginnt für ihn eine äusserst aufreibende Nacht, da er durch falsche Annahmen und Miss­in­ter­pre­ta­ti­on der Lage eine mögliche Katastrophe auslöst...
Drama von ziemlich hoher Spannung, obwohl es nur in zwei Räumen und überwiegend auf dem Gesicht des ganz hervorragenden Hauptdarstellers spielt. Während der Telefonate und vor allem durch die Hintergrundgeräusche beginnen die Zuschauer (oder in diesem Fall Zuhörer) ihre eigenen Filme im Kopf zu produzieren. Der Film erinnert an "Locke", der eineinhalb Stunden in einem Auto spielt, in welchem Tom Hardy dauertelefoniert und der ähnlich spannend ist wie "The Guilty". Beides gute Beispiele, an denen Alfred Hitchcock bestimmt grosse Freude gehabt hätte.

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Keepers / Die Leuchtturmwärter / Kristoffer Nyholm / Grossbritannien 2018 / 1 - 2

Im Jahr 1900 treten drei Männer einen sechswöchigen Dienst als Leuchtturmwärter auf der schottischen Insel Eilean Mòr an. Thomas ist ein traurig-verbitterter Mann, weil er seine Frau und seine Zwillinge verloren hat. James, ein breitschultriger Kerl, wirkt auf den ersten Blick rauh, ist aber ein gutherziger Familienvater. Donald, der jüngste im Bund, fühlt sich unsicher zwischen den erfahrenen Seebären und versucht immer wieder, die Stimmung aufzuheitern, obwohl auch er eine bittere Vergangenheit hat. Nach einem schweren Sturm entdeckt Donald in einer kleinen Bucht ein zerschelltes Boot, eine grosse Holzkiste... und einen leblosen Körper. Donald wird an einem Seil von den beiden älteren Männern in die Bucht hinunter gelassen, um sich die Sache näher anzusehen. Kurz darauf wird er von dem Seemann, der sich als alles andere denn tot erweist, attackiert. Nur mit viel Glück kann sich der schwächere Donald erwehren und erschlägt den Seemann mit einem Stein. Donald versinkt in Apathie und Schuldgefühlen. Als die Leuchtturmwärter die Holzkiste öffnen und Goldbarren vorfinden, bricht zuerst grosse Freude über den Fund aus, doch dann legt ein kleines Schiff auf der Insel an und zwei bedrohlich wirkende Männer fragen nach einem vermissten Besatzungsmitglied und einer Holzkiste. Thomas belügt die beiden. Zwar ziehen sie sich danach auf ihr Schiff zurück, doch sie durchschauen die Lüge und kehren zur Insel zurück. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt, bei dem letztlich alle verlieren...
In authentischem Zeitkolorit verfilmte Legende um das Rätsel von Eilean Mòr, das nie gelöst werden konnte. Ein Film voll von düsterer und unheilvoller Atmosphäre, die sich bis zum Ende hin durchzieht. Brutal, hart und rauh, aber auch sehr ruhig und mit moralischer Note inszeniert, was die Sache noch spannender und aufwühlender macht. Überzeugend gespielt von den drei Hauptdarstellern Peter Mullan, Gerard Butler und Connor Swindells.

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Gundermann / Andreas Dresen / Deutschland 2018 / 1 - 2

In den 70er-Jahren wird der Baggerfahrer und Liedermacher Gerhard Gundermann als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi angeheuert. Selber überzeugter Sozialist, Sprachrohr für die einfachen Leute und Gegner der Funktionäre, sieht Gundermann keine Ambivalenz in seinen Spitzelhandlungen, die auch seine Kollegen im engsten Umfeld betreffen. Erst als er erfährt, dass Freunde und Arbeitskollegen auch auf ihn angesetzt waren, scheint ein Hinterfragen stattzufinden, doch grosse Reue oder gar eine Entschuldigung kommt nicht über Gundermanns Lippen.
Alexander Scheer spielt die Hauptrolle in einer überzeugenden Mischung aus sensiblem Arbeiterpoeten, grossmäuligem Rebellen und nerdigem Angepassten. Dresen zeigt seinen Protagonisten als einen, der nicht anders kann und so ist, wie er nunmal ist und als jemanden, der sich offenbar nicht hinterfragt. Gerade dadurch, dass der Regisseur so neutral wie möglich ist und keine Verurteilung ansetzt, präsentiert sich hier ein spannendes Bild der ehemaligen DDR ohne Schwarz und Weiss, aber in vielen Zwischentönen. Es gibt kein: Hier die bösen Funktionäre, dort das gesamte Volk als Opfer. Vielmehr zeigt der Film an seinen Figuren wunderbar, dass ein solches System nur funktioniert, indem es viele Vermischungen von Schuld und Unschuld, von Tätern und Opfern gibt und ebenso, dass Verdrängung ein wichtiger Faktor ist.
Ein schön gemachter, häufig auch humorvoller Film, der sein ernstes Thema immer auf Augenhöhe behält. Na ja, von Dresen ewarte ich auch nichts anderes. Nach seinem Ausreisser "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" scheint er sich nun wieder auf seine Stärke zurückbesonnen zu haben.

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Yabu no naka no kuroneko / Kuroneko / Kaneto Shindô / Japan 1968 / 1 - 2

Nachdem Yone und ihre Schwiegertochter Shige von einer Meute Samurais vergewaltigt werden, sterben die beiden Frauen in ihrer Hütte in einem Bambushain. Die Hütte fängt Feuer und brennt nieder. Yone und Shige kehren aus dem Totenreich als Geister in Gestalt von gut betuchten Damen zurück und warten nachts am Tor von Rajōmon auf durchreisende Samurai. Diese werden von Shige in das herrschaftliche Haus einer Scheinwelt gelockt, wo sie betrunken gemacht und anschliessend von den Frauen getötet werden, indem sie ihnen die Kehle durchbeissen und ihr Blut trinken.
Hachi, ein junger Samurai, kehrt aus dem Krieg in seine Heimat zurück. Im Gepäck dabei hat er den Kopf eines feindlichen Generals. Raikō, der Gouverneur des Gebiets, gibt Hachi den Auftrag, die beiden Geister zu finden und zu töten. Der Samurai nimmt den Auftrag an und wartet nachts am Tor von Rajōmon. Schon bald muss er erkennen, dass die Geisterwesen seine Mutter und seine Ehefrau sind, was zu erheblichen Gewissenskonflikten auf beiden Seiten führt.
Überaus atmosphärischer und schön anzusehender Gespensterfilm. Unaufgeregt, ruhig und voller seelischer Konflikte. Ein Kunstfilm, wie ihn Kurosawa wohl nicht hätte besser machen können!

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri / Martin McDonagh / USA - Grossbritannien 2017 / 1 - 2

Sieben Monate nachdem Mildred Hayes ihre Tochter bei einem bestialischen Verbrechen verloren hat, konnte der Fall immer noch nicht geklärt, geschweige denn ein Verdächtiger ermittelt werden. Aus diesem Grund mietet Mildred drei großformatige Werbeplakate in der Nähe ihrer Gemeinde und klagt darauf die örtliche Polizei für ihr vermeintliches Desinteresse an dem Fall an. Diese Plakate lösen nicht nur bei der Polizei Konflikte aus, sondern ziehen immer grössere Kreis im Umfeld von Mildred, so dass diese neben ihrer Trauerarbeit alle Hände voll mit Anfeindungen zu tun hat.
Mit schwarzem Humor unterwandertes Drama, das sich Themen wie Trauer, Schuld und Sühne, sowie Gerechtigkeit, bzw. Ungerechtigkeit und der daraus entstehenden Rache und Selbstjustiz annimmt. Dabei wird die von Frances McDormand grandios gespielte Mildred wahrlich nicht nur als Opfer inszeniert. Gut und Böse sind hier absolut nicht klar aufgeteilt, sondern vermischen sich immer wieder. Dadurch wirkt der Film eher wie ein europäischer Autorenfilm. Sam Rockwell als gewalttätiger, leicht dümmlicher Redneck-Officer Jason Dixon, der gegen Ende hin doch noch so etwas wie eine Wandlung durchmacht, sticht neben der Hauptrolle besonders hervor. Dass der Film einen 12er von der FSK erhalten hat, kann ich (wieder einmal) nicht nachvollziehen. Mit 12 ist man noch ein Kind und das ist definitiv kein Film für Kinder. Nicht nur, weil er ein paar (wenige!) ziemlich brutale Szenen hat.
Jetzt bereue ich es, dass ich mir den nicht im Kino angesehen habe.
Ein wirklich sehenswerter Streifen, der Menschen in ihren ganzen Facetten zeigt und einen ungeheuer deprimierenden Eindruck hinterlässt!

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All the Money in the World / Alles Geld der Welt / Ridley Scott / USA - Italien - Grossbritannien 2017 / 3

1973 wird der 16-jährige John Paul Getty in Rom von einer organisierten Verbrecherbande entführt. Diese verlangt 17 Millionen Dollar Lösegeld, da der Teenager ein Enkel des Ölmagnaten J. Paul Gettys ist, der damals der reichste Privatmann der Welt war. Als sich dieser weigert, auch nur einen Dollar zu bezahlen, geht für die Mutter des Jungen ein psychisch extrem aufreibendes Tauziehen mit den Entführern los.
In verschiedenen Zeitperioden (vor allem in den 70ern) und wunderbar ausgestattetes Thriller-Drama mit einem phantastisch agierenden, fast 90jährigen Christopher Plummer in der Rolle des eiskalten und über alle Massen berechnenden J. Paul Getty. Damit wären dann aber leider auch schon fast alle positiven Punkte des Films genannt. Offenbar wollte der Regisseur lediglich ein spannend gemachtes Entführungsdrama abliefern. Daran ist zuerst mal nichts auszusetzen, ich selber hätte mir aber schon etwas mehr gewünscht. Die Figur des J. Paul Getty bleibt oberflächlich gezeichnet. Wie dieser Mensch zu dem Menschen wurde, der er nun mal war, bleibt den interessierten Zuschauern verschlossen. Es gibt auch keinen Kommentar dazu, was in einem System falsch läuft, das erlaubt, dass sich dermassen reiche Menschen durch Stiftungen jeglicher Steuerzahlungen verweigern können. Das ist schade, lässt der Titel doch ein wenig auf anderes hoffen. So bleibt ein gut gemachter Unterhaltungsfilm, der wohl sehr grosse Produktionskosten verursacht hat. Na ja, wenn man Ridley Scott heisst, hat man wohl auch alles Geld der Welt, um solche Filme zu machen...

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Requiem for a Village / David Gladwell / Grossbritannien 1975 / 1 - 2

In einem Dorf im englischen Suffolk radelt ein alter Mann täglich von seinem Haus zu den umliegenden Friedhöfen, um dort mit einer Gartenschere die Gräser zu schneiden, die um die Gräber herum wachsen. Er spricht mit sich selbst und lebt in Gedanken in der Vergangenheit. Er redet aber auch mit den längst Verstorbenen und eines Tages bewegt sich die Erde der Gräber und die Toten verlassen ihre Behausung. Der alte Mann folgt der fröhlichen Schar in eine Kirche und durchlebt nochmals Stationen seine Vergangenheit. Als er nach seiner Arbeit den Friedhof verlässt, fährt ihn ein Mitglied aus einer Motorradgruppe an. Der alte Mann stirbt, während ein paar Menschen um ihn herumstehen. Dann steht er auf und geht erleichtert davon...
Ein absolut seltsamer, zugleich schöner und kontemplativer Film. In sich gekehrt und melancholisch beschreibt er aus der Sicht des alten Herren die Welt der (damaligen) Gegenwart in Bezug auf die Vergangenheit, gerät dabei aber nie in die Verlockung, diese Vergangenheit zu glorifizieren. Compare and contrast, das macht der Streifen ganz wunderbar: Etwa, wenn er die etwas leblos wirkenden, schön gepflegten Häuschen der Gemeinde zeigt und sie den eher wild und komplett unterschiedlich aussehenden Grabsteinen des Friedhofs entgegensetzt. Wenn eine fröhliche Schar Menschen ihre Gräber verlässt, das Dorf aber ausgestorben wirkt.
Hier haben wir die ländliche Gemeinde, die noch Sichel und Sense herstellt, um die Felder zu bewirtschaften, dort drohen Bagger, um gerade diese Felder zu zerstören, damit schön gepflegte Häuschen den Platz einnehmen können. Wir sehen, wie der Mann in jungen Jahren mithilft, in der Stellmacherein ein Wagenrad zu fertigen. Als alter Mann wirft er hoffnungslos Dreck gegen das grosse Rad einer Machine, die die Umgebung zerstört. Wir hören die humorvolle und warmherzige Hochzeitsrede des Vaters und hören in der Gegenwart die Ansprachen von Gemeinderat und Pfarrer vor einem unaufmerksamen und uninteressierten Publikum.
Längst sind die sonnendurchfluteten Felder dem Asphalt der Strassen gewichen, auf welchen der alte Mann mit seinem Fahrrad fährt und dort von anonymen Autos überholt wird.
Interessant wird der Film aber gerade dort, wo er auch Grausamkeit und Gewalt zeigt. Ein Hufschmied, der dem Jungen etwas von der Magie eines Froschskeletts erzählt, worauf der Junge einen Frosch fängt und diesen so lange an einem Bein aufhängt, bis nur noch das Skelett zurückbleibt. Sehr verstörend aber vor allem die Montage der dreifachen Vergewaltigung am Ende des Films. Der alte Mann beobachtet, wie sich die Motorradgang auf dem Friedhof über ein Mädchen hermacht und erinnert sich dann offenbar, wie sein Vater manchmal nachts, wenn er betrunken war, über die Mutter hergefallen ist. Gleichzeitig sieht er, wie zwei junge Männer (einer davon er selber?) während einer Pause auf dem Feld einer jungen Frau hinterher gehen und sich dann auf sie stürzen.
Gladwells Film ist aussergewöhnlich, auch formal. Die Zeitlupen und die gespenstisch experimentelle Filmmusik tragen viel dazu bei, dass der Streifen zu einem Erlebnis wird.

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Rushmore
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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Mai 2019

Kino

Passion - Zwischen Revolte und Resignation / Christian Labhart / Schweiz 2019 / 2

Essayistischer Dokumentarfilm, in dem sich der Regisseur fragt, was eigentlich aus der Utopie der 68er-Generation geworden ist. Dabei werden die kraftvollen, wunderbaren Bilder von Texten Franz Kafka, Bertolt Brecht, Slavoj Žižek, Ulrike Meinhof, Arundhati Roy und weiteren begleitet.
Es handelt sich um eine sehr persönliche Sichtweise, die nicht analytisch ist, sondern eine eher emotionale Herangehensweise an das Thema vollzieht. Dadurch wirkt der Film teilweise etwas oberflächlich. Immer wieder verwebt Labhart die wichtigen Ereignisse der Jahrzehnte mit seinem eigenen Leben und den Veränderungen darin. Zum Beispiel wie er im Sommer '68 in Zürich von der grossen utopischen Kraft der auf den Strassen revoltierenden Jugendlichen angezogen und Teil von ihr wurde.
"Zürich - im Sommer 1968. Ich war gerade mal fünfzehn Jahre alt - auf dem Heimweg vom Tanzkurs. Plötzlich war ich mitten drin: Eine Energie, eine Gewalt, wie ich sie in meiner Stadt noch nie gesehen hatte. Angst und Verwirrung, aber auch Faszination. Aus der Tiefe war sie hochgestiegen: die Utopie einer gerechten Welt."


Labhart wird Lehrer, versucht es mit einer selbstversorgenden Kommune und engagiert sich gegen Atomkraftwerke. Dann werden Kinder geboren und es folgt der Einzug in ein Einfamilienhaus. Nach und nach verliert er sein Ziel, wie viele seiner Mitmenschen aus dieser Zeit, aus den Augen und er fragt sich, ob er nun selber ein Spiesser geworden ist. Er zieht am Ende ein eher tristes Fazit und seine Resignation unterstreichen die Bilder von der Zerstörung der Erde und die Abkapslung der Menschen, die die Party bis zum Ende feiern wollen, obwohl sie wohl wissen, dass nicht mehr viel Zeit zum Feiern bleibt.
"Wir plündern die Erde und hoffen, dass der materielle Mehrwert, den wir anhäufen, unser tiefes Etwas, das wir verloren haben, kompensiert." (Arundhati Roy)
Bilder und Texte werden dabei von Auszügen aus Bachs Matthäus-Passion untermalt. Diese Musik gibt dem Film eine Tiefe, die er eigentlich nicht hat.
Der verschwundene Kampfgeist lässt den Regisseur traurig auf sein Leben zurückblicken. Nichts, wofür er sich eingesetzt hat, scheint verwirklicht worden zu sein. Das System, dass wir Kapitalismus nennen, scheint in teuflischer Art und Weise alles, was sich ihm entgegenstellt, zu vereinnahmen und sich einzuverleiben, so dass jegliche Gefahr neutralisiert wird. Und die Schuld wird auf andere übertragen.
"Die Angst, von Fremden überrannt zu werden, wohnt dem Kapitalismus grundsätzlich inne. Ihr Ausmass ist ein Gradmesser für das, was an der Globalisierung falsch ist. In unserer Welt zirkulieren Waren frei, nicht aber Menschen." (Slavoj Žižek)
Vielleicht wäre der Film etwas optimistischer herausgekommen, wenn Labhart die Dreharbeiten erst abeschlossen hätte, nachdem ihm bewusst wurde, dass sich da gerade eine neue Jugend bildet und weltweit auf die Strassen geht.

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Stan & Ollie / Jon S. Baird / Grossbritannien - Kanada - USA 2018 / 2

Im Jahr 1953 befinden sich die Jahrhundertkomiker Stan Laurel und Oliver Hardy auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere. Ihr Versuch, mittels einer Tournee durch Großbritannien nochmals an den grossen Erfolg vergangener Zeiten anzuknüpfen und gleichzeitig einen neuen Film zu finanzieren, gelingt nur ansatzweise. Zwar füllen sich die Theatersäle nach einiger Zeit wieder, doch der Produzent für den Film zieht sich aus dem Projekt zurück. Auch lässt der gesundheitliche Zustand Hardys darauf schliessen, dass eine glanzvolle Zeit an ihr definitives Ende gekommen ist.
Wer sich hier einen Film erhofft, der die beiden Superstars durchleuchtet und ihren Werdegang beschreibt, wird eher enttäuscht sein. Herausgekommen ist nämlich ein ziemlich trister Streifen, der zwei Menschen porträtiert, die über Jahrzehnte dermassen zusammen gewachsen sind, dass nur noch der Tod sie trennen kann. Ob diese späte Periode im Leben der beiden sich wirklich so zugetragen hat, sei dahingestellt. Steve Coogan und John C. Reilly (und deren Maskenbildner!) geben jedenfalls eine dermassen hervorragende Leistung ab, dass sich der Film schon einzig aus diesen Gründen lohnt. Nur die stillose Musik von Rolfe Kent hätte man getrost weglassen können.

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First Man / Aufbruch zum Mond / Damien Chazelle / USA - Japan 2018 / 2 - 3
Bei einem Flug mit einer X-15 durchbricht der Testpilot Neil Armstrong im Jahr 1961 die Grenze der Atmosphäre zum Weltraum. Beinahe gelingt ihm der Wiedereintritt nicht, da sein Flugzeug von der Erdatmosphäre abprallt. Dennoch ermöglicht ihm seine Erfahrung schließlich eine sichere Landung in der Mojave-Wüste. Armstrong und seine Frau Janet haben zwei Kinder, doch seine Tochter Karen stirbt noch vor ihrem dritten Geburtstag an einem Gehirntumor. Als Zivilist bewirbt er sich beim Gemini-Projekt, weil die NASA Piloten mit einem abgeschlossenen Studium der Luft- und Raumfahrttechnik sucht. Er wird aufgenommen und zieht samt Familie in ein Wohngebiet bei Houston, wo sie mit anderen Astronautenfamilien, wie Edward Higgins White mit seiner Frau Pat und Kindern, zusammen leben.
Jahrelang musste die NASA dabei zusehen, wie die Sowjets ihr bei jedem technischen Meilenstein in der Raumfahrt zuvorgekommen waren. Die Teilnehmer des Programms bereiten sich 1964 mittels eines Simulators auf die Missionen vor. Ein Jahr darauf startet die NASA das Gemini-5-Projekt, bei dem Armstrong zunächst als Mitglied der Ersatzmannschaft benannt wird. Seinerseits kommandiert er später den Gemini-8-Raumflug, bei dem die Kapsel an eine Agena-Rakete andocken soll. Bereits in seiner Zeit als Testpilot musste Armstrong eine Reihe von Todesfällen miterleben, doch auch im Raumfahrtprogramm kommt es immer wieder zu Unfällen mit tödlichem Ausgang. Dies lässt den Astronauten nicht unberührt. Janet hingegen will einfach nur ein normales Leben leben und sorgt sich zunehmend um Neil, besonders als er sich auf die Apollo-Mission vorzubereiten beginnt, in dieser Zeit aber drei von Armstrongs Kollegen bei einem Plugs-Out-Test sterben, darunter auch Edward White.
Nach einem fast tödlich für ihn endenden Test der Mondlandefähre begeben sich Armstrong und seine Kollegen Mike Collins und Buzz Aldrin 1969 auf ihre große Mission. Von seiner Frau hierzu gezwungen, erklärt er zuvor seinen beiden Söhnen, dass er womöglich nicht zurückkommen wird. Dabei bedient er sich der gleichen Floskeln wie gegenüber Medienvertretern. Nach einer viertägigen Reise gelingt es Aldrin und Armstrong, das mitgeführte Lunar Excursion Module Eagle sicher auf der Mondoberfläche zu landen. Armstrong setzt seinen Fuß auf das Regolith und hinterlässt als erster Mensch einen Schuhabdruck auf dem Mond. Aldrin folgt ihm und springt von der geringen Anziehungskraft fasziniert umher. Die ganze Welt schaut ihnen in diesem Moment zu.
Nachdem Armstrong ein von ihm mitgebrachtes Armkettchen seiner Tochter in Gedenken an ihren frühzeitigen Tod in einen Mondkrater geworfen hat, machen sie sich auf den Weg zurück zur Erde, wo sie zunächst drei Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Dort kommt es schließlich zu einem wortlosen, jedoch emotionalen Wiedersehen zwischen Armstrong und seiner Frau Janet. Der Apollo-11-Mannschaft ist ein wichtiger Schritt im Wettlauf ins All gelungen, den John F. Kennedy einige Jahre zuvor in einer Rede voraussagte, als er ankündigte, dass im Rahmen des Weltraumprogramms der USA bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf dem Mond landen werden.
Der Film interessiert sich weniger für die technischen Voraussetzungen, die die erste Mondlandung ermöglichten, als vielmehr für den Menschen Neil Armstrong, der als erster die Mondoberfläche betrat. Das ist zuerst mal schön. Doch leider erfährt man trotzdem nicht allzu viel über seine Person. Nicht schon wieder Ryan Gosling liesse sich sagen. Doch mit seinem permanent melancholischen Gesicht und seiner verschlossenen Art passt er ziemlich gut in diese Rolle. Sehr berührend gelungen sind die wenigen Szenen zwischen ihm und seiner sterbenden Tochter. Der Film lässt darauf schliessen, dass Armstrong diesen Tod nie überwunden und sich deshalb in sein Inneres zurückgezogen hat. Das zeigt auch die Szene, in welcher er das Armkettchen seiner Tochter in den Mondkrater wirft. Der Rolle der Ehefrau Janet Armstrong wird dagegen zu wenig Gewicht eingeräumt. Sie scheint besser mit dem Tod der Tochter klar zu kommen und eine starke Persönlichkeit zu sein, aber darauf wird leider kaum eingegangen. Chazelle weist auch darauf hin, dass in jener Zeit nicht alle Menschen hinter dem Apollo-Programm standen. Viele Menschen fragten sich, warum die Regierung Milliarden an Steuergeldern ausgibt, aber der Hunger in der Welt noch immer nicht besiegt ist. Leider wird das lediglich in einer Sequenz abgearbeitet und anschliessend nicht mehr drauf eingegangen, so dass der Eindruck zurückbleibt, es handle sich hier um eine Alibiübung.
Bei mir hat der Film jedenfalls ambivalente Reaktionen ausgelöst: Einerseits scheint der Regisseur Armstrong nicht als Helden, sondern als bescheidenen Mann zeigen zu wollen. Dass er aber trotz der vielen Todesfälle in seinem engen Umkreis nicht von seinem Ziel abgehalten werden konnte und dennoch keine Starallüren entwickelte, scheint ihn erst recht zum Superhelden zu machen.
Schade, dass der Film kurz nach der Rückkehr der drei Astronauten endet. Sehr gerne hätte ich noch gesehen, wie Chazelle seinen Helden in den Jahren nach der ersten Mondlandung zeigt, denn Armstrong soll sich dadurch stark verändert haben.

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Separation / Jack Bond / Grossbritannien 1967

Aufgrund einer Trennung erleidet eine Frau mittleren Alters einen Zusammenbruch. Fragmentarisch wird ihre Vergangenheit und eine mögliche Zukunft erzählt.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich schreiben soll, da ich so einen Film noch nie gesehen und wohl auch nicht verstanden habe. :o

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Bye Bye Braverman / Sidney Lumet / USA 1967 / 2

Vier Freunde mittleren Alters erfahren nacheinander vom Tod ihres Kumpans Leslie Braverman, der mit 41 plötzlich verstorben ist. So macht sich das Quartett auf, um am Begräbnis von Braverman teilzunehmen. Das führt zu allerhand Schwierigkeiten. Durch die schlechte Wegbeschreibung der Witwe fahren die Vier ganz verloren in einem engen VW-Käfer quer durch Manhattan, bauen einen Unfall mit einem Taxi, sitzen später im falschen Abdankungsraum, bis sie schliesslich doch noch ans richtige Begräbnis gelangen.
Nicht das wichtigste Werk von Meister Lumet. Eine eher leichte und sympathische Dramödie, aber mit viel jüdischem Witz und exzentrischen schauspielerischen Leistungen von George Segal, Jack Warden, Joseph Wiseman und Sorrell Booke! Ein wenig kann man hier bereits die Filme von Woody Allen erkennen.

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Le complexe de Frankenstein / Gilles Penso, Alexandre Poncet / Frankreich 2015 / 2

Dokumentarfilm, der die Creature Designers hinter all den bekannten Horror-, Fantasy- und Science Fiction-Filmen vor die Kamera bringt. Dabei versammelt er die Stars der Szene wie Rick Baker, Rob Bottin, Phil Tippett, Chris Walas, Stephen Chiodo, Alec Gillis, Tom Woodruff Jr. und Steve Johnson, die für die bekannten Monster der letzten vierzig bis fünfzig Jahre verantwortlich waren. Seltsamerweise wird Tom Savini gerade mal in einem Nebensatz erwähnt.
Bereitwillig und sehr detailliert geben sie Auskunft über ihren Bezug zum Metier und über die komplizierte Technik. Dabei scheint allen immer noch eine kindliche Freude und Neugier erhalten geblieben zu sein. Im Zentrum stehen die Künstler selber. Ausschnitte aus Filmen gibt es nur wenige und kurze. Eingegangen wird auch darauf, wie bahnbrechende Filme wie "The Exorcist", "An American Werewolf in London" oder Carpenters "The Thing" die Messlatte immer höher stellten und sich die Creature Designers dabei selber pushten und bewunderten.
In den 90er-Jahren beginnt dann eine andere Zeit. Die klassischen Designer werden langsam durch Visual Effects-Artists abgelöst, was für einige der gesetzten Herren in der Branche zu einer grossen Melancholie führt. Das CGI übernimmt und die Künstler sitzten nun vorwiegend vor dem Bildschirm, anstatt mit Händen ein Wesen zu entwickeln. Es geht nur noch um Zeitdruck. Der Dank dafür, dass man computergenerierte Effekte in kürzester Zeit erledigen konnte, ist, dass für den nächsten Film noch weniger Zeit bleibt. Die alte und die neue Generation kommt zu Wort, doch scheinen die Filmemacher ihr Wertschätzung vor allem den Practical-Effect-Artists entgegen zu bringen.
Dass der Film von der FSK ein "ab 6 freigegeben" erhalten hat, kann man nur mit Kopfschütteln quittieren.

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Peur sur la ville / Angst über der Stadt / Henri Verneuil / Frankreich - Italien 1975 / 3 - 4

Ein durchgeknallter und verunstalteter Serienkiller, der sich seine weiblichen Opfer unter jenen Frauen mit einem lasziven Lebenswandel aussucht, macht Paris unsicher. Kommissar Jean Letellier heftet sich an seine Fersen, bringt aber vorher noch einen Bankräuber, der ihm einst durch die Lappen ging, zur Strecke.
Dirty Harry-Abklatsch aus Frankreich. Mässig spannend, aber immerhin ein paar gute Aussenaufnahmen von einem grauen 70er-Jahre-Paris. Jean-Paul Belmondo, nicht gerade bekannt als nuancierter Schauspieler, darf hier wieder mal den zynischen, prügelnden Obermacho geben. Was man ihm aber lassen muss, ist, dass er die schweisstreibenden Stuntszenen selber gemacht hat. Alle Achtung!
Verneuils Film ist eigentlich ein recht primitiver Action-Thriller. Klasse hat lediglich die fiese Musik von Ennio Morricone.

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Who Killed Teddy Bear / Joseph Cates / USA 1965 / 1 - 2

Norah Dain, eine etwa 30-jährige Frau, arbeitet in einem Nachtlokal in Manhattan als Plattenauflegerin. Eines Nachts erhält sie einen obszönen Anruf von einem Mann, der sie gut zu kennen scheint und sie beobachtet. Der Polizist Dave Madden, dessen Frau vergewaltigt und getötet wurde, übernimmt den Fall. Doch Norah misstraut ihm zunächst, glaubt sogar, er selber sei der Anrufer, da er ein paar merkwürdige Bemerkungen in diese Richtung machte. Lawrence Sherman, ein schüchterner junger Mann, arbeitet im selben Nachtlokal wie Norah. Er lebt mit seiner jüngeren Schwester Edie zusammen, um die er sich kümmert, da sie seit einem Treppensturz, den sie als Kind überlebt hat, behindert ist. Schon bald wird klar, dass sich Lawrence zu Norah hingezogen fühlt...
Ein für seine Zeit sehr ungewöhnlicher Streifen, der dazumal als heruntergekommen und als Verschwendung von Talent bezeichnet wurde. Eigentlich aber war er seiner Zeit voraus und gilt heute als Meisterwerk des Underground-Kinos. Von der Machart her unterscheidet er sich nicht mal so stark von anderen Filmen jener Tage. Thematisch dagegen bringt er einiges auf die Leinwand, was in seiner Dichte wohl ziemlich schockiert hat. So scheint der obszöne Anrufer, von dem man anfänglich nicht das Gesicht sieht, während des Gesprächs mit seinem Opfer zu masturbieren. Kurz bevor die kleine Edie die Treppe hinab stürzt, wird Lawrence, selber noch im Kindesalter, von einer älteren Frau verführt, die seine Mutter oder eine Verwandte zu sein scheint. Edie selber nähert sich als junge Erwachsene immer öfters aufreizend ihrem Bruder. Als die alternde Nachtklubbesitzerin Marian Freeman Norah zu ihrer Wohung begleitet, da diese sich nicht mehr sicher fühlt, beginnt Marian sich ihr körperlich aufzudrängen. Als Norah sieh daraufhin der Wohnung verweist, wird Marian in einem Hinterhof von einem Mann überfallen, der sie für Norah hält. Nachdem er sie umgebracht hat, scheint er sich noch an ihr zu vergehen. Der Polizist Dave sammelt bei sich zu Hause massenhaft Bücher über sexuelle Perversionen und auf Band aufgenommene Interviews mit Opfern von Sexualstraftätern. Diese Interviews hört er sich immer wieder an, während seine kleine Tochter am Küchentisch oder auf dem Bett sitzt und alles mitbekommt.
Das ist alles schon ziemlich derb, auch wenn das meiste nur angedeutet wird. Was allerdings dazu führt, dass der Film im Kopf weiterläuft. Eigentlich schon ein Streifen, der in die Nähe der Exploitationfilme geht. Ambivalent wird er denn auch dort, wo er Lawrence mit seinen unterdrückten sexuellen Neigungen zeigt, verwirrt die durch die sexualisierte Gesellschaft New Yorks mit ihren überall vorhandenen Bildern von leicht bekleideten Frauen in aufreizenden Posen. Auf der anderen Seite kann sich Lawrence seit dem Unfall seiner Schwester Frauen nicht mehr auf natürliche Art und Weise nähern.
Gelungen ist auch die Besetzung mit Sal Mineo, der seine Karriere als verletzlicher Teenager begann und hier eine grossartige Leistung als zwanghafter Stalker abgibt.

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Mandy / Alexander Mackendrick / Grossbritannien 1952 / 1 - 2

Mandy, die über alles geliebte Tochter von Christine und Harry Garland, wächst als taub-stummes Mädchen in wohlbehüteter und von der Aussenwelt abgeschirmter Umgebung heran. Als Christine von einer Sonderschule für taube Kinder in Manchester erfährt, versucht sie gegen alle Widerstände ihres Mannes und dessen Eltern Mandy dorthin zu bringen. Der Direktor der Sonderschule, Dick Searle, erscheint zuerst als etwas ungehobelt, erweist sich aber als ausgezeichnet im Umgang mit den Kindern. Bald erscheint es, als entwickeln sich Gefühle zwischen Searle und Christine, was zu einer grossen Ehekrise der Garlands führt. Währenddessen macht Mandy Fortschritte in ihrer Entwicklung. Doch dem Direktor werden allerhand Steine in den Weg gelegt.
Ein wunderschöner, berührender Film ohne grosse sentimentale Spitzen. Hervorragend: Die sechsjährige Mandy Miller als taubstummes Mädchen und Jack Hawkins als sensibler Direktor. Der Film hat mich etwas an "The Miracle Worker" von Arthur Penn und "A Child Is Waiting" von John Cassavetes erinnert. Beides ähnlich berührende Dramen, die sich um Kinder mit speziellen Bedürfnissen drehen.
Mandy Miller galt als vielversprechende Neuentdeckung, konnte aber nie mehr an diesen Erfolg anknüpfen und zog sich später, nach ein paar Fernsehfilmen, aus dem Business zurück.

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Schonzeit für Füchse / Peter Schamoni / Deutschland 1966 / 3

EIn junger Mann, der als Filmjournalist arbeitet, lernt bei einem Filmverleih die Sekretärin Clara kennen. Die beiden werden ein Paar. Obwohl der Mann nun in Düsseldorf lebt, zieht es ihn immer wieder in das Dorf zurück, wo er seine Kindheit verbrachte. Die Treibjagd ist jeweils ein Grund, die Grossstadt zu verlassen und mit seinem Freund Viktor und der niederrheinischen High Society durch die Wälder zu ziehen und auf alles zu schiessen, was vor die Flinte kommt. Viktor will aus dieser Welt ausbrechen und wandert nach Australien aus, um dort Verkäufer von Jagdwaffen zu werden. Sein Freund bleibt ziellos in Deutschland zurück.
Schamonis eiskalter, analytischer Film gibt bereits den Weg vor, was da im deutschen Kino noch folgen sollte und erinnert auch ein wenig an Fassbinders Sachen. Schamoni schafft es, keinen einzigen Sympathieträger in seinem Werk zu haben.
Die beiden jungen Männer mäandern durch das versteinerte Deutschland des Wirtschaftwunders. Sie spüren ihre innere Aufruhr gegen die gesellschaftlichen Normen, gegen die Traditionen der autoritären Vätergeneration, sind aber zu schwach, um sich dauerhaft dagegen aufzulehnen, weil diese Traditionen in ihnen selber verankert sind. So bleibt es bei verbalen Spitzen, während sie ansonsten angepasst durchs Leben laufen.
Der junge Mann empfindet zwar Abscheu vor der bürgerlichen Gesellschaft, sieht aber als einzigen Ausweg eine innere Abkapslung, während er nach aussen hin der Konformität verhaftet bleibt. Seine von Ironie durchzogene Konversation wird von der älteren Generation, die noch immer den Kriegsjahren nachzutrauern scheint, mit guten Manieren verwechselt.
Liebe scheint es zwischen den jungen Paaren ebenso wenig zu geben, wie zwischen den alten. Man kommt zwar zusammen. Das scheint aber eher den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen als dem Herzen. Beim Liebesakt wird der Vorhang zugezogen. Es gibt keine Abgrenzung zu den Vätern. Es gibt keine Flucht. Es bleibt nur die Unzufriedenheit und das langsame Hineinschlittern in die alte Tradition und das Wissen, dass die alte Klasse noch immer an der Macht ist.
Schamoni hat ohne Zweifel ein intellektuelles und intelligentes Werk geschaffen, dass in dieser Zeit wohl ziemlich abseits stand. Die befremdend absurden Dialoge sind erst­klas­sig. Trotzdem ein äusserst unsympathischer Streifen, mit dem ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte. Und das nicht nur durch die widerlichen echten Treibjagdszenen.
Nun, vielleicht ist aber gerade das alles die Qualität des - zugegeben - aussergewöhnlichen Films.


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Vincent, François, Paul... et les autres / Vincent, François, Paul und die anderen / Claude Sautet / Frankreich - Italien 1974 / 1

Die drei Freunde Vincent, François und Paul, allesamt über fünfzig, treffen sich regelmässig, um die Wochenenden in Pauls Landhaus zu verbringen. Dabei sind auch ihre Frauen und weitere Kollegen. Man ist sich in grosser Freundschaft zugeneigt, diskutiert eng aneinander sitzend am Küchentisch, geniesst den Wein und das Rauchen. Das sind schöne, aber kurze Auszeiten für die drei, denn jeder von ihnen steckt in einer Midlife-Crisis. Vincent muss die Trennung von Catherine verarbeiten. Ausserdem muss er innerhalb von drei Tagen 13 Millionen Francs zusammenbringen, da er ansonsten seine Firma verliert. François arbeitet als Arzt, hat aber seinen Idealismus längst verloren und ist kühl und zynisch geworden, was auch seine Ehe sehr belastet. Paul ist ein Schriftsteller, der nur noch Gelegenheitsarbeit übernimmt und mit seinem eigenen Projekt nicht mehr vom Fleck kommt.
Manchmal bricht Streit aus, aber die Versöhnung folgt augenblicklich im Bewusstsein, wie wertvoll ihre Freundschaft ist. Am Schluss verliert Vincent trotz grossem Einsatz seine Fabrik, seine grosse Liebe Catherine verlässt Frankreich und sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich. Trotzdem scheint sich eine Erleichterung bei ihm einzustellen.
Einer der schönsten Filme seit langem. Eine grossartige SchauspielerInnen-Riege verkörpert die Charaktere in wunderbarer Natürlichkeit. Nichts wird überdramatisiert. Die ganze Geschichte kommt so unaufdringlich und charmant daher, verleiht ihrem Inhalt aber trotzdem Tiefe.
Sautets Filme der 70er Jahre kenne ich nun alle und da ist jeder einzelne Film ein Meisterwerk für sich. Auf jeden Fall wurde nun mein Appetit auf die wenigen restlichen Filme seiner Karriere angeregt.


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Le hérisson / Die Eleganz der Madame Michel / Mona Achache / Frankreich - Italien 2009 / 1 - 2

Den Streifen habe ich im Filmtagebuch von HAL9000 entdeckt. Aus diesem Grund und weil ich keinen besseren Text dazu schreiben könnte, traue ich mich einfach, seinen Text hier einzufügen.
An dieser Stelle möchte ich auch mein Bedauern darüber ausdrücken, dass die Filmtagebücher hier nicht mehr weitergeführt werden. Habe sehr gerne darin gelesen und im Idealfall - wie nun hier - einen neuen Film entdeckt.
HAL9000 hat geschrieben: ↑
vor 10 Monate
Die beiden großen Handlungsebenen des Films spielen sich die Bälle abwechselnd zu: Die 11-jährige Paloma – hochintelligent, künstlerisch begabt, entfremdet von ihrem näheren sozialen Umfeld – dokumentiert mit ihrer vom Vater geliehenen Hi8-Kamera die isoliert vor sich hin lebenden Mitglieder ihrer bürgerlichen Familie und liefert eine Art Erzählerkommentar: Die depressive Mutter findet nur noch in der Pflege ihrer Pflanzen einen Rest Erfüllung, der verschlossene Vater ist zwar anwesend, hat sich emotional aber ausgeklinkt und die tendenziell gefühlskalte Schwester ist zu beschäftigt mit ihrem eigenen Leben, um auch noch Freundin sein zu können. Es ist alles nicht ganz schlimm, aber auch nicht warmherzig. Palomas Familie wirkt nicht so krass wie die sozial vergletscherten Strukturen bei Michael Haneke, die existentielle Verzweiflung ist für Paloma aber Grund genug, den Entschluss zu fassen ihrem Leben am 12. Geburtstag ein Ende zu setzen. Ich hatte den Eindruck, dass der Film einem das nicht ganz ernst vermitteln möchte. Öfter setzt auch die Musik von Gabriel Yared gefühlsmäßige Kontrapunkte, wobei sich Yared teilweise verdammt nach Thomas Newman anhört (und Thomas Newman klingt schon viel zu sehr nach Thomas Newman). Der Zuschauer kann sich emotional hier schonmal vorsorglich wappnen. Kindertode in Filmen sind eine bittere Sache, aber wenn das Ereignis zu Beginn schon angekündigt wird, trifft es 1.) nicht mehr so hart und wird 2.) eventuell sowieso nicht eintreten, weil der Film ja vermutlich nicht seine Dramaturgie verraten will. Kann natürlich immer auch passieren, dass ein Film auf einer Meta-Ebene mit genau solchen Erwartungen spielt.

In Richtung des anderen Endes einer menschlichen Lebensspanne gibt es dann noch Renée Michel, 54 Jahre alt, die als Pförtnerin im selben Haus arbeitet, in dem auch Paloma wohnt. Müde Augen, nach unten weisende Mundwinkel, ruppiges Auftreten, enttäuscht vom Leben. Die Sorte Mensch, deren verborgenen Seiten, verloren gegangenen Träume und geheimen Leidenschaften man leider meist nur dann freiwillig kennenlernt, wenn es sich dabei um Filmcharaktere handelt und nicht um echte Personen aus Fleisch und Blut. Die wenigsten Leute sagen sich in ihrer Freizeit: "Hey, ich hätte echt mal Lust, diese abweisende Frau näher kennen zu lernen. Das scheint anstrengend und eine emotional herausfordernde Angelegenheit zu werden, könnte sich aber lohnen!" Und das gilt für Renées bourgeoise Mitbewohner umso mehr, da sie ihr Dasein in der gesellschaftlichen Hackordnung ein paar Etagen weiter unten fristet. Darauf lassen sich nur hartgesottene Lebenskünstler oder Suizidale ein, denen jede Form aufgezwungener Sozialperformance sowieso scheißegal ist. Oder Kinder, die die abschottende Wirkmacht des sozialen Kastensystems noch nicht verinnerlicht haben. Paloma ist beides und tritt dann auch in das Leben von Madame Michel. Die empfundene Enttäuschung auf den Schultern der beiden wird etwas leichter erträglich.

Noch jemand tritt in das Leben von Renée: Kakuro Ozu, ein neuer Bewohner im Haus. Ein Mann von erlesenem Charakter, ausgestattet mit im Herzen verankerter, aufrichtiger Höflichkeit, stilvoller Eleganz, betörender Sanftheit und beruhigender Zurückhaltung. Zwei Menschen, die eigentlich überhaupt nicht zueinander passen, finden hier zusammen.

Die Annäherung geschieht zunächst über ein gemeinsames Interesse, die Literatur, universelle Erzählungen über das Menschliche – Kakuros Fortsetzung eines von Renée angefangenen Zitates ist der Grundstein für eine schöne gemeinsame Zeit jenseits ihrer unterschiedlichen Biografien. Das geht deshalb, weil Kakuro nicht nach dem richtet, was vor Augen steht. Don't judge a book etc. etc. Kakuro schenkt Renée eine schön gebundene, wahrscheinlich sehr wertvolle Ausgabe von Anna Karenina, die sich nur äußerlich von der unterscheidet, die bereits in ihrem Regal steht: eine mit unglamourösem Cover, abgewetzt. Es ist nicht ihr einziges Buch. In einem Zimmer ihrer Wohnung versteckt sie eine reichhaltige Bibliothek der Weltliteratur – wohl alles aus zweiter Hand gekauft. Eine Dankes-Nachricht an Kakuro verfasst sie in absichtlich krakeliger Schrift, um ihre kulturelle Versiertheit zu verschleiern.

Und das ist nun wirklich eine der traurigsten Seiten der Existenz: Wenn Menschen die negativen, den Ausdruck der Persönlichkeit einschränkenden Fremdzuschreibungen so verinnerlichen, dass sie sich entweder nicht mehr vorstellen können oder sich nicht mehr trauen, etwas anderes zu sein als das, was andere in ihnen sehen. Man kann das als eine Form von psychologischem Kolonialismus beschreiben – wie eine Gesellschaftsklasse die mentale Innenwelt von vermeintlich weniger wertvollen Menschen besetzt: Diese ganz perfiden Identitätsfischgläser, die irgendwann als natürliches Habitat wahrgenommen werden und so unglaublich schwer aufzubrechen sind (Die Handlung spielt in Paris und die einzigen schwarzen Schauspieler, die im bürgerlichen Wohnhaus auftauchen, sind die Möbelpacker – ein weiterer kleiner Kommentar des Films zum selben Thema auf anderer Ebene).

Eine Binsenweisheit: Auf den Inhalt kommt es an – aber das Äußere kann den Wert des Inneren in manchen Fällen unterstreichen. Und so verändert sich auch Renée äußerlich – erst widerwillig, weil sie sich zunächst maskiert fühlt, aber die auf das Außen gerichtete Selbstsorge wird von ihr nach und nach richtig als Verlängerung der Inneren verstanden und akzeptiert. Das ist nicht zu verwechseln mit plumpen filmischen Inszenierungen von hässliches-Entlein-in-Schwan-Verwandlungen, indem die weirde Highschool-Schülerin ihre Brille absetzt und die fettigen Haare wäscht. Hier geht es um richtig begriffenen Stil, Ästhetizismus als Verknüpfung des Inneren mit dem Äußeren, nicht um die willfährige Erfüllung von Schönheitsidealen. Die Begegnungen von Renée und Ozu erzählt der Film mit großer Behutsamkeit und es sind die besten des Films. Sie vermitteln die Art von emotionaler Wärme, mit der man leben kann. Und sterben.

HAL9000 has chosen wisely.
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L'Immortelle / Die Unsterbliche / Alain Robbe-Grillet / Frankreich - Italien - Türkei 1963 / 2

In Istanbul trifft ein gerade angekommener französischer Professor auf eine schöne, geheimnisvolle Frau. Er lädt sie zu einer Dinnerparty ein, an der auch einige seiner Professorenkollegen anwesend sind. Daraufhin treffen sich die beiden immer wieder und verbringen ein paar Tage in der sonnigen, heissen Stadt. Dann verschwindet die junge Frau plötzlich. Auf der Suche nach ihr stösst der Professor nur auf Unverständnis. Niemand scheint sich an die junge Frau zu erinnern. Schliesslich findet er sie eines Abends auf einer überfüllten Strasse wieder. Doch bevor sie sich ihm erklären kann, stirbt sie bei einem Autounfall. An diesem Punkt ist längst nicht mehr klar, was wirklich geschehen ist und ob alles nur in der Phantasie des Professors stattgefunden hat.
Ein sehr reinzvolles, aber auch etwas konfuses Mosaik aus Realitätsfragmenten, Déjà-vus und Fantasie. Der Schnitt ist ähnlich verwirrend wie der Toneinsatz. Alles wirkt langsam und traumwandlerisch und ist in atemberaubend schöne Bilder gegossen.
Ein heutzutage wohl eher unbekannter Vertreter der Nouvelle Vague. Schade.


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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

Juni 2019

Kino

Dolor y gloria / Leid und Herrlichkeit / Pedro Almodóvar / Spanien 2019 / 1 - 2

Der gealterte Regisseur Salvador Mallo hat sich aus seinem Beruf zurückgezogen. Er leidet an körperlichen und seelischen Schmerzen und hat sich in seiner teuren Wohnung eingerichtet, die er nicht mehr häufig verlässt. Eines Tages möchte eine Kinemathek Mallos Film Sabor restaurieren und der Öffentlichkeit in neuem Glanz zugänglich machen. Salvador beschliesst daraufhin seinen damaligen Hauptdarsteller Alberto Crespo zu besuchen, mit dem er sich nach Beendigung des Films zerstritt und fortan dreissig Jahre keinen Kontakt mehr hatte. Zuerst ist Alberto sehr überrascht und distanziert, doch bald schon kommen die beiden Männer sich wieder näher. Durch den Konsum von Albertos Heroin kann Salvador auch endlich seine Schmerzen vergessen. Die Begegnung mit seinem damaligen Darsteller führt den Regisseur in die Vergangenheit. Er durchlebt nochmals Stationen seiner Kindheit und seiner beruflichen Höhepunkte.

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Wow! Bin perplex! Eigentlich bin ich nicht gerade der grösste Freund von Pedro Almodóvar, bzw. seinen Filmen. Dieser hier ist aber ein ungeheuer subtiles und nostalgisches Kunstwerk von grosser und trauriger Schönheit. Über alle Massen aber bin ich überrascht worden von Antonio Banderas, dem Hauptdarsteller des Films. Den hatte ich eigentlich nur als Darsteller von Macho-Actionfilmen, die mich nicht interessieren, auf dem Radar. Hier ist er aber schlicht perfekt. Jede Geste, jede Betonung der Sprache sitzt. Einfach Klasse! Jetzt bin ich wirklich gespannt, was Almodóvar in der Zukunft noch produzieren wird.



BR/DVD:

Melody / Waris Hussein / Grossbritannien 1971 / 1

Schulalltag im London der frühen 70er-Jahre... lange vor dem www-Zeitalter. Kinder kurz vor dem Teenageralter tollen auf dem Pausenplatz, rangeln und spielen zusammen, bringen die Lehrerschaft auf die Palme und umgekehrt. Der zwölfjährige Daniel Latimer, welcher aus einer eher gehobenen Mittelstandsfamilie kommt, freundet sich mit Ornshaw an, einem Kind aus der Arbeiterklasse. Daniel ist schüchtern und sanft und es kommt wahrlich nicht oft vor, dass er seinem Vater die Zeitung anzündet, während der diese liest. Ornshaw ist laut und frech und lässt sich auch von Lehrern nichts sagen. Eines Tages begegnet Daniel Melody und kann fortan die Augen nicht mehr von ihr lassen, was bei Ornshaw zu Verlustängsten führt. Nachdem Daniel und Melody nach einem Tag auf dem Rummelplatz, für den sie die Schule geschwänzt haben, beschliessen zu heiraten, stösst das bei den Erwachsenen auf grosses Unverständnis. Da das Gesetz für solche Wünsche keinen Platz hat, entscheiden Daniel und Melody kurzerhand sich ohne Gesetz und Kirche unter einer abgelegenen Brücke das Ja-Wort zu geben. Die ganze Klasse hilft dabei. Doch Lehrerschaft und Eltern sind ihnen dicht auf den Fersen...
Ein wunderschöner, endsympathischer und im höchsten Masse charmanter Independent-Film aus einer Zeit, wo solche Streifen noch möglich waren. Mark Lester als Daniel, Tracy Hyde als Melody und Jack Wild als Ornshaw sind grandios besetzt und zeigen die ganze Spannbreite kindlichen Verhaltens von Sanftheit bis Anarchie und Chaos. Die Lieder der Bee Gees und von Crosby Stills Nash & Young sind perfekt eingesetzt. Ich wusste gar nicht, dass die Bee Gees damals so schöne Songs drauf hatten!



Der Song Teach Your Children von Crosby Stills Nash & Young, der am Schluss beim Kampf der Schüler gegen die Lehrerschaft eingesetzt wird, bezeugt einen guten Sinn für Humor. Wenn aber in den letzten Bildern Daniel und Melody mit einer Handhebeldraisine auf einem stillgelegten Gleis in eine leere Landschaft flüchten, bekommt der mit leichter Hand gemachte Film auch eine tragische Note. Mit grosser Empathie und Zuwendung hat der Regisseur die Sicht der Kinder eingenommen und sie für die geneigten Zuschaucher erlebbar gemacht. So manch einer dürfte dabei auch den berühmten Kloss im Hals haben, wenn er oder sie an die eigene Schulzeit der 60er oder 70er Jahre zurück denkt.
Dem Film war damals zumindest in Europa und in den USA kein Erfolg gegönnt, doch entwickelte er sich mit der Zeit zum Kultklassiker und beeinflusste ein paar Filmemacher ganz entschieden. Eindeutig ist Wes Andersons Moonrise Kingdom (2012) dem Vorbild gewidmet. Ich sehe aber auch ein bisschen Jeremy (1973) darin, obwohl der wesentlich trister ist.

Melody: Anwärter auf den Film des Jahres mit Tendenz zur 1+!

Ach, was würde ich ohne den guten Filmirrgarten machen? Wieviele solcher Filme würden mir entgehen?!

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Violent Playground / Kinder der Straße / Basil Dearden / Grossbritannien 1958 / 2 - 3

Der Polizist Jack Truman wird vorübergehend in eine andere Abteilung versetzt und muss sich dort um Kinder und Jugendliche kümmern, die Gefahr laufen, eine kriminelle Richtung einzuschlagen. Da er Kinder nicht besonders mag, nimmt er den Wechsel nur widerwillig an, doch bald schon merkt er, dass der neue Job nicht gerade wenig anspruchsvoll ist. Die Spur der Brandstiftung, die Truman vor der Versetzung untersuchte, scheint zu einer Jugendgang in einer Sozialsiedlung zu führen. Vor allem zu deren Anführer Johnnie Murphy. Als dieser sich immer mehr in die Enge getrieben fühlt, nimmt er eine Schulklasse als Geisel, was beinahe zu einer Katastrophe führt...
Dearden konnte sich offenbar nicht so genau entscheiden, welchem Genre er hier verpflichtet sein sollte. Der Film beginnt als Sozialdrama, das sich für allein gelassene Kinder, fehlende Erziehung und die Folgen davon interessiert, driftet gegen Ende hin dann aber zu einem Kriminalstück. Das hat dem eigentlich recht starken Film etwas geschadet. Auch die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Truman und Murphys Schwester stört eher, als dass sie der Geschichte Dienste leistet.
Einmal mehr interessant: Peter Cushing in der Rolle des Priesters!


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David and Lisa / David und Lisa / Frank Perry / USA 1962 / 2

Ein junger Mann namens David Clemens, der unter extremer Abscheu vor menschlichen Berührungen leidet, wird von seiner Mutter in ein Heim für emotional gestörte Jugendliche gebracht. Die anderen Jugendlichen und auch der Psychiater Dr. Swinford müssen Abstand von ihm halten. Durch die leichteste Berührung gerät David in extreme hysterische Anfälle. Während er zu Dr. Swinford durch Gespräche langsam Vertrauen gewinnt, entdeckt er auch sein Interesse an dem jungen Mädchen Lisa Brandt, welches schizophren ist. Mit ihr kann er nur in Reimen kommunizieren. In ihrer anderen Persönlichkeit verstummt sie.
Als David von seiner Mutter wieder abgeholt wird, findet er sich zu Hause nicht mehr zurecht und reisst aus, um in das Heim zurückzukehren. Als er dort Lisa in einer Stresssituation anschreit, verlässt sie panisch das Heim und bleibt eine Nacht lang fort. Swinford und David finden sie schliesslich vor dem Eingang eines Museums. Dort gelingt es David, ihre Hand zu nehmen. Und Lisa hat aufgehört zu reimen.
Mit seiner kühlen, intellektuellen Art, die plötzlich in Hysterie umschlagen kann, gibt Keir Dullea eine grossartige Leistung. Zwar wird nicht erklärt, was zu Davids Störung geführt hat, aber in den Szenen mit seiner Mutter wird klar, dass die Probleme wohl in der Familie mit einer dominanten Mutter und einem schwachen Vater zu suchen sind. Von Lisas Hintergrund erfahren wir leider gar nichts. Was dazu führte, dass sie zwischen Lisa und Muriel hin und her pendelt, verschliesst sich. Auffällig ist auch, dass Medikamente in der Geschichte gar keine Rolle spielen. Von den äusserst interessanten Gesprächen zwischen Swinford und David hätte ich gern mehr gehabt. Ganz allgemein hätte der Film ein wenig mehr Tiefe gebrauchen können. Trotzdem: Ein starker und mutiger Film!


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The Ninth Configuration / William Peter Blatty / USA 1979 / 1

In Nordkalifornien betreibt die US-Regierung eine Nervenheilanstalt in einem grossen, märchenhaft wirkenden Schloss, um dort Soldaten einzuquartieren, die während des Vietnamkriegs durchgedreht sind. Unter ihnen ist aber auch ein ehemaliger Astronaut namens Billy Cutshaw, der kurz vor einem Abflug zum Mond einen Nervenzusammenbruch hatte.
Eines Tages fährt ein Auto vor, aus dem der Psychiater Colonel Kane aussteigt, ein ehemaliges Mitglied der Marine-Spezialeinheit. Er soll herausfinden, ob die Soldaten wirklich psychische Krankheiten aufweisen oder diese nur vortäuschen. Anschliessend soll er die Behandlung der Kranken übernehmen. Im Schloss trifft er Colonel Fell, der ihn bei seiner Arbeit unterstützen soll.
Ein spezielles Interesse entwickelt Kane an Cutshaw, doch auf die wiederholte Frage, was ihn von der Mondreise abhielt, bekommt er keine Antwort. Stattdessen schenkt er ihm eine Medaille des heiligen Christophorus. Trotz der grossen Ruhe, die Kane ausstraht, bekommt Cutshaw den Eindruck, dass Kane selber psychisch krank ist.
Kane leidet unter Albträumen und erklärt Fell, dass dies eigentlich die Träume seines Bruders Vincent seien. Dieser sei ein krankhafter Mörder gewesen, der aber unterdessen tot ist.
Die Gespräche zwischen Kane und Cutshaw mehren sich. Kane ist gläubig und überzeugt davon, dass hinter der Entwicklung der Menschheit ein göttlicher Plan steht und dass Selbstaufopferung ein gottgewollter Akt ist, der das Gute in der Welt beweist. Cutshaw, als überzeugter Atheist, sieht in der Welt die Bestrebungen des Bösen und verlangt von Kane, dass er ihm nur ein konkretes Beispiel einer Selbstaufopferung gibt, das er persönlich erlebt hat. Kane findet darauf keine Antwort.
Nach dem Besuch eines Gottesdiensts, in dem Kane einen Augenblick halluziniert, bitte Cutshaw Kane ihm einen Beweis für ein Leben nach dem Tod zu liefern, falls dieser vor ihm sterben sollte.
Im Schloss trifft Kane plötzlich auf einen neuen Patienten, der ihn Killer Kane nennt. Das löst bei Kane ein Flashback aus. Er sieht sich in Vietnam, wie er einen Jungen mit einem Draht enthauptet. Kane bricht zusammen.
Colonel Fell ruft daraufhin die Belegschaft im Schloss zusammen und erklärt ihnen, dass er der Bruder von Kane ist und die Institution als Arzt leitet. Sein Bruder ist Vincent "Killer" Kane, der in Vietnam ein schweres Trauma erlitt und sich danach eine neue Rolle als Heilpraktiker erfand, um das Böse aus sich zu entfernen und für seine zahlreichen Morde zu sühnen.
Cutshaw ist dermassen aufgebracht und enttäuscht über dieses Bekenntnis, dass er aus dem Schloss flieht, um sich in einer Bar zu betrinken. Dort trifft er auf eine Motorradgang, dessen Anführer ihn aus den Nachrichten erkennt. In beispielloser Grausamkeit wird Cutshaw daraufhin von der Gang gedemütigt und zusammengeschlagen. Einer Kellnerin gelingt es, das Schloss anzurufen, woraufhin Kane die Bar betritt, um Cutshaw zu befreien. Demütig bittet er die Rocker, ihn und Cutshaw gehen zu lassen, woraufhin auch Kane zum Spielball der Gang wird. Zuerst spielt Kane das grausame Spiel mit in der Hoffnung, dass die Rocker endlich von ihnen ablassen, doch an einem gewissen Punkt zerspringt etwas in ihm. Er steht auf und tötet fast die gesamte Gang mit der blossen Hand.
Zurück auf dem Schloss will die Polizei Kane verhaften. Doch dieser tötet sich selber, um Cutshaw einen Beweis für Gott und das Gute im Menschen zu geben.
Zeit vergeht... Eines Tages kehrt Cutshaw zu dem Schloss zurück, das nun komplett verlassen in der Landschaft steht. Dort liest er einen Brief von Kane, in welchem dieser seiner Hoffnung Ausdruck gibt, sein Freitod möge Cutshaw gesunden lassen. Als Cutshaw zu seinem Auto zurückkehrt, findet er auf dem Sitz die Medaille des heiligen Christophorus, die vorher noch nicht im Auto lag. Sein Blick erhellt sich.

Ein absoluter WTF-Film!!!
Wo und warum, um alles in der Welt, ist der untergegangen???
Der Autor und Regisseur William Peter Blatty hat hier quasi eine Fortsetzung von seinem Grosserfolg "Der Exorzist" geschrieben und selber verfilmt. In jenem Überhorrorfilm kommt ja bereits in einer kurzen Szene der Astronaut vor, der in "The Ninth Configuration" dann eine tragende Rolle spielt. Während sich der Horrorklassiker auf die teuflische Seite konzentriert, wird in "The Ninth Configuration" eher die andere Seite diskutiert. Dies geschieht allerdings nicht aufdringlich, so dass auch ungläubige Menschen wie ich den Film mit grossem Genuss anschauen können. Sowieso interessiert sich der Autor (selber sehr gläubig) eher für eine Diskussion oder ein Philosophieren über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer übergeordneten Macht. Wenn man vom Ende der Geschichte also mal absieht, bleibt es jedem selbst überlassen, mit welcher Überzeugung er oder sie den Film verlässt. Themen wie Erlösung, Gut und Böse oder die Angst vor dem Tod sind universelle Themen, die der Film angeht und die uns alle betreffen.
Der Streifen ist sogar diesbezüglich ziemlich aktuell, da er einen Blick auf die Behandlung von traumatisierten Soldaten wirft. Beziehungsweise dass eine Regierung zwar Menschen in den Krieg schicken kann, aber keine Ahnung hat, wie sie mit zerstörten Psychen umgehen soll, die daraus zurückkehren.
Bei all dem hier Geschriebenen sollte aber nicht vergessen gehen, dass der Film auch sehr viel Humor hat. Die Dialoge und Szenen sind teilweise irre witzig. Unvergesslich, wie ein Insasse Shakespeare für Hunde inszenieren möchte.
Beachtlich ist dabei, dass sich die Tonalität des Films treu bleibt, auch wenn er von Comedy zu Drama zu Fantasy oder Horror wechselt. Die Ernsthaftigkeit der Fragestellung bleibt erhalten.
Auch vom Cast her ist der Streifen höchst beachtlich! Stacy Keach als Kane ist eine hervorragende Besetzung. Durch seine Mimik und zurückhaltende Gestik wird der zerrissene Mensch, in dem zwei dermassen unterschiedliche Wesen hausen, berührend deutlich. Scott Wilson als Cutshaw gelingt mit seinen exzentrischen wie tristen Auftritten ein ebenso unvergessliches Spiel. Neben den ungeheuerlichen Dialogen waren die Schauspieler - und damit meine ich den gesamten Cast - ein grandioses Erlebnis! Ach ja, und dann hat der Film auch noch eine der fiesesten Barschlägereien, die ich je gesehen habe.
Sorry für den langen Text, aber dieser sträflich unbeachtete Film sollte mehr Fürsprecher erhalten.


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Schiller / Martin Weinhart / Deutschland 2005 / 2 - 3

Auszüge aus dem Leben des jungen Friedrich Schiller. Von der verhassten Militärakademie in Stuttgart, auf die ihn seine Eltern schickten, über seine Flucht nach Mannheim, wo er zwar vom Intendanten Baron Wolfgang von Dalberg unter die Fittiche genommen wird, sich aber mit seinem störrischen Charakter auch Feinde macht und gegen stetige Geldsorgen und Intrigen seiner Konkurrenten ankämpfen muss. Die Liebe zur jungen Schauspielerin Katharina Baumann macht sein Leben zusätzlich schwer.

Nix von grosser Bedeutung. Allerdings mit überzeugenden Leistungen der SchauspielerInnenschar! Selbst Matthias Schweighöfer in der Titelrolle ist überzeugend. Der Mann war mir bisher eigntlich nur durch nervtötende Komödien bekannt.


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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

14. Juni 2019

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Brad's Status / Im Zweifel glücklich / Mike White / USA 2017 / 1

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

15. Juni 2019


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Microbe et Gasoil / Mikro & Sprit / Michel Gondry / Frankreich 2015 / 1 - 2

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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

16. Juni 2019


DVD

La prisonnière / Seine Gefangene / Henri-Georges Clouzot / Frankreich - Italien 1968 / 2

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Rushmore
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Re: Rushmore's Shots

Beitrag von Rushmore » vor 1 Jahr

22. Juni 2019


Kino

Britt-Marie var här / Britt-Marie war hier / Tuva Novotny / Schweden 2019 / 1 - 2

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